Der Seekuhexpress

Der Seekuhexpress

„In deinem Zustand fährst du noch Fahrrad? Respekt!“ Diese kurzen Wörter gehören in letzter Zeit zu den von mir am häufigsten gehörten. Ich zucke dann immer mit den Schultern, schiebe meinen dicken Babybauch ein bisschen zurück, in der Hoffnung, dass er unauffälliger wirkt und sage, dass ich ja wenig andere Möglichkeiten habe. Und ja, es stimmt schon. Der Babybauch ist inzwischen so allgegenwärtig, dass er schwerlich zu verstecken ist. Ich habs neulich mal probiert: Bauch einziehen. Keine Chance. Der halbe Zentimeter, den der dann verschwindet, ist kaum wahrnehmbar. Für mich als ehemals-Fettie ein kleines Selbstwertproblem, aber von überall höre ich, wie toll und schön das ist und versuche damit leben zu können. Und ich weiß ja: Das geht auch wieder weg. Aber halt, falsches Thema.

Ja, ich fahre immer noch Fahrrad. Alles andere wäre für mich nämlich gar nicht drinnen. Die Kita ist ein bisschen was unter 1,5 Kilometer von uns zu Hause entfernt. Zu Fuß würde ich mindestens das dreifache an Zeit brauchen, um das Schnabeltier abzuliefern – wenn er selbst laufen würde, bestimmt das fünffache. Dazu kommt, dass er zwar gerne in der Kita ist, aber eigentlich nicht gerne hingehen mag. Als hätte ich spätestens ab einem viertel des Weges damit zu kämpfen, dass das Kind schreit, sich umdreht, weggeht und ich ihn irgendwie wieder zurück auf den rechten Weg schieben/tragen/zerren müsste. Nervlich wie Körperlich wäre ich wohl ein totales Wrack, wenn ich endlich in der Kita ankäme. Und dann muss der Weg zurück auch noch beschritten werden.

Die Alternative

Wir wohnen in einem kleinen Ort. Der Bus, der hier einmal stündlich pro Richtung fährt, fährt nicht einmal irgendwie hilfreich an der Kita vorbei – fällt also auch aus. Jedes Mal, wenn ich also über meine Fahrradaktivitäten bewundert werde, frage ich mich: Was denken die eigentlich? Was soll ich stattdessen machen? Das Kind daheim beschäftigen? Geht auch, macht mich aber auch kaputter, als es sein müsste.

Ein Auto? Klar, wir sind in Deutschland, da ist das Auto IMMER eine Alternative. Dass ich mir aktuell kaum etwas leisten könnte, hab ich vor kurzem schon einmal geschrieben. Selbst wenn ich in die luxuriöse Situation kommen würde, und uns würde jemand sein Auto schenken, wären mit so einer Karosse immer noch Kosten verbunden, die ich nicht zu stemmen wüsste. Benzin, Steuern, Reparaturen, Versicherungen, regelmäßig neue Kindersitze…

Also bleibe ich auf meinem Fahrrad sitzen. Trampel mich tag für Tag ab und merke, dass mir langsam aber sicher die Kraft auch dafür ausgeht. Früher bin ich mal im höchsten Gang (8) gefahren und hab höchstens zum Anfahren einen Gang runter geschaltet. Aktuell bin ich froh, wenn ich die Strecke auf dem sechsten Gang überlebe. Sollte ich unseren Anhänger und Einkäufe dabei haben, kommt es vor, dass ich auch mal ganz weit runter schalte. Dann bin ich spätestens auf dem Rückweg nach Hause auf Gang 4 und fahre trotzdem unheimlich langsam. Gemächlich, wie eine Seekuh, die zufrieden und glücklich im Wasser treibt.…

Lieblingsdinge: Hörbert

Lieblingsdinge: Hörbert

Okay, gehört das jetzt in Lieblingsdinge oder in Selbstgemacht? Hach, immer diese Entscheidungen. Okay, da weder mein Mann, noch ich IRGENDETWAS an diesem Teil gemacht haben, wird es halt ein Lieblingsding. Tada: Des Schnabeltieres verspätetestes…verspätetetes….zuletzt angekommenes Geburtstagsgeschenk.

Ein mp3-Player für Kinder

Als letztes Jahr Weihnachten näher rückte, kam ich auf die Irre Idee, dem Kind ein Abspielgerät für Audiodateien zu schenken. Da gibt es ja einiges kindgerechtes auf dem Markt inzwischen. Mein erster Stop in der weiten, weiten Welt der Hörerlebnisse für Kinder war die Toniebox, die zu der Zeit allerdings quasi überall ausverkauft war – Original kostet eine Box so um die 80€, zu der Zeit gab es Angebote, da konnte man das Doppelte dafür hinlegen.

Im Prinzip ist die Toniebox eine Box mit Lautsprecher, auf die man kleine Figuren setzen kann. Diese Figuren sind mit einer bis zwei Geschichten bespielt und spielen sich automatisch ab. Eine Süße Sache, die das Schnabeltier auch definitiv benutzen konnte – im MediaMarkt gab es immer mal wieder eine zum Ausprobieren. Die Figuren muss man sich dann halt nochmal dazu kaufen, weswegen da einiges an Kosten zusammen kommen könnte.

Durch Zufall bin ich dann auf eine Alternative gekommen, die unglaublich viel weniger Plastik benutzt, keine Figuren hat und ein bisschen teurer ist. Nach langem Überlegen hab ich mich dann dafür entschieden. Vor allem die Idee, dass man sich quasi nur das Innenleben kaufen kann, und die Box darum selbst designen, fand ich SUPER!

Der Hörbert

Also den holzarbeitsfähigen Opa gefragt, ob er sich vorstellen kann, dafür etwas zu bauen und nach dem „Ja“ die Komponenten zu kaufen – als Einzelteil dann noch ein bisschen billiger, als die zusammengebaute Box. Als diese angekommen waren hieß es für uns vor allem: Warten. Meine Schwiegereltern sind zu der Zeit umgezogen und hatten nebenher ein paar andere Projekte an der Backe kleben, zudem musste ja auch irgendwie eine Idee für ein Design her.

Durch Zufall kam dann zu Ostern ein Holzauto, das ursprünglich Weihnachtskekse transportiert hatte, in den schwiegerelterlichen Haushalt. Nachdem es sich als robust genug für das Schnabeltier erwiesen hatte war klar: Das wird es.

Die bunten Tasten hinten sind mit verschiedenen Hördateien belegt. Ich habe erst einmal wild alles aufgespielt, was wir an kindergerechten Sachen hier hatten – beziehungsweise die örtliche Bücherei bereitstellen konnte. Von Bobo Siebenschläfer über Oh wie schön ist Panama zum Karneval der Tiere und Anne Kaffekanne. Aktuell sind glaub ich auch irgendwo Walgesänge mit drauf, aber wir suchen schon nach Alternativen.

Die Steuerung An/Aus und Lautstärke wurden im Fahrerhäuschen versteckt. Man musste dem Schnabeltierchen nur kurz zeigen, wie sie zu bedienen sind.

Wenn der Hörbert jetzt an ist, dann wird automatisch die letzte Datei wieder gegeben, die lief, bevor er ausgeschaltet wurde. Man kann auch ganze Alben hinter den Knöpfchen verstecken – mehrmaliges drücken springt dann in den Titeln weiter. Er weiß inzwischen, wo sein Bobo-Lied ist und wo das Lied vom Wecken. Das mit dem weiterschalten hat er noch nicht ganz drauf, dafür findet er das hin und her schalten noch zu super.

Einmal das Innenleben von Oben. Links sieht man die Ein-Aus- und Lautstärkensteuerung, unten ist der Lautsprecher und rechts die Hauptplatine, auf der die Knöpfe und die Batterien liegen. Hier wird dann auch die selbst bespielte SD-Karte eingeschoben. Und einen Knopf um die Lautstärke zu begrenzen hat das Teil auch noch. Durch das Fenster oben konnte man ursprünglich die Kekse in der Kiste sehen. Die Schwiegereltern haben da eine Aufschrift mit seinem Namen fertig gemacht. Vielleicht wird da irendwann ein tolles Foto reinwandern. Oder etwas von ihm gemaltes. Oder oder oder.

Geschlossen wird die Box dann einfach mit dem Deckel oben drauf und einer Schraube, die theoretisch mit einer Münze aufzumachen ist, durch den Griff ist diese allerdings nur mit den Fingern zu erreichen. Aber das schaffe ich ganz gut – das Schnabeltier glücklicherweise nicht.

Fazit

Okay, er ist erst gestern bei uns angekommen, aber das Kind ist bereits begeistert von seinem großen Auto. Heute morgen wurde er direkt zu mir ins Bett geschleppt und ich durfte mir das Bobo-Gedudel anhören. Einerseits anstrengend – andererseits kann ich dann wenigstens noch liegen bleiben, bis mein richtiger Wecker klingelt.

Die Webseite vom Hörbert findet ihr bei Bedarf hier. Was ich noch cool fand: Sollte man sich die zusammengebaute Box holen, dann ist eine voll bespielte SD-Karte schon von Anfang an mit dabei. Aber auch so findet man auf deren Webseite eine ganze Hand voll Empfehlungen, wie man an Hörspiele für seinen eigenen Hörbert kommen kann.

Von mir aus also eine klare Empfehlung – ohne dafür bezahlt zu werden (*weinend ab*)…

Planlose Urlaubsplanung

Wenn ich etwas kann, dann chaotisch sein. Wie gut ich darin bin, wollte ich einmal in meinem Leben anhand des Themas Urlaub aufschreiben. Nur, damit hinterher niemand sagt, ich hätte ihn nicht gewarnt, sollte er jemals mit mir unterwegs sein.

Phase 1: Irgendwann davor

Wir sind irgendwann vor Sommer 2017. Das Schnabeltier ist gerade mal ein Jahr alt, das süßeste Kleinkind der Welt (sowieso), und es ist warmgewittrig. Ich weiß, dass am Ende des Jahres mein Mann seinen 30ten Geburtstag feiern will und beschließe, ihm einen Urlaub zu schenken. Ins Legoland nach Dänemark. Inklusive eben ein paar Tage drum rum. Im Reisebüro hole ich mir einen Katalog mit Ferienhäusern und bin direkt restlos überfordert. Wo will ich genau hin? Was brauchen will? Macht es vielleicht mehr Sinn, noch mehr Menschen mitzunehmen, die Ferienhäuser sind alle so groß. AAAAH.
Aber ich habe ja noch Zeit zum drüber nachdenken.

Phase 2: Also dann doch nicht

Das gleiche Jahr, nur eben im Oktober. Irgendwie habe ich noch keine großen Pläne geschmiedet, mein Mann weiß zwar bescheid und denkt ein bisschen mit. Allerdings Weiß ich noch gar nicht, wie ich Urlaub bekommen kann, wenn ich ab nächstem Jahr wieder arbeiten werde. Wir hatten mit meinem Bruder und seiner Frau drüber philosophiert, ob sie nicht mit uns kommen wollen würden – Interesse bestand. Allerdings wurde dann sie schwanger, ein Sommerurlaub mit frisch geborenem Baby hätte nicht wirklich sein müssen.

Ende des Monats habe dann auch ich von meiner Schwangerschaft erfahren. Also war ich eigentlich ganz froh, nichts festes reserviert zu haben – immerhin. Sommerurlaub mit frisch geborenem Baby…ach nein, das hatten wir schon. Also kein Sommerurlaub. Auch okay.

Phase 3: MIR IST ZU WARM, ICH WILL MEER!

Beim machen der Steuererklärung im Winter/Frühjahr diesen Jahres wurde mir klar, dass wir dieses Jahr ein bisschen Geld wieder bekommen würden. Geld, dass wir nicht komplett in Babyzeit investieren müssten. Außerdem bin ich genervt vom Immer-zu-Hause-sein und dem guten Wetter. Ich mag schwimmen, ich mag weg, ich mag nicht „nur“ Oma oder Freunde besuchen fahren, ich will raus.

Okay, Legoland fällt flach, denn entweder mit Baby oder -Bauch habe ich da keinen Spaß dran. Und auch das Schnabeltier ist noch nicht alt genug, um einen Freizeitpark zu genießen. Das verschieben wir also sowieso auf später. Aber was machen wir, was nicht allzu teuer ist, was ein bisschen Spaß und Abenteuer für den Mini beherbergt? Meine Wahl fiel auf Camping. Als Kind war meine Familie regelmäßig an diversen Campingplätzen. Erst auf den Luxus-Eurocamp-Varianten, später dann jährlich in Kroatien. Weil wir allerdings noch keine Ausrüstung haben – und kein Auto, um geliehene zu transportieren – habe ich mich dann mal über Eurocampingplätze schlau gemacht, mir ein paar heraus gesucht, die uns gefallen hätten und – gewartet. Ohne das Geld in der Hand zu haben, wollte ich nämlich nichts reservieren oder gar buchen!

Phase 4: Warum eigentlich Mittelmeer?

Okay, die Frage ist leicht zu beantworten. Ich hätte vor gehabt, in zwei Steps zu reisen. Einmal von Berlin nach München, um meine Familie zu besuchen, deren Weihnachtsbesuch im letzten Jahr ausgefallen war. Von da aus sollte es dann am nächsten Tag per Nachtzug weitergehen nach Italien – irgendwie in Richtung Venedig. Ein paar tolle Plätze hätte es da gegeben, der Nachtzug wäre nicht allzu teuer geworden, und ein Auto hätte man sich auch reservieren können.

Allerdings gab es durch einen spontanen Ringelrötel-Fall in der Kita ein paar Tage, in denen ich mich und das Schnabeltier beschäftigen musste, wodurch wir einfach mal nach Bayern losgedüst sind, und meine Familie besucht haben. Also, zumindest die Teile, die nicht selbst im Urlaub steckten (verdammt, meine Spontanität wieder….). Also müssten wir gar nicht „da unten“ lang, um eventuell wohin zu kommen. Für mich stand und steht immer Meer auf dem Programm. Meer bedeutet für mich sehr, sehr viel.

Aber auch Deutschland hat ja bekanntlich das eine oder andere Meer zu bieten. Also die Fühler wieder in den Norden ausgestreckt. Nord- oder Ostsee? Nordsee verschwindet, also Ostsee. Und Campen. Wo und wie findet man denn schöne Campingplätze? Internet befragt, Menschen befragt, ein großes Fragezeichen auf dem Kopf gehabt.

Nun ist es nicht so, dass ich per se etwas gegen das campen mit Zelt habe. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich irgendwo in der 30+ten Schwangerschaftswoche sein würde, sollte zelten dieses mal definitiv keine Option sein. Also ein Wohnmobil leihen. Hier oder vor Ort direkt. FUCK IST DAS TEUER.

Phase 5: Pfffffffffft

Warum habe ich mich eigentlich aufs campen versteift? Ich wollte ja etwas, das dem Kleinkind Bewegungsfreiraum gibt. Kontakt zu anderen Kindern. Anderen Welten. Abenteuer, mit seinen 2 Jahren. Das muss ja nicht zwingend in einem Zelt sein. Er liebt doch Tiere. Wie wäre es mit einem Urlaub auf dem Bauernhof?

Okay, Google angeschmissen, nach Bauernhöfen an der Ostsee gesucht. Eine Hand voll für toll befunden. Alle angeschrieben. Zwei von den fünfen haben geantwortet. Miese Quote meiner Meinung nach, zumal von einem der Höfe eine Automatische „Ihre E-Mail ist bei uns angekommen und wir melden uns bald bei Ihnen“-Nachricht kam. Egal. Zwei Antworten hatten wir, eine davon von meinem Favorithof. Nach ein bisschen hin und her haben wir festgestellt, dass im gewünschten Zeitraum keine Ferienwohnung, dafür das -haus frei sei. Ein bisschen teurer, aber für uns dennoch machbar. Die Zahlung vom Finanzamt war inzwischen angekommen, also habe ich zugesagt. Um mal zu zeigen wie spontan es inzwischen war: Die Papiere kamen am Dienstag, am Mittwoch habe ich sie zurück geschickt und am Samstag sind wir losgefahren. Um das Leihauto hatte sich glücklicherweise mein Mann gekümmert. Zumindest ab dem Moment, in dem ich gesagt habe „Wir fahren dann und dann nach Schleswig Holstein, kümmer dich um das Gefährt!“

Tjoar, und dann sind wir halt am Samstag los gedüst und haben Urlaub gemacht. Aber mal ehrlich: Bin ich die Einzige, bei der das so ein chaotisches Hin und Her ist? Ich hab echt Respekt vor den Menschen, die Jahre im Voraus wissen, wo sie hinfahren werden. Wie verbringen andere Familien ihren Urlaub mit Kleinkindern? Gibts Tipps? Und wollt ihr wissen, wo wir waren und wie es war? Ich bin neugierig. Lasst mal hören!…