(K)ein normaler Wochenendmorgen

7:24

Das Kind ist wach.
Aufstehen.
Aufs Klo gehen.
Kind wickeln und anziehen.
Aufpassen, dass Kind nix kaputt macht.
Eigene Klamotten zusammen suchen.
Auge aufs Kind haben.
Langsam wach werden.
Kind aus dem Bad holen.
Anziehen.
Kind aus dem Bad holen.
Weiter anziehen.

Kaffeewasser kochen.
Kind ein halbes Buch vorlesen.
Kaffee machen.
Kind aus dem Bad holen.
Kind beschäftigen.
Aufpassen, dass Kind nicht vom Sofa purzelt.
Geburtstagsgeschenk einpacken.
Kind trösten, das vom Sofa gepurzelt ist.
Geburtstagsgeschenk zuende einpacken.
Kind auf den Arm nehmen.
Mit Kind auf dem Arm Geschenkverpackungsmaterial aufräumen.
Kind absetzen um einen Schluck Kaffee zu trinken.
Kind aus dem Bad holen.

Das Chaos in der Wohnung begutachten.
Kind ein halbes Buch vorlesen.
Haare bürsten.
Haferflocken fürs Kind in der Mikrowelle kochen.
Schluck Kaffee trinken.
Kind aus dem Bad ziehen.
Eier kochen.
Das Kind ist so ruhig. Kind suchen gehen.

Kind beim spielen in seinem Zimmer beobachten und seelig grinsen.
Früchte in die Haferflocken kippen und nochmal ab in die Mikrowelle.
Kind das ganze Buch vorlesen.
Der Kaffee ist kalt. Trotzdem runter damit.
Kind das halbe Buch vorlesen.

Blog schreiben und überlegen, wie hart die Eier inzwischen sind.
Frühstückskram auf dem Tisch verteilen.
Kind suchen.

9 Uhr. Guten morgen zusammen.…

Sie nannten es Die Feiertage

Sie nannten es Die Feiertage

Okay, ich habe es versprochen, also hier meine Zusammenfassung von Weihnachten mit Baby. Sobald ich damit durch bin, gehts auch wieder mit „normalen“ Themen des Blog weiter, versprochen.

Wie bereits erwähnt wohnt meine Familie gefühlt unendlich weit weg von uns. Oder sollte ich eher sagen, dass es andersrum ist? Deswegen ist Weihnachten für uns (oder zumindest für mich) dieses eine Datum, an dem ich meine Menschen endlich wieder sehen kann. Und jedes Jahr freue ich mich so unheimlich darauf, dass ich auf Arbeit am liebsten Leute gefressen hätte, wenn die es gewagt hätten mir meinen Weihnachtsurlaub nicht zu gewähren. Glücklicherweise war das bisher nie der Fall und dieses Jahr bin ich dank Elternzeit sowieso nicht Urlaubsabhängig. Da mein Mann sich allerdings mit seiner Kollegin absprechen muss, konnte er dieses Jahr erst später zu uns stoßen.

Akt 1: Die Anreise

Gibt es enspanntere Dinge als mit einem 9 Monate altem Baby Bahn zu fahren? Bestimmt nicht. Höchstens mit einem 9 Monate altem Baby 8 Stunden Bahn zu fahren. Und jetzt alle einmal gemeinsam: „Spaßspaßspaßspaß“. Immerhin hatte ich diesmal meinen Kinderwagen nicht dabei, dafür halt das Schnabeltier und einen kleinen Rucksack, der mit Dingen für die ersten Tage gefüllt war, bis sein Papa mit dem großen Koffer nachgereist kam.

Tatsächlich hat sich das Schnabeltier allerdings ganz gut benommen. Die meiste Zeit hat er auf meinem Schoß oder auf einem unserer teuer reservierten Sitze verbracht. Diesmal haben wir im „Familienbereich“ gesessen, der tatsächlich nichts anderes ist als ein Teil (!) eines Großraumbereiches, in dem gebündelt viele, viele, viele Kinder sitzen. Vor und neben uns saßen zwei Kinder (mitsamt Elter(n)). Mit den Eltern konnte ich quatschen, das Schnabeltier hat mit den Kindern kommuniziert, wir haben ein bisschen Bücher und Spielzeug hie und da ausgetauscht und gegen 3/4 der Fahrt wurden dann auch noch Snacks in alle Richtungen getauscht. Das Schnabeltier gab gerne seine Paprika/Staudensellerie/Karotten/Hirsekringel an die anderen aus und erhielt dafür Banane, Birne und Karottencrisps. Faszinierend, was es alles an an Knabberkram bereits für Babys gibt. Verständlicherweise wurde er dennoch gegen Ende der Fahrt ziemlich quengelig – Kein wunder. Was richtiges gegessen hatte er bis dahin noch nicht.

Dennoch habe ich es geschafft ihn bis wir in Augsburg umgestiegen waren ruhig zu halten. Von da an hieß es nur noch 1,5 Stunden Bimmelbahn. Super. Die Zeit habe ich dann genutzt, um dem kleinen ein bisschen Mitgebrachten Brei zu verfüttern und er anschließend damit, die Bahn zu erkunden. Da wurde hin und her und vor und zurück gekrabbelt, Mitreisende betrachtet, unter Sitzen durch und Treppen hoch.
Treppen hoch?
Oh ja, an diesem Abend habe ich ihn das erste Mal eine Treppe erklimmen sehen. Als hätte er das schon immer gemacht. Und es sollte im Zug nicht das letzte mal sein. Ihr könnt euch denke ich mal vorstellen, wie seine Hose und seine Hände nach der Krabbelzeit ausgesehen haben.

Am Zielbahnhof sind wir dann auch von meiner Mutter abgeholt worden. Endlich angekommen. Müde aber Glücklich waren das Baby und ich. Vor allem ich. Endlich aufs Klo!

Akt 2: Weihnachtsgeplänkel

Jedes Jahr gibt es die selben Diskussionen: Was gibt es, wer macht was, wo genau wird gefeiert, wie viel gibt es, wer orginisiert ABC?! Jedes. Jahr. Am amüsantesten ist es dann, wenn Dinge lang und breit ausdiskutiert werden, die eigentlich von Anfang anklar sind oder bei denen ein klares Wort bereits reichen würde. Irgendwann waren wir aber alle auf einem Stand. Ich durfte Nachspeisen machen, während meine Mutter auf das Kind aufpassen wollte – am Ende hat dann mein Mann das schlafende Schnabeltier bekuschelt und ich meiner Mutter beim Rouladen machen geholfen, als ich mit meinem Kram fertig war.

Zur Feier des Abends hatte das Schnabeltier sogar verdünnten Saft in seiner Flasche und durfte mal an meinem Blaukraut naschen. Ich für meinen Teil habe ein bisschen geweint, weil ich keinen Glühwein (oder wars Feuerzangenbowle?) trinken durfte, aber die Feier dennoch genossen.

Am Geschenke auspacken war das Schnabeltier dann doch eher semiinteressiert. Halbherzig hat er ein bisschen am Papier geraschelt. Allerdings war er zu der Zeit auch schon ziemlich müde und wirklich krabbeln lassen wollten wir ihn im Bescherungszimmer auch nicht, wegen der Feuerzangenbowle und dem Weihnachtsbaum mit Kerzen. Also haben wir uns recht bald verabschiedet, das Kind ins Bett gebracht und mit meinem Bruder und seiner Freundin, die kurz danach zu uns gestoßen sind noch stundenlang gequatscht und Halt mal kurz gespielt.

Dabei haben wir gar nicht darauf geachtet, dass das Kind sich im Bett so weit bewegt, dass er es gegen Ende tatsächlich geschafft hat, sich rauszurollen. Ohje. Zum Glück war nichts weiter passiert. Mama hat gelernt, kiloweise Decken um das Kind zu stapeln, Kind konnte beruhigt werden, es war eh schlafenszeit.

Akt 3: Babybuffet

Und weil ein Teil der Familie noch nicht genug ist, mussten wir am ersten Weihnachtsfeiertag mit dem anderen Teil der Familie brunchen gehen. Brunchen. Von 11 bis 14:30. In einer Gaststätte. Hab ich mal erwähnt, dass ich eigentlich gerade eine Diät mache? Und dass es dort SOOOO viel leckeres Essen gab?! Gefühlt habe ich die ganze Zeit nur durchgefuttert, realistisch gesehen hatte ich auch Pausen, in denen das Schnabeltier hier und da schnabulieren durfte. Ein bisschen Gemüse hier, ein wenig Obst da, dort ein Ei. Der gesamte Tisch sah später aus, als sei ein Unglück darüber her gebrochen, aber Spaß hat es uns allen gemacht.

So sieht ein Tisch aus, an dem ein Schnabeltier schnabulieren durfte
Akt 4: Ih

Man möchte es kaum glauben, aber wir waren tatsächlich länger als diese paar Tage in Bayern. Über die späteren Tage lässt sich allerdings nicht viele Worte verlieren. Genauer gesagt: Eigentlich lässt sich nur das eine Wort verlieren: Ih!

Eines wunderschönen morgens bin ich mit Halskratzen aufgewacht und wusste direkt „das kann ja noch heiter werden.“ Im Laufe des Tages kam eine schnupfnase hinzu, das Kratzen wurde stärker….ach, ich denke mal ihr wisst, wo das hinführt. Ich wurde krank. Nicht irgendwie krank, sondern halt so halsschmerz-kopfschmerz-schnupfnase-husten-krank, gegen das man nicht viel machen kann. Und dennoch muss man sich ja ums Kind kümmern. Irgendwie. Das war echt eklig. Noch ekliger wurde es dann, als ich es geschafft hatte meinen Mann mit anzustecken und wir schniefnäsig, mit putzmunterem Kind 8 Stunden zurück nach Hause fahren mussten. Diesmal im IC. Diesmal ohne Kinderabteil und ohne Familienbereich. Mitten drin im Großraumwagen.

Dösen war nicht richtig drin, das Kind dauerhaft beschäftigen war anstrengend, einen Waggon weiter war (zumindest als ich mal durchgelaufen bin) ein Mann, der seinem Unmut lautstark Gehör verschaffte, weil ein neben ihm sitzendes Kind sich erdreistet hatte nicht still und leise die Fahrt zu ertragen. Herrje. Der. Arme. Mensch. Dennoch gab es auf dieser Fahrt das Plus, dass ich wenigstens halbwegs ungestört die Bahntoilette aufsuchen konnte. Insgesamt war ich dennoch mehr als froh, endlich zu Hause ankommen und ins Bett fallen dem Kind Abendessen machen, es Bettfertig zu machen, hinlegen, kuscheln, noch ein bisschen mit meinem Mann quatschen und dann schlafen zu können.

Ich mag Weihnachten in der Ferne wirklich sehr.

Ich mag es allerdings auch wirklich sehr gerne, wieder nach Hause zu kommen.…

Das wars also mit 2016

Das wars also mit 2016

Das war es also, dieses seltsame Jahr 2016. Das Jahr, von dem es im Internet heißt, dass es das schlimmste überhaupt war (oder so ähnlich), weil unheimlich viele Stars unserer Generation gestorben sind. Um ehrlich zu sein: Wirklich beroffen haben mich von „all den vielen Menschen“ genau drei Stück. Bud Spencer, mit dessen Filmen ich quasi groß geworden bin. Alan Rickman, der einen wunderbaren Professor Snape und Metatron gespielt hat und Carrie Fisher, die ich, wie wahrscheinlich die meisten Menschen, als Prinzessin Leia kenne.

Vielleicht klinge ich ein bisschen arrogant, wenn ich nur diese drei benenne und auch nur diese Rollen aufzähle. Ich war noch nie gut im Fangirlen und Betroffenheit heischen, wenn doch eigentlich gar keine da ist. Und meine Betroffenheit hält sich in Grenzen, wenn Menschen sterben, die ich nicht kenne. Ja, ich mag den Tod im allgemeinen auch nicht und mir tut es natürlich um die Menschen und deren Familien leid. Aber dieses allgemeine „Oh nein, wieso nur ausgerechnet diese Person?!“ stellt sich bei mir nicht wirklich ein.

Mein eigenes, kleine Schnabeltier

Mein persönliches 2016 hatte seine Hochs und Tiefs. Ich hatte Schmerzen, ich hatte die heftigsten Glücksgefühle meines Lebens. So sehr geweint wie dieses Jahr habe ich sonst nicht, so starke Hormonschwankungen hatte ich niemals. Kurzum: Ich habe ein Kind bekommen. Mein erstes Kind. Das Schnabeltier kam im ersten Jahresviertel und ist inzwischen so groß und so aktiv geworden, dass ich ihn beinahe nicht wiedererkenne, wenn ich „alte“ Fotos von ihm sehe.

Je nachdem, wen man fragt sieht er sowieso entweder aus wie mein großer Bruder in dem alter, oder wie mein Mann in dem Alter. Ich habe auch schon Leute sagen hören, dass er mir ähnlich sehen würde, aber ich erkenne nur meine Füße an ihm wieder. Aber er ist ein tolles Kind das mich bereits so oft an meine Grenzen gebracht hat, und dennoch sind wir jetzt hier und glücklich miteinander.

Überhaupt meine Männer. Wenn mir vor 6 Jahren, also 2011 jemand gesagt hätte, dass ich  jetzt, diese 6 Jahre später in Brandenburg sitzen würde, verheiratet und mit Kind auf dem Schoß, dem hätte mein damals abimachendes Ich wohl gehörig den Vogel gezeigt.

Ein Kampf dem Gewicht

Während der Schwangerschaft fiel es mir übrigens unheimlich schwer, mich zusammen zu reißen, was Essen angeht. Kein Wunder also, dass ich viel zu viel zugenommen hatte. Wirklich frustriert hatte mich allerdings, dass ich auch 6 Monate später immer noch mit diesen Schwangerschaftsjeans durch die Gegend gerannt bin. Da musste doch was besser gehen.

Irgendwie bin ich dann auf das Buch Fettlogik überwinden gestoßen. Eine Weile lang bin ich nur neugierig darum herum geschlichen. Irgendwann war es mir dann zu viel und ich habe es mir einfach im hiesigen Buchladen gekauft. Ein bisschen länger hat es dann gedauert, bis ich dazu gekommen bin, es zu lesen. Auf der Rückreise unseres Bayernurlaubs lag es allerdings in meiner Tasche, und solange das Schnabeltier schlief konnte ich lesen. Sagte ich lesen? Verschlingen!

Kaum war ich zu Hause angekommen wollte ich unbedingt das, was ich jetzt verinnerlicht hatte umsetzen. Ich stellte die Art und Menge meiner Lebensmittelaufnahme um. Beobachtete mein Essverhalten, schrieb auf was und wie viel ich zu mir nahm. Und am wichtigsten: Ich stieg auf die Waage. Fluchend und Schimpfend, aber ich bin drauf gegangen, habe mir aufgeschrieben wo ich stand, bin runter gegangen und habe mich diszipliniert.

Es war verdammt schwer. Aber irgendwie habe ich es geschafft, bis zum Jahresende 15kg loszuwerden. Und das in einer Zeit, in die diverse Geburtstage und die Weihnachtszeit fallen. Ich bin unendlich stolz auf mich, verdrücke meinen letzten Schokoweihnachtsmann und werde morgen wieder ganz brav von vorne Beginnen. Jetzt, da die Schwangerschaftspfunde weg sind, bin ich gespannt, wie mein Ich im Normalgewicht sein wird. Das sind auch nochmal mindestens so viel wie bereits verloren, aber jetzt habe ich ja den Dreh raus.

Also dann:

Liebes 2016, ich mochte dich. Dennoch sagte ich hiermit „Auf Wiedersehen“

Liebes 2017, ich freue mich dich kennen lernen zu dürfen. Wir werden sehen, wie wir uns verstehen.

PS: Das Beitragsbild wurde von der wundervollen Katja Scherle – Festtagsfotografien geschossen, die bereits unsere Hochzeitsbilder gemacht hat. Sollte jemand darüber nachdenken zu heiraten und schöne Bilder zu machen: Sie ist ihr Geld wert. Immer!…