Vor Hebeversuchen bitte Bekanntschaft schließen

Hallo liebe Mitmenschen,

inzwischen ist mein Sohn 10 Monate alt. Er kann schon eine ganze Menge. Stehen zum Beispiel. „Mamamammamama“ oder „Gagagagaga“ oder „Dadada“ oder „Bababa“ sagen. Er kann auf Dinge deuten, die ihn interessieren oder die er Essen will. Vor allem  lernt er sich bemerkbar zu machen, wenn er etwas nicht möchte.

Ich weiß, dass es schwierig ist so einem kleinem Menschen ernst zu nehmen. Schließlich bin ich selbst nicht immer in der Lage auf seine Wünsche oder Bedürfnisse einzugehen. Ganz zu schweigen davon, dass ich ihm vorm ins-Bett-gehen die Zähnchen putzen muss, was ihm aktuell so gar keinen Spaß macht. Aber das gehört zu den Dingen im Leben, die eben sein müssen, weil es für seine Gesundheit gut ist.

Was allerdings nicht sein muss, dass muss nicht sein. Er ist gerade dabei sich selbst als Wesen kennen zu lernen, zu entdecken, dass er ein eigenes Ich hat, einen Willen, auf den auch gehört werden kann.  Als Mutter sehe ich keinen Grund, diesen Willen wegen Nichtigkeiten zu brechen.

Liebe Menschen, ihr seid groß und unbekannt. Ihr habt andere Stimmen und andere Gerüche, ihr seht anders aus, als jeder Mensch den er bisher gesehen hat. Mein Sohn ist ein unheimlich freundliches Baby. Er freut sich darüber euch anzusehen und kennen zu lernen. Aber in seiner Geschwindigkeit. Wenn ihr mit eurer Größe und Unbekanntheit auf ihn zu kommt und ihn einfach aus den Arm nehmt, dann macht ihm das verständlicherweise Angst. Dann fängt er an zu weinen und nach seiner Sicherheit zu suchen.

Liebe Menschen, seine Sicherheit bin ich. Oder sein Vater. Oder seine Omas. Menschen die er kennt und denen er vertraut. Wenn er Angst hat, dann will er JETZT und SOFORT dort hin, denn er muss dieses „gleich“ und „alles nicht so schlimm“ erst kennen und begreifen lernen. In diesem Moment hilft kein „Ach, alles gut, da muss er halt durch.“ Gehts noch? Natürlich muss er da nicht durch. Wir sind doch da und können ihm die Sicherheit, die er verlangt ohne Probleme gewähren. Bei uns kann er sich beruhigen und von sich aus den Kennenlernprozess starten. Und der wird kommen, denn er ist verdammt aufgeschlossen und Neugierig.

Wir lernen uns kennen – in Schnabeltiergeschwindigkeit

Erst einmal muss aus der Sicherheit heraus die Lage gecheckt werden. Dann kann er damit beginnen auf euch zuzukommen. Schließlich ist die Mama/der Papa jederzeit hinter ihm erreichbar und hat anscheinend auch nichts gegen das Unbekannte da vor ihm. Es wird geschaut, es wird vorsichtig angefasst, auf jeden Fall wird gegrinst uns gelacht. Er zeigt schon, wenn er euch vertraut. Wenn er kein Problem damit hat, sich hochheben zu lassen. Aber das braucht eben seine Zeit. Bitte lasst sie ihm.

Später muss Kindern beigebracht werden, dass sie Nein sagen sollen, wenn ihnen jemand zu nahe kommt. Wenn jemand was macht, was sie nicht mögen. Warum kann das eigentlich nicht bereits im Babyalter anfangen? Warum muss ich als Mama mir doofe Sprüche anhören, wenn ich mein Kind aus einer Situation, die ihm Offensichtlich unangenehm ist, raushole?…