Nicht mehr Baby

Nicht mehr Baby

Jetzt ist es also so weit: Das Schnabeltier ist seit einem Jahr auf der Welt. Ein Jahr, in dem so viel passiert ist, ich so viel erlebt habe, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Und geschlafen. Hah. Wer schläft denn heutzutage noch? Zugegeben: Das Schnabeltier, gerade in diesem Moment schläft, sonst käme ich gar nicht dazu, diese Zeilen zu schreiben.

Diese Zeilen, was sollen sie eigentlich darstellen? Ehrlich gesagt weiß ich es gar nicht. Ich habe einfach mal vor mich hingeschrieben, was ich ihm gerne sagen würde, wenn er mich denn verstehen würde. Mehr hätte es bestimmt werden können. Aber man muss ja nicht 10000 Zeichen nutzen, nur um immer das gleiche zu sagen, oder?

Liebes Schnabeltier

vor einem Jahr haben wir uns so richtig kennen gelernt. Du durftest mich endlich das erste mal sehen, und ich dich. Du warst so klein – obwohl mir alle erzählt haben, dass du so groß seist. Deine Augen hast du kaum aufbekommen. Wenn, dann waren sie rot, weil bei der Geburt ein paar Äderchen geplatzt sind. Das hat mich total verschreckt und mir Angst gemacht, aber mir wurde gesagt, das sei Okay und würde dir nicht weh tun. In ein paar Wochen sei das schon weg.

Dein Papa und ich haben damals versucht, deine Augenfarbe zu erraten, aber du hast die Augen kaum mehr als einen Zentimeter geöffnet. Danach gefragt, konnte ich nur mit einem Schulterzucken und „dunkel“ antworten.

Du und ich, wir mussten beide aneinander wachsen.

Gemeinsam haben wir lernen dürfen, wer der jeweils andere ist. Du musstest lernen, was „Tag“ und „Nacht“ sind. Ich, dass es verschiedene Schnullersorten gibt, und du nur die eine annehmen wolltest. Wie viele Stunden ich auf dem Sofa gesessen habe und Netflixserien geschaut – ohne mich bewegen zu können, weil du auf meinem Schoß saßt – ich kann sie nicht zusammen zählen.

Du wolltest dich so schnell schon bewegen – du wolltest den Kopf heben und dich umsehen, noch am Tag deiner Geburt. Und du wurdest immer besser darin. Dann hast du gelernt dich mit den Armen abzustützen und zu drehen. Das Hinsitzen ging dir gar nicht schnell genug, kaum hast du gemerkt, dass das geht, musste ich dich an den Fingerchen hochziehen, sonst warst du sehr böse auf mich. Kaum konntest du es wolltest du mehr – krabbeln. Vorwärts, immer vorwärts. Ich habe meinen Platz auf dem Sofa aufgegeben, um dir quer durch die Wohnung folgen zu können.

Von dem Konzept des Essens warst du zu Anfang nicht sonderlich überzeugt, das weiß ich noch. Das hat dein Papa sehr viel besser hinbekommen als ich. Ich bin daran verzweifelt, dir kleinste Mengen Karotten zu geben, dein Papa hat es einfach gemacht. Aber je älter du wurdest, desto besser fandest du es und hast alles gegessen, was man dir angeboten hat. Ich dachte immer, dass es schwer sei, ein Kind an manche Geschmäcker zu gewöhnen – nicht bei dir. Ja, gut. manchmal brauchtest du zwei oder drei Anläufe, aber im allgemeinen hast du wirklich alles gegessen, was man dir angeboten hat.

Liebes Schnabeltier, deine Augen kannst du inzwischen richtig weit aufmachen.

Du schaust dich um und findest alle Hunde, die uns beim Spazieren gehen entgegen kommen. Du siehst deinen Vater, wenn er nach der Arbeit nach Hause kommt, und springst ihm quasi direkt in die Arme. Deine Augen sind braun-blau. Du bist klein gewesen, und gleichzeitig groß. Jetzt bist du noch größer. Du bist so schnell gewachsen, ich habe in dem einem Jahr mit dir diverse Kisten mit zu kleinen Klamotten gefüllt – immer ein bisschen weinend, weil die schönen Sachen nicht mehr gepasst haben.

Schatz, ich weiß, ich werde nicht immer die beste Mutter dieser Welt sein, wir werden uns noch gegenseitig überfordern.

Aber durch dich weiß ich erst, wie sehr man einen Menschen lieben kann. Ich liebe es, wenn du mit deinen tapsenden Schritten auf mich zukommst und mich in den Arm nimmst und drückst. Ich liebe es, wenn du mit dir selbst beschäftigt bist und vor dich hin „Mamamamamama“ brabbelst. Ich liebe es, wenn du lachst und dabei so süß über die Nase einatmest.

Wenn ich daran denke, dass dir irgendetwas passieren könnte, dann tut mir das Herz weh. Ich will, dass es dir immer gut geht. Und dafür werde ich tun, was ich kann.

Ein guter Anfang wäre wohl jetzt zu lernen, dass du kein Baby mehr bist. Auch wenn du in meinem Kopf immer mein Baby bleiben wirst. Ich liebe dich über alles.

Deine Mama

PS: Ich bin gespannt darauf, wie du dich entwickeln wirst. Welche Augenfarbe du am Ende hast, wie groß du sein wirst und wie du sprichst. Es bleibt eine spannende Zeit.…

Rahnjan Lefael Daeran jah-Rodyn

Rahnjan Lefael Daeran jah-Rodyn

Über die Namensgebung

Eine der ersten Fragen, die wir als Eltern gestellt bekommen haben, war „Oh, wie seid ihr denn auf den Namen gekommen?“ Das ist ein Thema, das mich schon seit Jahren immer wieder umtreibt, und über das ich jetzt mal alle Gedanken runterschreiben wollte.

Und gleich mal vorneweg: Der Name dieses Beitrags ist nicht der Name meines Kindes. Ich war vor Jahren (und bin ein bisschen weniger immer noch) in der Welt der RPG-Foren unterwegs. Also einen Charakter ausdenken, und als dieser Geschichten mit anderen Leuten schreiben. Je Fantasy-Lastiger die Welt wird, desto ausgefallener können die Namen werden. Und ich liebe ausgefallene Namen. Eines Tages kam es dann so weit und ich konnte mich zwischen vier Namen nicht entscheiden. „Tja“, hieß es da, „was hindert dich daran, dem Charakter einfach alle Namen zu geben?“
Stimmt eigentlich, dachte ich mir, und das Namensmonster ward geboren. Auch sonst hatten meine Charaktere gerne ein bisschen seltsamere Namen. Ich hatte eine Lilith, eine Jolea Celia, einen Ejrik, einen Zequoya….ich denke der Trend ist klar: Ich liebe seltsame, verrückte, ausgefallene Namen, die spannend klingen, eine Geschichte erzählen, irgendwie anders sind.

Wenn man jetzt aber ein Baby benennen will, muss man ja nicht nur an sich selbst denken, sondern auch daran, dass dieses Kind für den Rest seines Lebens mit diesem Namen leben wird. Also muss es doch irgendwie ein alltagstauglicher Name werden. Ein Name, keine Bezeichnung. Ein Name, kein Sammelbegriff.
Außerdem sollte auch mein Mann mitreden dürfen, das Schnabeltier ist ja nicht nur mein Kind. Also musste irgendwie eine Idee her, die uns beiden gefallen würde. Ein System, mit dem wir beide arbeiten könnten.

 Listenwirtschaft

Die erste Idee war ganz einfach. Jeder von uns setzt sich mit einem Buch voller Vornamen hin, und schreibt die Namen auf, die ihm gefallen. Einfach so, ohne Sinn und Verstand. Eben alles, was einem an einem Kind gefallen könnte. Anschließend haben wir die Listen verglichen: Denn wenn ein Name doppelt auftaucht, bedeutet das ja, dass er uns beiden gefällt. Dann können wir das Kind so nennen. Soweit die Theorie.

Die Praxis sah dann so aus, dass ich um einiges mehr Namen hatte als mein Mann, und sich absolut kein Name in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise gedoppelt hat. Also haben wir jeweils die Namen des anderen genommen und versucht herauszufinden, welche der Namen einem denn ebenfalls zusagen. Zu dem Zeitpunkt wussten wir das Geschlecht des Schnabeltieres übrigens noch nicht, was bedeutete, dass wir uns sogar Namen aus beiden Geschlechtern raussuchen mussten. Interessanterweise fiel es mir leichter, Mädchennamen zu finden, die gut klangen, während mein Mann mehr Interesse an den Jungennamen hatte.

Ein Blick auf die Liste meines Mannes lies mich allerdings stark an seiner Kompetenz zweifeln. Nicht nur, dass sein Schriftbild GRAUENHAFT zu lesen war (Manche Namen konnte selbst er nachträglich nicht entziffern), nein, ich hab auch noch den Fehler gemacht ihm das Buch mit den nordischen Vornamen in die Hand zu drücken.

Raus kamen bei ihm dann Namen wie „Ninja“, „Friso“ und „Guy“. Ernsthaft. Wer will sein Kind denn Guy nennen, von meinem Mann mal abgesehen? (Schatz, wenn du das hier liest: Ich liebe dich dennoch!) Die einzigen Namen von seiner Liste, bei denen ich mitgegangen wäre waren „Jan“ und „Finn“. Nur, dass „Finn“ der Name des Katers meiner Mutter ist und „Jan“ der bürgerliche Name eines meiner Exen. Geht nicht. Gar nicht. Bwaah.

Im Gegensatz dazu habe ich mich aber auch bei meinem Mann nicht mit Ruhm bekleckert, als ich Namen wie „Gabriel“, „Raphael“ oder „Samuel“ auf die Liste gesetzt hatte. Viel zu Religiös angehaucht, wenn man ihn fragt. Dabei hab ich in dem Moment gar nicht an so etwas gedacht, sondern vor allem an den Klang der Namen, den ich sehr schön finde.

Der perfekte Name

Ich glaube, an dieser Stelle nehme ich nichts vornweg, wenn ich sage, dass wir uns auf diese Art einfach nicht einigen konnten. Wir verschoben das Thema einfach erst einmal auf später. Irgendwas würde und sich doch sicherlich im Laufe der Zeit finden lassen.

Ein paar Wochen später war es dann klar: das Kind wird ein Junge. Okay. Problem für mich, die bisher eher mit den Frauennamen geflirtet hatte. Also mussten wir beide noch einmal ran, diesmal miteinander redend: Was ist für uns eigentlich der perfekte Babyname? Also, Was würde uns eigentlich gefallen? Was für Ansprüche an einen Namen haben wir?

Für mich war vor allem klar: ich wollte keinen eingeenglischten Namen. Keinen Dänijel, keinen Robberd. Auch wenn der Klang der beiden Namen im Deutschen sowie im Englisch toll ist, so sind wir doch in Deutschland und es verzieht mir immer ein wenig das Gesicht, wenn ich von sprachlich definitiv im deutschen Raum Lebenden Menschen diese Namen höre. Anscheinend bin ich da sehr konservativ.

Außerdem sollte der Name toll klingen. Von der Theorie her gefällt mir „Mats“ als Name unheimlich gut. sowohl vom schriftlichen, als auch vom (englisch) sprachlichen (Mäds). Wenn man daran aber die erste Regel andockt, dann heißt das Kind eben Mats. Und das klingt für mich eben nach Matz, was zumindest bei mir zuhause ein Begriff für ein freches (?) Kind ist.

Ganz besonders wichtig war uns vor allem, dass es kein Name werden würde, der für uns bereits mit anderen Personen verknüpft war. Also weder Daniel, noch Robert, noch Mathias (in welcher Schreibweise auch immer). Zuletzt gab es dann noch ein paar Kleinigkeiten von beiden Seiten, wie eben die Sache mit den biblischen Namen, mit den nordischen Namen, auf keinen Fall in Chantalismus verfallen, schreibbar sein undundund.

Ojemine, wie nennen wir ihn denn nun?

Die Zeit verging, und eine Antwort auf diese Frage blieb noch immer aus. Hin und wieder warfen wir uns gegenseitig Namen für Jungs an den Kopf, die aber direkt wieder verworfen wurden. Also, eigentlich warf ich, und mein Mann verwarf. Der Blick auf den Listen, auf Namensseiten im Internet, überall. Im Kopf und auf der Zunge wurden Kombinationen ausprobiert, wieder verworfen, gesprochen…es war eine interessante Zeit, in der wir uns nicht einigen konnten.

Bis ich eines Tages einen meiner Lieblingsnamen, an den ich kaum gedacht hatte, aussprach und ihn mit „Johannes“ kombinierte.
„Ja, das klingt gut.“ Wie, gut? Das war es? So sollte unser Sohn heißen? Um Himmels willen, wir hatten einen Namen? Jetzt konnte ich mit dieser Namenskombination spielen, aussprechen, nutzen, mir den Klang anhören und feststellen, dass ich Johannes so gar nicht mochte. Johannes, wer heißt denn bitte schön so? (Sorry an alles Johannes‘ dieser Welt).

Und mein Mann, gerade mein Mann, der so viele Namen abgeblockt hatte, weil sie ihm zu biblisch waren bestand auf einmal auf Johannes! Ich kam mir ein kleines bisschen verarscht vor, auch seine Ausrede, einer seiner Opas habe so geheißen, zog bei mir nicht. Wenn ich schon einen biblischen Namen bekommen sollte, dann doch nicht Johannes bitte!

Also wurde weiter gegrübelt und schließlich kam ich auf einen Namen, der wenigstens ähnlich war. Jonas. Vorname 1 + Jonas klang doch in der Aussprache eben so gut, wie das zuerst vorgeschlagene Johannes. Also alles gut. Mein Mann konnte sich mit dieser Alternative abfinden.

Und wie seid ihr jetzt auf den Namen gekommen?

Die Hauptfigur meines Lieblingsmärchenfilmes heißt so. Welch einfache Lösung. Außerdem habe ich eben festgestellt, dass der Name tatsächlich auf meiner Liste verzeichnet gewesen ist.

Jonas wurde aus der Notwendigkeit heraus geboren, einen Namen zu finden, der Nahe an Johannes ist. Auch hier kam die Inspiration aus einem Buch, dass wir beide kurz zuvor gelesen hatten. Tatsächlich wurde ich erst ein paar Monate nach der Geburt darauf angesprochen, dass ich doch schon einen Jonas kennen würde. an den ehemaligen Mitschüler in meiner Stufe hatte ich wirklich nicht gedacht.

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Und wer jetzt noch Namen entziffern möchte, der darf sich gerne in die von uns geschriebenen Listen einlesen, die ich nochmal brav abfotografiert habe. Ein Klick auf die jeweilige Datei öffnet das Bild in groß.

Die Liste meines Mannes
Meine Liste