Frohe Weihnachten 2017

Frohe Weihnachten 2017

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte sagt man.

Mir sagt dieses Bild, dass ich zu faul gewesen bin, mehr als eine halbe Stunde etwas für den Blog zu zeichnen, euch aber alle lieb habe und euch ein frohes und reich beschenktes Fest wünsche! Ich komme hier leider kaum zum schreiben, die nächsten Beiträge gibts dann wahrscheinlich im nächsten Jahr.

Frohe Weihnachten und guten Rutsch!…

#ichgebeab aka das Klischeebaby kehrt zurück

Auf meiner Lieblings-Social-Media-Plattform Twitter hat sich zumindest in meiner kleinen Filterblase der Hashtag #ichgebeab / #ichgebab gebildet. Ein Hashtag ist quasi ein Sammelbegriff, unter dem jeder seine Gedanken zu einem bestimmten Thema abgeben kann. Dies nur kurz an das Lesende Publikum, denen Social-Media und Internet im allgemeinen ein großes Fragezeichen über dem Kopf aufleuchten lassen (Hallo Mama. Ich hab dich lieb.)

Entstanden ist das ganze durch eine Reihe an Tweets eines Accounts, der im allgemeinen auf die Unsinnigkeit von Geschlechtertrennung im Babyalter schon aufmerksam macht.

Ich will mal so sagen: Da kamen noch mehr. Sehr viel mehr. In einem Blogartikel des eben genannten Accounts wurden ein paar Tage später, nachdem der Hashtag eben so eine unglaublich große Resonanz erhielt erklärt, wie es zu den Ausgangstweets kam. Da von dem Account, dem ich eben auch folge, viel in meine Timeline gespült  wurde, was andere dazu zu schreiben hatten, wurden meine Augen im Laufe der vergangenen Tage immer größer. Was sind das für Menschen, die ihren Kindern, ihren Enkeln, ihren Schutzbefohlenen oder einfach nur ihrer Umgebung einen Stempel aufdrücken müssen, den diese vielleicht gar nicht wollen?

Das ist nur ein kleiner Teil von dem, was ich in letzter Zeit zu lesen bekommen habe. Und ich lese das und stelle mir die Frage: WAS STIMMT MIT DEN LEUTEN EIGENTLICH NICHT?

So aufwachsen, wie man will

Vielleicht verkläre ich in der Erinnerung an früher einiges. Aber ich bin, wenn ich diese Dinger lese, meiner ganzen Familie so unendlich dankbar, dass ich mich so entwickeln durfte, wie ich wollte. Das fing mit „Ich will Haare haben wie Pocahontas“ an. Das wurde aber auch zu einem Mädchen, dass mit Star Wars aufwuchs und bis heute glühender Fan ist.

Ich hatte Puppen zu Hause, aber eben auch Legosteine. Barbies und Sailor Moon-Bettwäsche, aber eben auch Die Herr der Ringe Filme, sobald ich alt genug war. Die Hörspiele, die es damals gab schon vieeel früher. Ich habe das immer für normal gehalten. Und wenn ich als Mädchen die Pocahontas-Haare abschneiden musste, weil die beim Sport (Handball? Turnen? Irgendwas wars bestimmt) zu warm waren, und ab sofort mit Streichholzkurzen Haaren durch die Weltgeschichte tingeln wollte, dann war das so. Und es war gut. Mein großer Bruder durfte in den Kleidern seiner besten Freundin rumlaufen. Meine kleine Schwester hatte die erten Grundschuljahre gezwungenermaßen einen rosa Katzenranzen. Aber der war eben in ihrer rosa-Prinzessinnen-Phase gekauft worden. Die endete eben kurz vor ihrer Einschulung. Danach war sie ein wilder Kerl. Inklusive im Schlamm suhlen, freches Kind sein, kurze Haare und eben Fußball. Zu ihrem Unglück musste sie irgendwann in die reine Mädchenmannschaft wechseln. Trotzdem: Fußball spielt sie bis heute.

Was ist nochmal normal?

Und wisst ihr was? Das ist normal. Wir sind alle groß geworden, wir sind alle so „normal“ wie man irgendwie sein kann. Niemand von uns ist „schwul“ oder „lesbisch“ oder sonst irgendetwas „schlimmes“ geworden. Mein Bruder und ich sind beide verheiratet (Nein, nicht miteinander, was denkt ihr denn schon wieder?!), meine Schwester hat einen wundervollen Freund. Solo ist bisher meines Wissens nach nur unser kleiner Bruder, aber der bestimmt nicht, weil er nur Puppen zu spielen bekommen hat….war nicht er das, der meine Barbies reihenweise geköpft hat?

Was ich sagen will: Wieso lassen all diese Leute, über die im Hashtag geredet wird ihre Kinder nicht einfach sein? Warum muss schon Kindergartenkindern eingetrichtert werden, dass ein Junge, der mit Puppen spielt nicht normal sei? Etwas, worüber es zu lachen gilt?

Das traurige an der Geschichte ist ja, dass Kinder nicht von selbst auf solchen Schwachsinn kommen. Kleine Kinder schauen sich das Verhalten von Vorbildern ab und reproduzieren das, was sie sehen. Was sie vorgelebt bekommen. Was ihnen erzählt oder was sie gefragt werden. Kindergartenkinder finden Jungs, die mit Puppen spielen also nicht doof, weil Kinder Jungs, die mit Puppen spielen doof finden. Kindergartenkinder SEHEN, dass die Anderen Jungs, die mit Puppen spielen doof finden. Also sind für diese Kinder Jungs die mit Puppen spielen doof. Und so wird das weiterreproduziert. Immer und immer weiter.

Aber du bist doch eine Frau….in erwachsen

Wenn es denn wenigstens bei den doofen Kindergartenkindern bleiben würde. Aber wenn die Kinder aus dem Alter raus sind, hört das ja nicht auf.

Ich glaube, es reicht so langsam an Beispielen, oder? Halt doch! Eins habe ich noch, aus meiner ganz persönlichen, kleinen Welt: Als Mädchen in die IT? Das ist aber auch nicht normal, oder? Wie ist es denn dazu gekommen?

Und ja, tatsächlich: In meiner Berufsschulklasse war ich eines von zwei Mädchen eine von zwei jungen Frauen, unter um die 25 junger Männer. Haben wir beide unsere Sache deswegen schlechter gemacht? Nö. Ich war sogar – ohne mich groß anstrengen zu müssen – eine der Jahrgangsbesten. Wie oft ich mit „Streberin“, auch im Scherz, anhören musste, hab ich gar nicht gezählt. Tatsache war: ich war stinkend faul und der Stoff echt einfach. So zumindest mein Empfinden. Auch im Beruf ist Administrator nicht das, was man als Frauenjob kennt. Bei uns in der Firma bin ich die einzige weibliche Besetzung auf Adminposten. Die anderen machen Programmierung, UHD (User Help Desk = (Telefon)support) oder Organisation. Auch privat hab ich von all denen, die IT machen bisher nur eine Frau kennen gelernt, die ebenfalls Admin ist. Ein faszinierendes Bild…

Zurück zur Ausgangsthese

Ich verstehe es nicht, wieso man Kindern unbedingt den „Du bist doch Junge/Mädchen“-Schuh anziehen muss. Wieso ein Kind Fußball mögen muss, oder Tanzen, oder rosa oder glitzer oder Autos, nur weil es eben einen Penis hat oder eben nicht. Das könnte mich so unendlich aufregen. Vielleicht merkt man das diesem Text an. Vielleicht auch nicht.

Aus meinem persönlichen Umfeld kenne ich diese Probleme zum Glück nicht und ich hoffe allen ernstes, dass auch das Schnabeltier ihnen nie im Leben begegnen wird. Wahrscheinlich wird sich das schlagartig ändern, sobald er in die Kita kommt. Und viel mit anderen Kindern in Kontakt. Wenn es soweit ist, werde ich versuchen für ihn einzustehen und für ihn da zu sein. Sein rosa Heliumballonpferd findet er auf jeden Fall klasse. Und rosa ist es auch nur, weil er eben ein Pferd haben wollte, und es keine grünen gab. Oder – um Himmels Willen – Braune! oder Schwarze! Oder Weiße!

Drückt ihm die Daumen, dass die Anderen ihm das nicht alles kaputt machen in Zukunft.

Und Mama*? Danke! Danke, dass ich so klischeefrei aufwachsen durfte!
Ich hoffe, dass ich dem Vorbild, das ich mir an dir genommen habe, gerecht werde. Ich hab dich lieb.

 

(*Papa ( :'( ), Omas, Opa, Tanten, Onkels, Cousinen, Freunde, Freundinnen, ErzieherInnen, LehrerInnen, Eltern von….)

 

PS: Über Das Klischeebaby habe ich vor einer halben Ewigkeit schonmal geschrieben.…