90cm

Damals, als mein Freund und ich uns ein Bett gekauft haben, war das irgendwie komisch für mich. So unendlich lange waren wir noch nicht zusammen und aufgrund von vorherigen Beziehungen war ich ein gebranntes Kind. Und jetzt sollten wir uns also gemeinsam ein Bett kaufen. Weil sein bisheriges Bett, freundlich ausgedrückt, scheiße war. Rollrost, durchgelegene Matratze. Mit Federn, die ausgerechnet immer in meinen Rücken gepiekst haben. Die 140cm, die das Teil hatte, haben uns irgendwie weniger gestört. Wir waren ja recht frisch zusammen, da ist nächtliches Kuscheln ja nichts schlimmes. Nur individuelle Bettdecken haben wir uns sehr früh angewohnt. Wahrscheinlich habe ich ihm zu oft seine geklaut oder so. Keine Ahnung.

Auf jeden Fall standen wir eines Tages im Möbelladen. Meine Mutter hatte mir zum Geburtstag Geld für ein neues Bett geschenkt, weil sie selbst im bisherigen Probe liegen durfte. Und dann war da die Frage: Welches Bett? Wollten wir, quasi beinahe frisch zusammen gekommen, noch einmal ein „kleines“ 140cm Futonbettchen haben? Mein Freund wollte etwas großes. Was ordentliches. Ein Doppelbett. Zwei Matratzen, viel Platz auf beiden Seiten.

Ich habe diese Dinger als „Ehebett“ kennen gelernt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weswegen ich damals so zögerlich war. Ich und ein Ehebett? Ich und Ehe?! Bitte nicht! Auf keinen Fall. Irgendwie hatte er es dann doch geschafft, mich zu überzeugen. Ein großes Bett, mehr Platz für uns beide und vor allem eine eigene, steinharte Matratze für mich allein. Stimmt, ich hatte ganz vergessen, wie sehr ich seinen weiche-Matratzen-Fetisch gehasst habe. Meine eigene Matratze war also quasi das Züglein an der Waage, das mich überzeugt hat. 90cm meines eigenen Reiches!

Viele Jahre später

Das Bett haben wir immer noch. Verheiratet sind wir nun auch. Nur die Matratzen wurden inzwischen einmal ausgetauscht. Inzwischen hat er eingesehen, dass steinharte Matratzen halt doch das beste auf der Welt sind und sich mit meinem Matratzen-kauf gleich auch eine neue besorgt. Fun fakt: Wieder ein Geschenk meiner Mutter. Die, die wir damals zum Bett dazu gekauft hatten waren recht billig und verdammt schnell durchgelegen. Aber von 90cm mein Reich ist schon lange nichts mehr.

Angefangen hat das mit den Katzen, die sich – gerade im Winter – sehr gerne zu einem unter die Bettdecke kuscheln. Und dann am Bauch liegen, wärmen und schnurren. Manchmal schläft man auch einfach in den Armen seines geliebten Menschen ein. Manchmal hat man auch sein geliebtes Schnabeltier in den Armen, während man einschläft. Alles nicht schlimm. Alles tolle Sachen. Ich liebe meine Katzen. Ich liebe meinen Mann, und ganz besonders liebe ich unseren Sohn. Aber aktuell wird das alles irgendwie zu viel. Die Nächte, in denen ich meine Betthälfte WIRKLICH für mich habe, belaufen sich im letzten Jahr auf…vielleicht eine Hand voll. Höchstens.

Gerade jetzt, wo ich noch einen zweiten Menschen mit mir herumtrage, wird das echt anstrengend. Zumal das Schnabeltier die erste Hälfte der Nacht immer wunderbar in seinem eigenem Zimmer schläft. Aber irgendwann – irgendwie zwischen 3 und 6 Uhr herum spätestens (neulich war es 23 Uhr), ist der kleine Mensch halt doch bei uns im Bett. Und dann wird meistens meine Decke mit in Anspruch genommen, obwohl er schon lange seine eigene hat. Die wird nur Nachts irgendwann weggestrampelt. Und sowieso, als Baby war er viel weniger zappelig.

Bedürfnisse

Und am besten schläft es sich halt doch, wenn man die Nase direkt in Mama reindrücken kann. So nah, wie es nur irgendwie geht, ist aktuell in den Morgenstunden angesagt. Dass ich mich währenddessen immer weiter auf die Seite quetsche ist egal. Ich bin ja froh, dass ich nicht aus dem Bett rausfallen kann. Sonst wäre ich das in letzter Zeit schon sehr oft.

Stattdessen versuche ich halt das Kind irgendwie vom zappeln abzuhalten, meine Decke bestmöglich zwischen uns beiden aufzuteilen und das schnarchen der beiden Männer neben mir zu ignorieren, um irgendwie wieder einzuschlafen. Leicht ist das nicht. Aber immerhin wache ich inzwischen nicht mehr vom Wecker meines Mannes mit auf und brauche dann ewig um wieder einzuschlafen.

Und ganz ehrlich: Ich habe lieber die beiden, und gerne auch noch die Katzen mit mir im Bett, als niemanden. Es gibt nämlich auch Nächte, in denen ist mein Mann auf Dienstreise. Oder gemeinsam mit dem Kind bei der Oma, während ich nicht mit kann wegen irgendwelchen Sachen. In diesen Nächten gehören 180cm Bett auf einmal mir. Keine tretenden Füßchen in meinem Bauch oder Rücken, kein Schnarchen. Höchstens das leise Schnurren der Katzen rechts und links von mir. Aber diese Nächte sind einsam. Die schlimmsten.

2 Kommentare bei „90cm

  1. Hallo meine Liebe…
    Das altbekannte Betten Problem gibt es bei mir schon seit ich ein ganz kleines Kind war. 90cm waren mir als Kleinkind nämlich viel zu wenig Platz. Ich habe mich Ansatz ins Elternbett zu klettern immer auf den Teppich im Wohnzimmer gelegt. Ein 2x3m großes, gemütliches Ungetüm das ich nur ungerne mit unserem Kater teilet. Das war von da an mein Traumbett… das ich bis heute nicht bekommen habe. Ich hatte mal ein ähnliches Gefühl im Bett meines Ex Freundes weil der einfach eine Faltmatratze beßas die so groß war wie sein Zimmer aber im Endeffekt waren das auch nur 180×200. (Kleines Zimmer- viele Möbel). Die Gesellschaftlichen Konventionen und meine Mutter (O-Ton: Du bist jetzt ein Großes Mädchen und kannst nicht immer auf dem Boden schlafen!) Haben mich vereichlichen lassen. Mittlerweile schlafe ich gerne auf großen Weichen Matratzen. Ich mag das auch nicht wenn ein Bett 2 Matratzen nebeneinander hat. Da ühle ich mich irgendwie begrenzt und eingeengt. Der Leittragende ist dann immer Deus weil er Rückenschmerzen bekommt wenn ich die weiche Matraze mit meinem Gewicht nach unten drücke und er somit „schräg“ liegt. Eigentlich benutze ich den ganzen Platz auch gar nicht mehr.. aber ich brauche das Gefühl das der Platz da ist. Meine Katzen wussten das alle. Mit mir ist nicht gut Kirschen essen wenn es um meinen Platz im Bett geht. Eine Katze hat das mal am eigenen Leib erfahren als ich mich nachts über Ihren Schwant gerollt habe. Danach hat Sie nur noch auf Deus geschlafen. Mein Bett ist für mich ein Heiliger Ort… aber ich verstehe dich gut. Wenn Deus mal nicht da ist… dann bin ich froh wenn die Katze Nachts doch mal mit großem Sicherheitsabstand das Bett besucht.

    1. Ich habe meine ganze Kinder-Teenie-Zeit mit 90cm-Betten leben können. Ohne Probleme. Kennst du noch mein Schlafsofa? Das hatte glaub ich sogar noch ein bisschen weniger, wenn zusammengeklappt. Und ausgeklappt wars eigentlich nur, wenn Besuch da war. Ich habe es geliebt. 😀
      Das mit den zwei Matratzen war anfänglich so „Ohje, sone FETTE Lücke zwischen den Matratzen“, aber inzwischen lieg ich da Abends wahrscheinlich regelmäßig drauf und merks gar nicht. Hat aber wahrscheinlich was mir gewöhnung zu tun. Und wie gesagt, auf Roys weichen Matratzen bin ich wahnsinnig geworden. Ich brauche meinen Stein im Rücken.
      Aber auch im allgemeinen brauch ich glaub ich nicht soo viel Platz zum Ausbreiten, wie du. Auf meiner Einen Seite liegt inzwischen immer das Seitenschläferkissen und engt mich ein, auf der anderen das Kind. Passt alles zusammen und is irgendwie beinahe gemütlich.
      Meine Katzen liegen auch lieber bei ihm als bei mir. Ich bin erbarmungslos, wenn ich meinen Platz haben will. Dann werden sie halt weggetreten. Aber Einsame Nächte sind halt echt nicht schön. Allein deswegen niemals ohne nen Haustier

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