Angekommen

Noch im Krankenhaus habe ich es noch nicht realisiert. Noch nicht wirklich realisiert. Wir sind jetzt eine 4-köpfige Familie. Da ist ein kleiner Mensch aus meinem Bauch gekommen. Wir sind jetzt mehr. Das Schnabeltier ist ein großer Bruder. Ich habe eine Tochter. Keine Chance, das irgendwie in meinen Kopf hinein zu bekommen. Ja, klar. Irgendwie wusste der das schon. Wusste. Aber realisierte, fühlte? Nein, absolut nicht.

Noch komischer war dann der Moment, als wir nach Hause gefahren sind. Bis eben waren da noch Leute um einen herum, an die man sich vertrauensvoll wenden konnte, wenn etwas gewesen wäre. Und mit einem Mal stehst du so allein vor deiner Wohnungstür und denkst dir: „Die haben mir gerade ein Neugeborenes überlassen. Einfach so. Ohne Fragen. KENNEN DIE MICH DENN GAR NICHT? Was ich jetzt aus Versehen alles kaputt machen könnte.“

Und dann betritt man die Wohnung, begrüßt die kleine Schwester, die als Babysitter da ist. Man wird hinein geworfen in diesen vor Leben strotzenden Ort. Mann, Schnabeltier, Katzen. Alles da, als sei nichts passiert. Dabei ist etwas passiert. Man hat sich verändert. Das Schnabeltier freut sich über seine kleine Schwester. Auf einmal ist wieder alles voller Spucktücher, voller winziger Windeln und 56er Babybodies.

Auf einmal muss man nicht mehr nachdenken.

Man muss nur noch da sein, funktionieren. Den Großen nicht vollkommen ignorieren, die kleine Stillen. Ausgespuckte Milch in Mengen aus Sofas und Stillkissen waschen. Betten neu beziehen. Boden sauber machen. Windeln, groß und klein wechseln. Im Bett liegen und den kleinen Rotschopf anstarren, der da neben einem schläft und dabei die Mundwinkel hochzieht. Und dann ist der erste Monat auch schon vorbei. Auf einmal muss der Mann wieder arbeiten gehen, und man bringt nebenher noch das Schnabeltier in die Kita und holt ihn wieder ab. Macht ihn morgens fertig. Holt mit ihm zusammen den Papa vom Bahnhof ab. Trägt das Füchschen direkt an der Brust, weil das der einzige Schlafplatz ist, den sie wirklich akzeptiert. Auch bei 35 Grad Außentemperatur und einem Dachgeschosswohnungsbackofen.

Und dann merkt man irgendwann: Man hat es ja doch realisiert. Unbewusst. Man muss es sich nicht in den Kopf kloppen. Es ist einfach so passiert. Die Welt ist nicht stehen geblieben. Sie dreht sich einfach weiter und reißt dich mit, packt dich ein, und schüttelt deine Familiengefühle total durcheinander, ohne dass du es bemerkt hast.

Das Gefühl, es ist angekommen.
Das Füchschen ist angekommen.
Ihr gehört jetzt zusammen.
Irgendwie für immer.

Alle vier.

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