Abstillmini zwischendurch

Und dann war da noch der Morgen, an dem man dem schreiendem Schnabeltier die Brust geben wollte, weil man zu sonstigen Tröstaktionen noch nicht wach genug war. Mit einem mal schrie das Kind nicht mehr – was ja gewollt war – sondern schaute mich nur ganz entsetzt an. „Nein! Papa!“
Er weiß Bescheid!…

Abstillend

Bei allen Müttern ist irgendwann dieser Punkt, in dem es heißt: Ab sofort keine Brust (mehr) fürs Baby. Die einen sagen das vom ersten Tag der Schwangerschaft an, die nächsten nach ein paar Tagen und kaputtgebissenen Brüsten, noch welche nach den empfohlenen 6 Monaten, und es gibt auch Frauen, die noch 3jährige Kinder stillen. Jede darf wie sie will. Inzwischen ist ja auch die Wissenschaft so weit Säuglingsnahrung der Muttermilch anzupassen. So weit es eben geht.

Mir persönlich war das ganze Herumgetue mit Wasser abkochen, abkühlen lassen, Pulver einrühren weiter abkühlen lassen und und und viel zu anstrengend. Was war ich froh, als nach drei, vier Tagen nach der Geburt meine Brust endlich kapiert hat, dass da ein kleiner Mensch an selbiger hängt und bitte etwas Essen möchte. Nach zwei durchwachten, weinenden Nächten mussten wir nämlich dazu übergehen Säuglingsnahrung zu verfüttern, weil das Schnabeltier keinen Tropfen abbekommen hat und hungrig war.

Seitdem lief das Stillen aber quasi problemlos. In der Anfangsphase musste mein Körper sich an das alles gewöhnen. Eine kleine Pilzinfektion, zu viel Milch, ein Milchstau – in der Anfangsphase habe ich gefühlt alles mitgemacht, was es so an Problemchen geben kann. Danach glücklicherweise nicht mehr. Es lief halt.

Seitdem das Schnabeltier angefangen hat zu Essen wurde dann auch nach und nach das Stillen weniger – bis zu letzt die Brust nur noch zum Einschlafen gegeben wurde. Abends. Der Mittagsschlaf ging sehr schnell ohne. Mit 16 – 17 Monaten war selbst das nur noch ein bisschen genuckel, der Gewohnheit wegen. Es war auch das Gewohnheitsrecht, dass das Schnabeltier immer wieder morgens zurück an meine Brust geschickt hat. Ich halb schlafend, er eher wach an mir herum reißend, nur um dann doch lieber spielen zu gehen. Schließlich wurde es mir zu bunt. Auf ein bisschen herumgekaue an mir hatte ich dann auch keine Lust.

Aufhören – aber wie?

Nach über einem Jahr stillen musste ich mir jetzt die Frage stellen: Wie hört man denn eigentlich auf damit? Bei Brüsten, die sich daran gewöhnt hat, Abends immer noch mal Milch bereit zu stellen, sodass man irgendwann Abends nur noch schmerzen hat, wenn das Kind nicht dran hängt ist das gar nicht so leicht. Und dem Kind erklären, dass er jetzt nur noch zweimal saugen darf, damit die Mama keine Schmerzen hat ist ja auch doof.

Hilfreich für mich war ein Tipp, den es zur Anfang der Stillzeit gab: Niemals Pfefferminz- und Salbei(tee) zu sich nehmen. Beides wirkt abstillend. Theoretisch mag ich Pfefferminztee nicht, und Salbei noch weniger, aber für die Unternehmung, die ich jetzt vor hatte, klang das doch genau richtig. Also wurde beim nächsten einkauf eine Packung Pfefferminztee eingepackt und von da an getrunken. Jeden Morgen eine Tasse, über den Tag verteilt noch einmal zwei, mindestens. Geschmeckt hat es nicht wirklich. Geholfen aber schon.

Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass das Schnabeltier direkt in der ersten Nacht Protest veranstaltet, weil es eben nichts zu trinken gab. Aber nö. Schnuller wurde genommen, mit Mama gekuschelt und eingeschlafen, als wäre das noch nie ein Problem gewesen. Wow. Okay. Nicht übel. Ein bisschen verwirrt bin ich dann ins Bett gegangen und hab mich gefreut, als Sohnemann dann mitten in der Nacht doch einmal Hunger angezeigt hat – der Tee hat die Produktion erst einmal nach hinten verschoben.

Nach und nach haben wir uns allerdings wirklich eingespielt. Zum einschlafen keine Brust, Nachts keine Brust, morgens keine Brust. Der ganze Prozess hat vielleicht eine Woche gedauert, danach haben wir beide uns gut genug eingespielt. Das Kind bekommt jetzt einen Becher mit Wasser ins Bett. Wenn er Nachts wach wird, kann man ihm den in die Hand drücken, er trinkt ein paar Schlucke und schläft wieder ein. Ebenfalls positiv: Jetzt kann Papa auch mal Nachts aufstehen und das Kind wieder zum schlafen bringen. Meistens schläft er nach dem trinken auch wieder in seinem Bett ein. Wir müssen ihn gar nicht mehr zu uns rüber holen.

Und zuletzt darf sich mein Hormonhaushalt auch mal wieder umstellen. Das Stillhormon schiebt sich ja irgendwie in den weiblichen Zyklus ein. Ich bin gespannt, wie der sich jetzt wieder umstellt. Das Leben mit Schnabeltier: ein einziges, dauerhaftes Umgestelle.…

Diese Nächte

Diese Nächte

Es gibt sie. Diese Nächte

In denen das Kind aufwacht, wenn du gerade am wegdösen bist.
In denen das Kind dann irgendwie wacher ist, als gewöhnlich.
In denen du von der einen Seite auf die andere rollst.
In denen du froh bist, wenn du mal fünf Minuten die Augen schließen kannst.
In denen du dennoch nicht schlafen kannst, weil neben dir wieder gegen die Wand gekickt wird. Alternativ schnarcht der Mann auf der anderen Seite.
In denen du es dem Kind nicht recht machen kannst.

In denen du dich freuen würdest, wenn dieses „Einschlafstillen“ noch klappt.
Und du dann irgendwann vollkommen verzweifelt versuchst das Kind mit Wasser ruhig zu stellen.
Und das Kind das Wasser toll findet – um das Bett nass zu machen.
Und du aber die Wasserflasche vor lauter Müdigkeit nicht mehr richtig vor dem Kind verstecken kannst.

Diese Nächte, in denen du versuchst, deinen Mann schlafen zu lassen, weil der um kurz vor fünf aufstehen muss um arbeiten zu gehen.
Und du dich irgendwann verzweifelt fragst, ob es nicht bitteschön langsam fünf Uhr sein kann?
Und du irgendwann auf die Uhr schaust, und bemerkst: Achja, nichtmal halb vier.

Diese Nächte, in denen das Kind am liebsten aus dem Bett klettern und spielen wollen würde.
Oder kuscheln.
Oder nicht kuscheln.
Oder mit Papa kuscheln.
Oder auch nicht kuscheln.
Irgendwie vielleicht schlafen.
Aber schlafen einfach doof ist.

Diese Nächte, in denen du dir sicher bist, bisher noch kein Auge zugetan zu haben, und irgendwann vollkommen fertig aus dem Bett fliehst.
Und doch wieder zurück kommst, weil ja jetzt der Mann mit dem Kind alleine ist.
Und der Mann doch morgen arbeiten muss.
Oder heute.
Und du dich mit dem Kind ins Kinderbett legst, in der Hoffnung, dass es so besser wird.

Diese Nächte, in denen dir der Rücken und die Beine weh tun, weil Kinderbetten einfach nicht für Erwachsene gedacht sind.
Und das Kind immer noch um sich tritt.
Weil schlafen doch doof ist.
Und die Katzen inzwischen wach sind.
Und du einfach nicht mehr kannst und mit dem Kind gemeinsam den Sonnenaufgang herbeiheulst.
Und der Mann die Katzen füttert, euch alles gute wünscht und zur Arbeit muss.

Diese Nächte, in denen das Kind dich um kurz vor fünf Uhr soweit hat, dass du das Licht anschaltest, um mit ihm zu spielen.
In denen das Kind dann ins Bett krabbelt und schlafen möchte.
Und du dich wieder dazu legst.
Und in denen du dann um halb sechs wach wirst, bemerkst das das Kind schläft.
In denen du in dein eigenes Bett fliehst.
Um eine Stunde später erneut geweckt wirst, weil das Kind dein Fehlen bemerkt.

Diese Nächte, in denen du nicht mehr kannst, und es per Rufen zu dir ins Bett lockst.
In denen du dich gar nicht richtig freuen kannst, dass es von selbst zu dir kommt, obwohl es „Nacht“ ist.
In denen du dich freust, doch noch einmal für eine Stunde die Augen zumachen zu können.

Diese Nächte eben

Auch die sind irgendwann vorbei!

 

PS: Das Beitragsbild ist aus meiner Lieblingsstickersammlung für Telegram