Kinderlieder umgedichtet #1

Wir sind ja kreativ und wollen unserem Kind nicht immer den selben Kram vorsingen.

Schlaf [Babybame], Schlaf.
Der Papa ist ein Schaf.
Die Mama nennt dich Schnabeltier,
was kannst du armes Kind dafür?
Schlaf, [Babyname], Schlaf.
Wenn man Papas Frisur betrachtet stimmt das Lied auch in jeder Zeile 😉…

Die U5 – Ein Drama

Prolog: Es ist halb sieben. Morgens. Der Vater steht gerade auf, um sich fertig zu machen und zur Arbeit zu gehen. Kurz darauf beschließt das Kind, dass es jetzt auch wach sein könnte. Einsatz Mutter: Kindlein an die Brust drücken, ihm etwas zu trinken geben, Augen zu, weiterschlafen.So die Hoffnung.

Doch nachdem das Kind sich an der einen Seite fertig getrunken hat, will es immer noch nicht schlafen. Also wird es auf die andere Seite gehievt, um auch hier Nahrung zu sich nehmen zu können. Erneut schließt die Mutter die Augen. Umsonst. Inzwischen hat der Vater die Szene verlassen, und das Kind fängt nun fröhlich an, sich durch das Bett zu rollen. Jeder Versuch der Mutter, es vielleicht wieder zum Schlaf zu überreden, scheitern. Es dauert knapp eine Stunde, bis sie sich dies eingesteht und selbst aus dem Bett kommt. Morgenroutine – Selbst ins Bad, Kind neu bewindeln, anziehen. Frühstück. Nach selbigem ist noch eine halbe Stunde Zeit, bis es los gehen soll zum Kinderarzt, denn die U5 steht an. Eine halbe Stunde, und das Kind zeigt doch so langsam Müdigkeitsanzeichen. So setzt die Mutter sich mit dem Kind auf dem Schoß aufs Sofa, in der Hoffnung es noch ein bisschen Schlafen zu lassen…Eine Stunde später, der Kinderwagen wird vor der Kinderarztppraxis geparkt. Zwei Minuten vor Aufbruch schloss das Kind doch seine Augen und war weg. Bis es zur Seite gelegt wurde, weil die Mutter sich fertig machen sollte. Seitdem hatte es nicht mehr geschlafen. Obwohl der Weg zum Arzt lang und ermüdend war.
Die Mutter hebt das Kind aus dem Wagen, meldet sich an und setzt sich mit ihm ins Wartezimmer. Kurz darauf werden die beiden von der fMFA bereits in eins der Behandlungszimmer gebeten. Kaum liegt er auf der Behandlungsunterlage ist er hellwach. Neue Umgebung, viel zu sehen, viel zu erkunden, außerdem wurde die Mutter angewiesen, ihn ein bisschen auszuziehen.
Interessiert wird die Umgebung beobachtet – allerdings nur mit den Augen, anscheinend ist doch noch genügend Müdigkeit vorhanden, um nicht unendlich aktiv zu sein.
Auftritt fMFA: Das Kind wird gewogen (9730g), gemessen (71cm) und schließlich unter gekicher – es darf sitzen – noch der Kopfumfang gemessen (43cm). Die Daten werden im Praxiscomputer eingetragen und kurz darüber geredet, dass er einen ganz schönen Sprung gemacht hat. Abgang fMFA.
Das Kind beschließt nun die Umgebung zu erkunden. Die Liege ist wie ein großes, hohes Bett – nicht die schnöde Liege, die man aus Arztpraxen kennt und da ist eine Menge Platz zum erkunden. Von der Mitte der Unterlage geht es also ans Wandende, wo ein wenig Spielzeug liegt. Zwei Bücher, eine Stapelpyramide und ein Greifball. Letzterer wird in die eine Hand genommen, die Pyramide interessiert mit der anderen umgeworfen. Die Mutter stellt sie wieder hin, woraufhin sie erneut umgeworfen werden kann. Ein interessantes Spiel, das sich eine Minute so hinzieht, bis das Kind auf einmal auf den Geifball in der anderen Hand aufmerksam wird. Dieser wird lustig in der Gegend herum geschoben. Hin und her, und da die Wand ganz nahe ist, kommt er auch schnell wieder zurück gesprungen.
Fünf Minuten später ist auch dieses Spiel uninteressant geworden und das Kind schaut sich nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten um. Tatsächlich, dort am anderen Ende der Liege hat die Mutter ihre Wickeltasche verstaut. Für das aktive Baby ist die Entfernung kein Ding. Einmal umgedreht und schon wird losgekrabbelt, in einer Geschwindigkeit, die einen Formel1-Wagen alt aussehen lassen würde. Angekommen wird direkt die Tasche auseinander genommen. Oder angelutscht. Damit kann man sich als Baby wieder eine bestimmte Weile lang beschäftigen. Und wenn das gemacht ist kann man sich ja umdrehen und wieder zum Greifball robben.
Auftritt Ärztin, auf halben Weg zum Greifball.
Das Baby bleibt auf der Stelle liegen und schaut skeptisch zum Neuzugang. Ärztin und Mutter unterhalten sich. Betrachten das Baby, das fortan da liegt, wie es halt gelegen hat und seinerseits die fremde Person im Raum beobachtet. Die Untersuchung schreitet voran: Ein bisschen Bäuchlein drücken, ein bisschen Beine hochschieben, ein bisschen abhören, mit dem Kind schäckern. Das Kind: keinerlei Reaktion.

„Greift er denn nach Spielzeug, das ihm angeboten wird?“, fragt die Ärztin.
„Wie ein Weltmeister“, antwortet die Mutter, in Gedanken noch beim Greifball von vorhin.
Selbiger wird von der Ärztin genommen und dem Kind hingehalten.
Das Kind tut nichts.
„Dreht er sich denn schon vom Rücken in die Bauch- oder Seitenlage?“, fragt die Ärztin.
„Ohne Ende.“, antwortet die Mutter, die auf dem Wickeltisch inzwischen Probleme hat, das Kind in Rückenlage zu behalten. Beide blicken auf das Baby in Rückenlage.
Das Kind schaut zurück.
„Drückt er sich denn in Bauchlage schon mit offenen Händen nach oben?“, fragt die Ärztin.
„Ja…“, murmelt die Mutter, die langsam das Gefühl bekommt mit Skills anzugeben, dir ihr Kind noch gar nicht hat. „Er ist inzwischen sogar schon dabei sich hinzusetzen.“
„Wippt er auf Händen und Knien schon hin und her?“, fragt die Ärztin.“
„…ja…“, antwortet die Mutter kleinlaut.
Das Baby liegt inzwischen auf dem Bauch und betrachtet den Greifball, der vor ihn hingelegt wurde.
Mutter und Ärztin besprechen kurz die Wachstumskurven, in denen das Kind immer in den oberen Ecken zu finden ist.
„Sie können ihn jetzt wieder anziehen.“, sagt die Kinderärztin.
Die Mutter macht sich daran, leicht hoffend, dass er sich wieder windet, so wie sie es gewohnt ist.
Nichts.
„Der zeigt schon die Hälfte von dem, was er in drei Monaten können muss.“, sagt die Ärztin und verabschiedet sich.
Kaum ist sie aus dem Zimmer verschwunden beginnt das Baby wieder damit sich zu bewegen und zu plappern.

Epilog: Sobald das Kind vor der Arztpraxis wieder im Kinderwagen geparkt wird, gibt es zwei oder drei quengellaute von sich, bevor es einschläft. „Toll“, denkt sich die Mutter und läuft los in Richtung zu Hause, „dann kann ich mich daheim auch noch einmal hinlegen und ein bisschen dösen.
Sie Verlässt die Bühne, das Licht geht aus, der Vorhang beginnt sich zu senken.
Aus dem Off: Babyaufwachgeräusche.

Vorhang.…

Einfach mal raus

Eltern sein ist ein Full-Time-Job. 24/7 ist man Eltern. Das Kind wird geliebt, bekuschelt und bespaßt, aber auch getröstet, hin und her gewiegt und gefüttert. Man ist immer in Rufbereitschaft, auch mitten in der Nacht kann es passieren, dass ein kleiner Mensch aufwacht und Hilfe braucht. No way out, vor allem nicht für den Elternteil, der in Elternzeit ist.

 

Kein Urlaub, die Pausen um nur mal eben 5 Minuten länger als das Baby in der Badewanne zu liegen, an Feierabend ist nicht zu denken. Das zehrt. Und das sage ich, als jemand, der sein Kind gerne mal als Anfängerbaby bezeichnet.

Manchmal braucht man mal eine Auszeit, die mehr als eine viertel Stunde Duschen ist. Und Kontakt zu Menschen ohne das eigene Kind. Man muss einfach mal raus.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich unheimlich gefreut, dass ich dieses Wochenende wunderbare Freunde aus Hamburg zu Besuch hier hatte, die nicht nur das Schnabeltier bestaunen wollten, sondern mich am Samstag Nachmittag geschnappt und quer durch die Stadt entführt haben, um mit mir zusammen in mein Lieblingsmusical, den Tanz der Vampire zu gehen.

Der Ausflug war lange geplant, und trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, mein Kind mal eben 6 Stunden “allein” zu lassen. Allein in Anführungszeichen, weil sich natürlich mein Mann in der Zwischenzeit liebevoll um den Kleinen gekümmert hat. Trotzdem bin ich ja quasi seine Hauptbezugsperson: in meinen Armen schläft er ein, ich beruhige ihn, wenn er Probleme hat und ich habe das elende Futtermonopol. Ja, ich könnte natürlich Abpumpen, aber das finde ich aus diversen Gründen* nicht (für mich) praktikabel. Also muss Pre-Nahrung her, aber für einen Abend mal eben 500g Pulver kaufen… Und überhaupt, was ist, wenn Vater und Sohn einander total überfordern? Von dort, wo ich wohne, bis zum Theater des Westens sinds gut eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine. Stunde.

 

Beim Shoppen mit meiner Mutter habe ich dann Päckchen mit einzelnen Portionen Pre-Nahrnug gefunden (und später beim Drogisten meines Vertrauens solche, die bereits fertig gemischt ist). Also war das Problem schon einmal aus der Welt. Und Vater hatte den unerschütterlichen Glauben, dass alles passen würde. Für den Notfall lagen in der Wohnung von mir bereits vollgestunkene (aka getragene) T-Shirts bereit, um das Geruchsorgan des Schnabeltieres zu verwirren und ihm eventuell beim einschlafen an des Vaters Brust zu erleichtern. Zudem wurde meinem Mann (der arme Kerl…) gefühlte tausend Mal erklärt was ich wie wo mache, und sowieso, welche Handgriffe am besten wären.

Ich schätze ich muss wohl nicht erwähnen, dass mein Gewissen dennoch nicht das beste war und ich am Bahnhof beim Tschüß sagen kurz davor war, ihn einfach in meine Tasche zu packen und mitzunehmen. Man konnte mich überreden das sein zu lassen und sogar nicht mehr davon zu reden, dass ich ihn allein lassen würde.

 

Ich habe den Abend unheimlich genossen. Nicht, dass die Aufführung besonders gut gewesen wäre – außer Jan Ammann als Grafen konnte mich leider keiner der Hauptdarsteller des Castes überzeugen. Dennoch tat es gut, einfach mal für ein paar Stunden woanders zu sein, unheimlich gute Musik zu genießen und über doofe Kommentare lachen zu können.

Ein bisschen aus der Bahn warf mich in der Pause die Information, dass mein Kind die gekaufte Pre-Nahrung verweigerte. Mein Mann hatte im tiefgefrohrenem Karottenbrei allerdings eine Alternative gefunden und das Kind musste nicht hungrig schlafen.

 

Eher im Gegenteil, als wir nach Hause kamen, hoffte ich, dass er langsam wach werden würde, weil mein Körper vollkommen überfordert damit war, dass ihm noch keine Milch abgenommen worden war.

 

Lehren, die gezogen wurden:

Nächstes mal andere Pre-Nahrung kaufen

Dem Schnabeltier die Nahrung zu probieren geben, BEVOR sie wirklich gebraucht wird

Wenns wirklich die letzte Alternative ist, eben doch abpumpen

Papa packt das

Bei aller Liebe: Eine Auszeit ist notwendig.

 

Es war schön. Danke an allen Beteiligten für diesen Abend (und dieses Wochenende). Und an all die Mamas da draußen: Gönnt es euch. Eure Zweitbezugsperson fürs Kind wird es schon schaukeln. Bestimmt.



*Verdammt, ihr lest das hier immer noch?

Okay, also meine Gründe fürs nicht abpumpen:

Man pumpt am besten, wenn die Brüste voll sind. Wenn die Brüste voll sind, hat allerdings auch das Kind Hunger. Also wird das Kind gefüttert, bis es satt ist. Danach geben die Brüste nicht mehr viel her.

Gleichzeitig Pumpen und Stillen ist auch eher ein großes “näh”.

Abpumpen mit leereren Brüsten ergibt eine nicht zufriedenstellende Menge an Milch. Bedeutet länger Pumpen für große Menge. Neh.

 

Und zu guter letzt: Man kommt sich vor wie eine Milchkuh. Und sieht wahrscheinlich ein bisschen danach aus. Solang ich drauf verzichten kann, verzichte ich drauf.