Ein Schnabeltier entdeckt die Welt

Ja ich gebe zu, dass es schon ein bisschen her ist, seitdem ich das letzte mal etwas geschrieben habe. Irgendwie will mein Müdigkeits- und Motivationslevel aktuell nicht so wie mein Kopf. Aber gut, ist halt Januar, der ganze Weihnachts- und Neujahrsstress ist jetzt wirklich endgültig weg und wir müssen uns wieder mit unseren üblichen Themen befassen. Also lasst die Finger knacken, hier geht es ins neue Jahr.

Was ist denn hier los?

Bei Babys redet man von Schüben, wenn sie gerade besonders unruhig sind. Die lernen gerade etwas Neues. Weiter sehen, besser riechen, besser hören, bewusst greifen…. Als Elter ist man in der Zeit dieser Schübe immer besonders angestrengt, weil die Kleinsten dann halt öfter weinen, mehr trinken, mehr nähe wollen, nicht schlafen… Man kennt das.

(Klein)Kinder machen auch irgendwie Schübe durch, aber die bemerkt man anders. Also, wir zumindest beim Schnabeltier. Er verändert sich in seinem Verhalten, ohne davor quengelig, verfressen oder schlaflos zu sein. Zumindest nicht auffallend mehr, als sonst schon. Dennoch bemerken mein Mann und ich, spätestens seitdem wir aus dem Weihnachtsurlauben bei den Omas und dem Opa wieder zurück sind doch, dass das Kind sich anders verhält. Größer wirkt.

Vor einer halben Ewigkeit habe ich mal davon berichtet, dass er jetzt Tierlaute zuordnen kann. Allein die Menge an Tieren, die er jetzt erkennt, hat sich seitdem Mindestens verdoppelt. Wenige kann er benennen, ohne den Tierlaut selbst zu benutzen. Dafür versteht er aber die Zusammenhänge. Ein Eisbär ist nun nicht mehr nur ein „Babao“, sondern ein „Eibabao“ oder, wenn er sich konzentriert sogar schon ein „Eibär“. Ähnliches haben wir bereits beim Meerschwein („Mehr! *grunz*“) erlebt, von den Mama-, Papa- und Baby-Tieren will ich gar nicht erst anfangen.

Mach mal bitte…

Dann kommen da noch die Sachen, die er versteht und ausführen kann und will. Das liebste Beispiel meines Mannes: Das Licht im Bad anmachen. Dazu muss man nur erwähnen, dass man selbiges vorhat und schon macht es „NEEEEEIN“, und ein Kleinkind saust ohne Rücksicht auf Verluste an einem Vorbei in Richtung Bad, nur um zuerst am Lichtschalter zu sein.

Ich nutze seine neu gewonnenen Fertigkeiten um mir ein bisschen helfen zu lassen. Den Tisch decken kann er zum Beispiel, seinem Alter entsprechend, schon ganz gut. Man muss ihm die Teller und Bestecke nur nach und nach in die Hand geben, und sagen für wen das ist: Alles landet mehr oder weniger gut auf dem richtigem Platz am Tisch. Sein eigenes Geschirr bekommt er inzwischen aus dem Geschirrspüler ausgeräumt, und auch für Töpfe und Pfannen kennt er den richtigen Platz. Dazu muss ich natürlich sagen: Immer unter Aufsicht und Hilfe. Ist ja irgendwo klar.

Am schönsten finde ich sein neu entdecktes Verständnis, wenn es wirklich um „komplizierte“ Aufgaben geht.
„Schnabeltier, willst du Püppchen holen? Die liegt in deinem Zimmer auf dem Sofa.“ Schon flitzt er los und holt und spielt. Das war einer der ersten Momente, in denen ich das WIRKLICH realisiert habe.
Morgens, Mama liegt noch im Bett: „Deine Füße werden ja ganz kalt. Holst du Socken, die ziehe ich dir dann an, damit du spielen kannst.“ Und er zog los, in sein Zimmer, machte die Schranktür auf, zog die Sockenschublade auf, griff sich ein paar Socken, schloss alles brav wieder und kam zurück ins Bett. Ich gebe zu: Ich war baff.

Verstehen und wollen

Zusätzlich wird sein aktiver Wortschatz immer reicher. Klar ist, dass vor allem mein Mann und ich verstehen, was er will und Omas und Opa erst einmal mit großen Fragezeichen gucken. Aber dennoch wächst seine Kommunikation immer und immer mehr.

Wie bei jedem Kind fing es bei ihm mit Mama, Papa, Nein und Ja an. Irgendwie so. Inzwischen kann er auch Bitte sagen, wenn er etwas möchte, sich sein Gute-Nacht-Lied-Aussuchen („Mannie“ = LaLeLu – Mann im Mond / „Mama Papa Määäh“ – Schlaf Kindlein Schlaf – Der Papa ist ein Schaf, die Mama nennt dich…)oder bestimmtes Spielzeug verlangen („Tatüü! Brrrrm“ = Feuerwehrauto „Bau“ = Ball…).

Ganz besonders spannend in dem Zusammenhang finde ich seine Fähigkeit, inzwischen Drei-Wort-Sätzchen zu bilden. „Mehr – Mam – Bitte“ steht für eine zweite Portion zu essen oder „Mehr – Mew – Bitte“ für mehr Milch. Ja, aktuell sind es nur Mehr irgendwas Bitte-Sätze, aber die hat er drauf. Und weiß auch, dass wir da schlecht nein Sagen können. Wir sind schwach.

Es tut mir leid. Eigentlich wollte ich meinen Blog nie als „Mein Kind kann schon XYZ und DEINS?!“-Plattform benutzen. Wettbewerbe zwischen Eltern, welches Kind was wann denn am besten kann sind meiner Meinung nach vollkommen daneben. Daher sei gesagt: Wenn ich so etwas hier schreibe, dann vor allem, weil ich mich freue, was mein Kind dann doch alles kann. Weil ich regelmäßig nachts im Bett mit meinem Mann noch darüber diskutiere, was er denn heute wieder alles gelernt hat. Und weil ich in all der Zeit nach wie vor eines lerne und zu dokumentieren versuche: Eltern sein lernen.…

Diese Nächte

Diese Nächte

Es gibt sie. Diese Nächte

In denen das Kind aufwacht, wenn du gerade am wegdösen bist.
In denen das Kind dann irgendwie wacher ist, als gewöhnlich.
In denen du von der einen Seite auf die andere rollst.
In denen du froh bist, wenn du mal fünf Minuten die Augen schließen kannst.
In denen du dennoch nicht schlafen kannst, weil neben dir wieder gegen die Wand gekickt wird. Alternativ schnarcht der Mann auf der anderen Seite.
In denen du es dem Kind nicht recht machen kannst.

In denen du dich freuen würdest, wenn dieses „Einschlafstillen“ noch klappt.
Und du dann irgendwann vollkommen verzweifelt versuchst das Kind mit Wasser ruhig zu stellen.
Und das Kind das Wasser toll findet – um das Bett nass zu machen.
Und du aber die Wasserflasche vor lauter Müdigkeit nicht mehr richtig vor dem Kind verstecken kannst.

Diese Nächte, in denen du versuchst, deinen Mann schlafen zu lassen, weil der um kurz vor fünf aufstehen muss um arbeiten zu gehen.
Und du dich irgendwann verzweifelt fragst, ob es nicht bitteschön langsam fünf Uhr sein kann?
Und du irgendwann auf die Uhr schaust, und bemerkst: Achja, nichtmal halb vier.

Diese Nächte, in denen das Kind am liebsten aus dem Bett klettern und spielen wollen würde.
Oder kuscheln.
Oder nicht kuscheln.
Oder mit Papa kuscheln.
Oder auch nicht kuscheln.
Irgendwie vielleicht schlafen.
Aber schlafen einfach doof ist.

Diese Nächte, in denen du dir sicher bist, bisher noch kein Auge zugetan zu haben, und irgendwann vollkommen fertig aus dem Bett fliehst.
Und doch wieder zurück kommst, weil ja jetzt der Mann mit dem Kind alleine ist.
Und der Mann doch morgen arbeiten muss.
Oder heute.
Und du dich mit dem Kind ins Kinderbett legst, in der Hoffnung, dass es so besser wird.

Diese Nächte, in denen dir der Rücken und die Beine weh tun, weil Kinderbetten einfach nicht für Erwachsene gedacht sind.
Und das Kind immer noch um sich tritt.
Weil schlafen doch doof ist.
Und die Katzen inzwischen wach sind.
Und du einfach nicht mehr kannst und mit dem Kind gemeinsam den Sonnenaufgang herbeiheulst.
Und der Mann die Katzen füttert, euch alles gute wünscht und zur Arbeit muss.

Diese Nächte, in denen das Kind dich um kurz vor fünf Uhr soweit hat, dass du das Licht anschaltest, um mit ihm zu spielen.
In denen das Kind dann ins Bett krabbelt und schlafen möchte.
Und du dich wieder dazu legst.
Und in denen du dann um halb sechs wach wirst, bemerkst das das Kind schläft.
In denen du in dein eigenes Bett fliehst.
Um eine Stunde später erneut geweckt wirst, weil das Kind dein Fehlen bemerkt.

Diese Nächte, in denen du nicht mehr kannst, und es per Rufen zu dir ins Bett lockst.
In denen du dich gar nicht richtig freuen kannst, dass es von selbst zu dir kommt, obwohl es „Nacht“ ist.
In denen du dich freust, doch noch einmal für eine Stunde die Augen zumachen zu können.

Diese Nächte eben

Auch die sind irgendwann vorbei!

 

PS: Das Beitragsbild ist aus meiner Lieblingsstickersammlung für Telegram
Immer dasselbe Drama

Immer dasselbe Drama

Andere Eltern kennen das Drama bestimmt auch: Ab ins Bett jetzt! Das Kind ist müde, man selbst will auch endlich mal seine Auszeit genießen, aber schlafen? Selbst? NIEMALS! Und so geht das abendliche hin und her los. Ich lese im Internet immer viel über Rituale, die dem Kind helfen sollen, runter zu kommen. Immer das gleiche zu tun, einen festen Rahmen haben, damit das Kind merkt: Oha. Jetzt geht es also schlafen. Na dann mache ich mal lieber die Augen zu. Kommt eh nix mehr.

Beim Schnabeltier klappt es… suboptimal. klar, es gibt Phasen, in denen unsere Rituale super durchkommen und er quasi umkippt. Und dann gibt es eben die restlichen Nächte. Da singt er mir noch sein „dadadadada“ vor, strampelt fröhlich durch die Gegend, will am liebsten durchs Zimmer tanzen.

Ich habe nicht die Lösung

Festgestellt habe ich allerdings neulich, dass es kleine Dinge gibt, die uns helfen können. Wir haben unser kleines Ritual: Wickeln, Schlafanzug an, Zähneputzen, Sonne geben. Danach lege ich mich zu ihm ins Bett, er darf noch ein bisschen am Busen nuckeln, danach wird eng gekuschelt und La-Le-Lu gesungen. Immer und immer wieder. Wenn ich nicht mehr singen will oder merke, dass er langsamer wird, dann wird nur noch gesummt. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich dieses Lied inzwischen raus und runter gesungen habe. Es ist schlimm, aber irgendwie das Lied, dass ich am liebsten vor mir hinsinge.

Die Kuschelzeit kann alles sein. 5 Minuten. eine halbe Stunde. Drei Stunden. Okay, wenn es drei Stunden sind – leider auch schon vorgekommen – dann wechseln mein Mann und ich uns glücklicherweise immer wieder ab. Wenn der eine nicht mehr singen kann, tauschen wir.

Aber für mich eine kleine Hilfe

Allerdings habe ich in den letzten Tagen etwas festgestellt: Kleine Dinge, die man in der Umgebung anders macht helfen. Das Dachfenster in seinem Zimmer, für das wir leider aktuell noch kein Verdunklungsrollo haben – hallo Geldprobleme – hängen wir zum Beispiel aktuell Abends mit einem leeren Bettbezug ab. Hundert Prozent dunkel macht das auch nicht, aber es dimmt die Lichtstimmung.

Jetzt im Sommer habe ich das Kind sehr ungerne in Schlafanzug und Schlafsack hingelegt: von keinem von beiden könnte er sich befreien, wenn ihm nachts zu heiß werden sollte. Also haben wir ihn meistens nur im Schlafanzug hingelegt. Hat geklappt, schön war es aber irgendwie nicht. Und dann habe ich mir gedacht: Warum habe ich eigentlich noch immer kein Bettzeug bei ihm im Bett? Mich würde es doch auch stören, komplett ohne Decke da zu liegen!

Also habe ich die Decke und das Kissen, die wir mit seinem Bett zusammen bekommen haben aus dem Schrank geholt, bezogen und zu ihm ins Bett gelegt. Vielleicht interpretiere ich in diese neue, kuschelige Atmosphäre viel zu viel rein, aber ich habe echt das Gefühl, dass er seitdem viel besser und schneller einschlafen kann. Mal sehen wie sehr sich das ändert, wenn ich jetzt diesen Text veröffentliche. Man soll ja nichts verschreien……