Breizeit

Breizeit

Ich habe vor ein paar Wochen schon darüber gesprochen, wie das Breiessen bei uns gestartet hat. Damals ging es vor allem um den Anfang. Inzwischen ist ein bisschen Zeit vergangen und ich dachte, ich erzähle euch mal ein bisschen mehr dazu.

Essen für Anfänger

Wie bereits angemerkt, habe ich einfach damit angefangen, ein bis zwei Karotten in unserem Nudeltopf zu dünsten. Der Pastaeinsatz war ganz hilfreich dabei, man muss das Wasser ja nicht hoch in den Topf füllen. Sobald die Karotten weich gekocht waren, konnte ich sie zu Brei verarbeiten. Je nach Menge habe ich dabei unseren Pürierstab oder die Küchenmaschine verwendet. Dazu kam dann noch ein Esslöffel voll Rapsöl*, und schon war der Babybrei fertig.

Ein bis zwei Karotten sind natürlich viel zu viel für so ein junges Schnabeltier zum komplett aufessen, also wurde ein Teil direkt verfüttert und der Rest portionsweise eingefroren. Und ich rede hier wirklich von Miniportionen. Zum Beispiel Eiswürfelformen, Silikonpralinenformen und -Cakepopformen. Alles, aus dem man eben gefrorene Miniportionen wieder heraus bekommt. Da ich viel auf Vorrat gekocht habe, habe ich die Portionen meist über Nacht in der Form gelassen, am nächsten morgen heraus genommen (und dabei eine Eiswürfelform komplett zerstört….) und in eine Gefriertüte gepackt, um die Förmchen direkt für den nächsten Brei zu nutzen.

Auf diese Art habe ich einiges an Gemüse verarbeitet. Neben Karotten hab es noch Blumenkohl, Brokkoli, Kürbis, Süßkartoffeln… eben was ich gerade so gefunden habe. Theoretisch wollte ich auch immer mal Pastinake ausprobieren, aber die sind jedes mal schlecht geworden, weil ich doch anderes zu tun hatte.

Später habe ich auch eine Hand voll Fleisch gekocht und im Mixer zerkleinert. Hier habe ich kein Öl, sondern zwei Esslöffel Apfelsaft* eingemischt, bevor die Portionen in den Tiefkühler kamen. So hatte ich im Laufe der Zeit ein Tiefkühltrühchen (von einer Truhe kann man bei uns nicht reden…) voller verschiedener Geschmackssorten, die man je nach belieben mischen und dem Kind servieren konnte. Und tatsächlich hat er alles ohne Probleme gegessen.

Eating for Runaways – Essen für Fortgeschrittene

Mit der Zeit kam der Hunger des Kindes, der immer größer wurde. Irgendwann haben die einfach vorbereiteten Gemüsehäppchen nicht mehr gereicht und es musste mehr her. Von einer Freundin hatte ich ein Buch geschenkt bekommen, in dem ein bisschen was zu Babyernährung geschrieben steht. Vieles wusste ich schon, ein paar der Tipps empfinde ich als schwachsinn (Babybrei gehört nicht mit der Flasche gefüttert), aber die Rezepte sind gut und geben einiges an Ideen, was man noch probieren kann.

Seitdem werden für das Mittagessen größtere Gemüse-Kartoffel-Portionen entweder mit Putenfleisch oder mit Hirseflocken vorbereitet und ebenfalls eingefroren – diesmal allerdings in größeren Behältern.

Morgens und Abends

Außerdem sind wir dazu übergegangen, auch Abends was zum Essen zu geben. Dafür haben wir Schmelzflocken, Griesbrei und Reisflocken hier, die abwechselnd je nach Anleitung angerührt und mit ein bisschen Obst (von Pflaume über Banane und Birne zu Mango und Ananas) püriert und frisch gegeben. Und das braucht er auch. Als ich einen Abend zu faul war, etwas zu machen, habe ich das die Nacht darauf direkt bereut, in der er alle paar Stunden wach war, und Nahrung verlangt hat. Seitdem wird brav Abends gefüttert.

Auch morgens gibt es inzwischen ein Frühstück für ihn, seitdem er mir meinen Haferbrei aus dem Mund geklaut hat. Aktuell sind es nur Haferflocken mit Wasser, die in der Mikrowelle gekocht und mit Obst gemischt wurden. Ich denke allerdings, ich werde demnächst mal sehen, dass ich Vollkornbrot kaufe und ihm ein bisschen was schmiere. Ich werde berichten.

 

* „Apfelsaft und Rapsöl, häh?“ mag sich vielleicht der ein oder andere denken, der sich noch nicht mit Nahrungsaufnahme beschäftigt hat. Kein Problem, kann ich erklären:
Apfelsaft enthält Vitamin C, dass die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung erleichtert. Deswegen wird der auch in die Hirseflocken mit reingemischt, wenn ich die nicht direkt mit Obst ansetze.
Rapsöl enthält, wer hätte es gedacht, Fett, welches die Aufnahme von Vitaminen aus dem Gemüse erleichtert. Deswegen kommt in jeden Babybrei immer eine gewisse Menge an Öl. Oder Butter. Außer in die Milchbreie.

Und Hirse im Brei? Nun, da ich für mich größtenteils vegetarisch lebe, wollte ich auch nicht für jeden Brei, den das Baby bekommen wird, Fleisch mitkochen, wenn es Alternativen gibt. Und die gibt es. Hirse und Hafer enthalten von Natur aus Eisen und auch Eiweiß, kann also als Fleischersatz in Breien herhalten, wenn man gerade zu fault ist zum Metzger zu gehen.…

Über das Essen von Brei

Ich wundere mich ja gerne über andere Eltern. Wirklich gerne. Wundern ist ein wunderbares Hobby. Vor allem dann, wenn man selbst Kinder hat. Also hier einmal eines meiner Wunderthemen:

Na, isst deiner schon Brei?

Werfen wir hier doch einfach mal einen Blick auf die offiziellen Empfehlungen zum Thema Stillen der WHO:

Die WHO empfiehlt, voll ausgetragene, mit Normalgewicht geborene Kinder bis zum sechsten Monat (180 Tage) ausschließlich zu stillen, […]

Eigentlich sollte damit alles klar sein und die Fragen doch rein theoretisch nicht vor dem 6ten Lebensmonat gestellt werden. Tja, falsch gedacht. Tatsächlich kam ich bereits mit dem Thema in Berührung, da war das Schnabeltier gerade mal 3 Monate alt. Und das war kein „Ach, Sie haben ja noch 3 Monate, bis Sie anfangen müssen sich Gedanken über Brei zu machen.“
Ich würde es eher als „Na wenn der so weiter wächst, werden Sie bestimmt mit 16 Wochen schon mit Brei anfangen.“

Wenn das bei einem Mal geblieben wäre, würde ich heute nicht hier sitzen und diesen Eintrag schreiben. Tatsächlich passierte es mir wirklich Häufig, dass mir die Frage nach dem Breiessverhalten meines Kindes gestellt wurde. Ein bisschen später kamen dann die Omas dazu, die mich aufforderten, man könnte ihm doch schon Kuchen/Brot/Karotten in den Mund stecken. Und obwohl ich die oben verlinkte Empfehlung zu dem Zeitpunkt bereits kannte, habe ich mich aufgrund des ganzen hin und her dazu hinreissen lassen, ihm mal eine Karotte zu dünsten, zu zermantschen und ihm probehalber in den Mund zu schieben. Und obwohl das Schnabeltier an der Brust wirklich hervorragend isst, konnte er mit dem oragenem Zeug wirklich nichts anfangen. Der Rest des damaligen Experimentes wurde eingefrohren und hin und wieder, wenn die Fragen zu sehr nervten, wieder hervorgeholt. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Das Baby mag keinen Brei essen.

Erst zur Zeit, in der dieser Blogeintrag spielt, wurde das erste Mal freiwillig Brei in „Mengen“ gegessen. Aber selbst nach diesem heroischem Einsatz meines Mannes, gelang es mir nicht, ihm feste Nahrung zu geben. Und das eine ganze Weile lang. Knabberkarotten beim Zahnen ja, Breikarotten zum Essen Nein.

Und während man so herumexperimentiert und sich fragt, ob man eventuell was falsch machen könnte, wird das Kind einfach von sich aus älter, reifer und experimentierfreudiger. Irgendwann ist die erste Ladung Karotte komplett im Müll gelandet, weil das Kind sie einfach nicht mampfen wollte. Und dann, als das Kind langsam von selbst Anfing zu sitzen, und in den Hochstuhl durfte, den ich kurz zuvor besorgt hatte, fing es auch tatsächlich an die ersten Löffelchen Brei in seinem Gesicht zu verschmieren zu essen. Jetzt ist er 7 Monate alt und sperrt den Schnabel ganz weit auf, wenn ein Löffelchen auf ihn zugeflogen kommt.

Hab ich was draus gelernt? Jap, das ganze Chaos davor hätte ich mir nicht geben müssen, sondern einfach mein Kind beobachten. Nur weil Oma A etwas verlangt und Oma B etwas ähnliches, muss das noch lange nicht umgesetzt werden. Und Knabberkarotten kommen trotz allem schonmal ganz gut an bei einem Baby.

Liebe Leute: Gebt dem Kind einfach die Zeit zu wachsen, die es selbst braucht. Sie werden doch sowieso schon viel zu schnell groß.…

Das Klischeebaby

Über die Rosa-Hellblau-Falle

Es gibt viele Dinge, die man sich denkt, wenn man frisch Eltern wird. „Wenn ich ein Kind bekomme, werde ich ihm nur selbst gekochten Bio-Brei in den Mund schieben und er wird es lieben.“ oder „Mein Kind wird später einmal Arzt werden, ohne dass ich es täglich zum lernen zwingen muss.“ oder „Helikoptereltern sind mir zuwider, ich werde ganz sicherlich nicht den ganzen tag um mein Kind kreisen und ganz viel Wind machen.“ Solche Dinge eben.

Eine der Sachen, die für mich ganz, ganz klar waren, war „Scheiß auf Geschlechterklischees, ich werde einen Jungen nicht in blau und ein Mädchen nicht in rosa packen.“ Inzwischen ist das Schnabeltier 7 Monate alt und ich kann nur sagen: Willkommen in der Wirklichkeit.

Zuallererst: blau ist keine schlimme Farbe. Eigentlich ist blau wirklich hübsch. Das Ding ist halt, dass die Assoziation „Baby + Blau = Junge“ mich echt nervt. Warum kann ein Mädchen denn nicht in blauen Klamotten auftauchen? Ich wollte etwas, zugegebenermaßen Kleines, gegen dieses Denken setzen, indem ich mein Kind eben nicht so kleide, solang ich es verhindern kann. Gleichzeitig kann ich rosa als Farbe so überhaupt nicht ausstehen und war deswegen sicher, eben auch kein einziges rosa Teil an meinen Sohn zu lassen.

Damit war ich dann aber auch schon wieder in der Geschlechterschublade gelandet: Meinen Sohn würde ich niemals in etwas rosarotes Stecken, meine Tochter aber in etwas blaues? Weil rosa auch einen Jungen weiblich machen würde, blau an einem Mädchen aber nicht weiter schlimm ist. Fiese Falle, ganz fiese Falle. Und wenn ich dann auch wirklich ganz tief in mir drinnen suche, dann stimmt es auch, dass ich rosa an einem Jungen doofer finde, als blau an einem Mädchen.

Nun gut, also haben wir geklärt, die beiden Farben sollten also am Besten weit, weit weg von unserem Kleiderschrank bleiben, alles andere darf natürlich gerne dazu kommen. Nur: was ist eigentlich alles andere?

In einer perfekten Welt würde man sagen: ALLES! Rot, weiß, schwarz, grün, Bunt gestreift, gepunktet, Grau, Lila, Orange….

In der Welt der Babyklamotten heißt das: Weiß. Grau. Manchmal etwas pastelliges hie und da.

Und dachte ich zu Anfang, dass diese Farbunvielfalt daran lag, dass alle Familienmitglieder, die uns Kleidung schenkten wussten, dass wir einen Jungen bekommen würden, wurde ich doch eines besseren belehrt, als mein Mann und ich uns auf den Weg in die Stadt machten, ein bisschen was kaufen. Und wenn man schon dabei ist, gleich noch eine Herbst-/Winterjacke für das Schnabeltier mit einpacken. Was. habe. Ich. Geflucht.

Wir standen da nun also in der Babyabteilung eines größeren Kaufhauses, da ich mir dort am meisten Auswahl erhoffte. Unser Blick wanderte nach rechts: Rote und rosa Kleidungsstücke so weit das Auge reichte. Der Blick nach Links und man war in einem Meer aus blau gefangen. Um Himmels willen, nirgendwo war ein Ausweg aus der Klischeefalle.

Ein bisschen unsicher bin ich dann erstmal – immer brav dem Anti-Klischee-Denken folgend in die rotrosa Abteilung gewandert auf der Suche nach etwas Jackenähnlichem. Gefangen zwischen Rosa-Glitzer-Sternchen-Dingen wurde mir allerdings viel zu schnell übel und ich musste erfolglos fliehen. Heute kann ich nicht einmal sagen, ob es dort keine Jacken gab, oder ob diese einfach nur so laut „ICH BIN EIN MÄDCHEN!“  geschrieen haben, dass ich sie einfach komplett ausgeblendet habe.

In der Jungenabteilung (also der blauen) sind wir dann fündig geworden. Schlussendlich hatten wir die Wahl zwischen diversen Grauen und einer blauen Jacke. Die Grauen waren alle hässlich farblos und traurig, sodass wir uns dann halt doch für die Blaue entschieden haben. Mit Baggermotiv.

Selbstredend war dies nicht der erste Zeitpunkt, an dem ich resigniert habe. Ehrlich gesagt war das schon viel früher, als ich einen Haufen zu-kleiner-Kleidung in Kisten packte. Beim einräumen des Schrankes fiel es mir gar nicht so sehr auf, aber dann beim ausräumen dachte ich mir nur „wow, ist das viel blassblau.“ Als ich dann von den Weggeräumten Sachen noch einmal eine Hand voll aussortierte, um sie einer Freundin zu schenken, die ein Mädchen erwartete, fiel mein Blick in die Tüte. Ich wollte nicht meine Lieblingssachen weggeben, und vielleicht ist deswegen unbewusst sehr, sehr viel blau in der Tüte gelandet. Ich hoffe nach wie vor, dass sie auch keine Probleme damit hat, ihr Mädchen in blau zu kleiden.

Spannenderweise bin ich bisher keinem Babymädchen begegnet, dass nicht irgendwie rosa oder rot angezogen war. Beim Babyschwimmen haben teils sogar die Jungs blaue (bekenne mich schuldig) und die Mädchen rosa Schwimmwindeln. In der Krabbelgruppe sind die Mädchen deutlich als solche erkennbar und als wir neulich einer Nachbarin mit deren 1,5jährigen Tochter begegnet waren, schlug der Klischeehammer unheimlich feste zu: das Schnabeltier war glücklich in seiner blauen Jacke mit hellblauer Mütze auf dem Kopf im Kinderwagen vergraben, die Nachbarstochter in pink/weiß an der Hand ihrer Mutter.

Eigentlich sind Babys – im Gegensatz zu Erwachsenen – von außen her unheimlich geschlechtsneutral. Aber warum müssen die Mädchen eindeutig als solche erkennbar sein? Warum kleiden die Mütter sie im pinken Glitzeralptraum? Und warum werden die Jungs in Jacken mit Bagger- und Handwerkermotiv gesteckt? Werden da die eigenen Wünsche und Träume in die Minimenschen gesteckt? Um es ganz ehrlich zu sagen: ich weiß es nicht. Wahrscheinlich werde ich es nie wissen. Vielleicht werde ich auch eine rosa-Kitsch-Nudel, sobald ich eine Tochter geboren habe.

Bis das soweit ist, wunder ich mich allerdings weiter über Facebook-Einträge, in denen Mütter den Klamottenkauf präsentieren, den sie und die Tochter für selbige erledigt haben, und es traurig finden, dass die Tochter anscheinend in der Jungsecke gewühlt hat. Und darüber, das Kleidungspakete für Babys (Größe 50-64) unbedingt nach Jungs/Mädchen sortiert sein muss.

 

Und ja, das Schnabeltier hat einen rosa Sommerschlafsack, in dem er auch schon geschlafen hat. Sah zuckersüß aus. Leider wird er da nächsten Sommer nicht mehr reinpassen. Schade.…