Selbstgemacht: Sommerschlafsack

Was den sicheren Babyschlaf angeht bekommt man als (werdende) Mama ja alle möglichen Tipps und (Not) To-Dos an die Hand. Einer davon ist das benutzen von Schlafsäcken. In der Menge an Klamotten, die wir aus allen Ecken bekommen haben, waren nur zwei Schlafsäcke für den Sommer dabei. Die meiste Zeit haben die auch ganz gut gepasst, aber so ein Baby wächst bekanntlich sehr schnell, weswegen die irgendwann auch nicht mehr gepasst haben.
Aber der Sommer war noch nicht vorbei, also musste ein Neuer her. Da hat sich der Besuch bei meiner Mutter direkt gelohnt, denn die hat eine Nähmaschine und weiß damit umzugehen.
Es folgt also eine kleine Anleitung zum machen eines Babyschlafsackes, bei dem ich nicht mehr gemacht habe, als die Fotos.

Ja, der Stoff. Bei meiner Mutter um die Ecke ist ein unheimlich süßer Laden für Kinderstoffe, durch den wir uns erst einmal wühlen müssen. Wie soll der Schlafsack denn aussehen? Asterix und Obelix? Star Wars? Bagger? … Wir haben uns für diesen Monsterstoff entschieden, hatten aber noch diverse andere Monster in der Auswahl. Außerdem gab es dazu einen Futterstoff.

Als erstes brauchten wir ein Schnittmuster für den neuen Schlafsack. Dafür haben wir einen von meinen genommen und auf ein großes Blatt gelegt. Dort wurden die Konturen abgemalt.
Für den Rückenteil wurde nun zunächst die eine Hälfte ausgeschnitten, dass Papier dann in der Mitte gefaltet und die zweite Hälfte direkt an der Schnittkante ebenfalls ausgeschnitten.

Der Armausschnitt der Vorderteile unterscheidet sich ein bisschen von dem der Rückenteile

Ein Rückenteil und ein Vorderteilschnittmuster1

Wenn die Schnittmuster fertig sind, müssen diese auf den Stoff gelegt und übertragen werden.
Merke: Für diesen Schlafsack brauchen wir 2 Rückenteile und 4 Seitenteile.

Beim ausschneiden der Stoffe für die Vorderteile sollte man bedenken, dass für rechts und links das gleiche Schnittmuster verwendet wird. Dieses also gegebenenfalls drehen.

Als nächstes werden alle Stoffteile und Futterteile übereinander gelegt und so genau wie möglich aneinander gesteckt. Die Seite des Stoffes, die später außen zu sehen sein sollten (aka: der Druck auf dem Außenstoff), muss dabei Innen liegen. Ebenfalls dazwischen gesteckt werden muss der Reißverschluss bei den Vorderteilen. Auch hier so, dass der Reißverschlussteil nach innen zeigt.

Zuerst wurde der Reißverschluss angenäht, danach die Lasche, die das Kinderkinn vorm Verschluss schützen soll angebracht.

Stoffe werden aneinander gesteckt1

Anschließend wurde das Teil, mit dem der Reißverschluss geschlossen wird (der Schieber, sagt Google mir) auf der einen Seite eingefädelt, die Armausschnitte zusammen genäht, der Kinnschoner auf der einen Seite befestigt und der Reißverschluss geschlossen. Daumen Drücken, dass alles zusammen passt!

Anschließend haben wir am unteren Ende den Reißverschluss noch einmal quer übernäht, damit der uns nicht flöten gehen kann. Tadaaa! Grob ist die Vorderseite auch schon fertig.

Reißverschluss

Reißverschluss

 

Damit die Runden Teile besser gewendet werden können, werden an der Nahtzugabe nach dem Nähen ein paar schräge Schnitte in Richtung naht gesetzt. In unserem Beispiel musste das an den Arm- und Halsausschnitten gemacht werden.

Kragen

Von unten beginnend werden nun Rücken- und Vorderteil zusammen genäht, in der Hoffnung bei den Stoffschichten nicht durcheinander zu kommen. Nicht miteinander verbunden werden müssen die Armausschitte und der Teil, wo der Kopf durch kommt. Klingt doof, das aufzuschreiben, aber ich bin sicher, ich hätte das vergessen. Allerdings nicht vergessen die Ärmel zusammen zu binden.

Innen

Wenn die Teile jetzt alle verbunden sind, kann der Schlafsack endgültig gewendet werden. Abschließend müssen die Arme noch in irgendeiner Weise zusammen genäht werden. Bei unserem Beispielschlafsack wurde da einfach ein Bündchen drüber gepackt, da wir so etwas nicht haben, wurden die Enden zusammen rein gesteckt und darüber genäht.

Kaputze

Und so sieht das fertige Produkt aus:

Fertig

Unser Vorlageschlafsack war übrigens eine 68, den wir an den Beinen einfach ein bisschen länger und breiter gemacht haben. So passt der neue Monstersack dem Schnabeltier noch ein bisschen länger. Aktuell schwimmt er zumindest ein wenig darin.

Alle Ehre meiner Mutter, die mich nicht an ihre Nähmaschine lassen wollte die das an meinem letzten Abend bei ihr noch mal eben zusammengebastelt hat. Vielen Lieben Dank dafür.…

Einfach mal raus

Eltern sein ist ein Full-Time-Job. 24/7 ist man Eltern. Das Kind wird geliebt, bekuschelt und bespaßt, aber auch getröstet, hin und her gewiegt und gefüttert. Man ist immer in Rufbereitschaft, auch mitten in der Nacht kann es passieren, dass ein kleiner Mensch aufwacht und Hilfe braucht. No way out, vor allem nicht für den Elternteil, der in Elternzeit ist.

 

Kein Urlaub, die Pausen um nur mal eben 5 Minuten länger als das Baby in der Badewanne zu liegen, an Feierabend ist nicht zu denken. Das zehrt. Und das sage ich, als jemand, der sein Kind gerne mal als Anfängerbaby bezeichnet.

Manchmal braucht man mal eine Auszeit, die mehr als eine viertel Stunde Duschen ist. Und Kontakt zu Menschen ohne das eigene Kind. Man muss einfach mal raus.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich unheimlich gefreut, dass ich dieses Wochenende wunderbare Freunde aus Hamburg zu Besuch hier hatte, die nicht nur das Schnabeltier bestaunen wollten, sondern mich am Samstag Nachmittag geschnappt und quer durch die Stadt entführt haben, um mit mir zusammen in mein Lieblingsmusical, den Tanz der Vampire zu gehen.

Der Ausflug war lange geplant, und trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, mein Kind mal eben 6 Stunden “allein” zu lassen. Allein in Anführungszeichen, weil sich natürlich mein Mann in der Zwischenzeit liebevoll um den Kleinen gekümmert hat. Trotzdem bin ich ja quasi seine Hauptbezugsperson: in meinen Armen schläft er ein, ich beruhige ihn, wenn er Probleme hat und ich habe das elende Futtermonopol. Ja, ich könnte natürlich Abpumpen, aber das finde ich aus diversen Gründen* nicht (für mich) praktikabel. Also muss Pre-Nahrung her, aber für einen Abend mal eben 500g Pulver kaufen… Und überhaupt, was ist, wenn Vater und Sohn einander total überfordern? Von dort, wo ich wohne, bis zum Theater des Westens sinds gut eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine. Stunde.

 

Beim Shoppen mit meiner Mutter habe ich dann Päckchen mit einzelnen Portionen Pre-Nahrnug gefunden (und später beim Drogisten meines Vertrauens solche, die bereits fertig gemischt ist). Also war das Problem schon einmal aus der Welt. Und Vater hatte den unerschütterlichen Glauben, dass alles passen würde. Für den Notfall lagen in der Wohnung von mir bereits vollgestunkene (aka getragene) T-Shirts bereit, um das Geruchsorgan des Schnabeltieres zu verwirren und ihm eventuell beim einschlafen an des Vaters Brust zu erleichtern. Zudem wurde meinem Mann (der arme Kerl…) gefühlte tausend Mal erklärt was ich wie wo mache, und sowieso, welche Handgriffe am besten wären.

Ich schätze ich muss wohl nicht erwähnen, dass mein Gewissen dennoch nicht das beste war und ich am Bahnhof beim Tschüß sagen kurz davor war, ihn einfach in meine Tasche zu packen und mitzunehmen. Man konnte mich überreden das sein zu lassen und sogar nicht mehr davon zu reden, dass ich ihn allein lassen würde.

 

Ich habe den Abend unheimlich genossen. Nicht, dass die Aufführung besonders gut gewesen wäre – außer Jan Ammann als Grafen konnte mich leider keiner der Hauptdarsteller des Castes überzeugen. Dennoch tat es gut, einfach mal für ein paar Stunden woanders zu sein, unheimlich gute Musik zu genießen und über doofe Kommentare lachen zu können.

Ein bisschen aus der Bahn warf mich in der Pause die Information, dass mein Kind die gekaufte Pre-Nahrung verweigerte. Mein Mann hatte im tiefgefrohrenem Karottenbrei allerdings eine Alternative gefunden und das Kind musste nicht hungrig schlafen.

 

Eher im Gegenteil, als wir nach Hause kamen, hoffte ich, dass er langsam wach werden würde, weil mein Körper vollkommen überfordert damit war, dass ihm noch keine Milch abgenommen worden war.

 

Lehren, die gezogen wurden:

Nächstes mal andere Pre-Nahrung kaufen

Dem Schnabeltier die Nahrung zu probieren geben, BEVOR sie wirklich gebraucht wird

Wenns wirklich die letzte Alternative ist, eben doch abpumpen

Papa packt das

Bei aller Liebe: Eine Auszeit ist notwendig.

 

Es war schön. Danke an allen Beteiligten für diesen Abend (und dieses Wochenende). Und an all die Mamas da draußen: Gönnt es euch. Eure Zweitbezugsperson fürs Kind wird es schon schaukeln. Bestimmt.



*Verdammt, ihr lest das hier immer noch?

Okay, also meine Gründe fürs nicht abpumpen:

Man pumpt am besten, wenn die Brüste voll sind. Wenn die Brüste voll sind, hat allerdings auch das Kind Hunger. Also wird das Kind gefüttert, bis es satt ist. Danach geben die Brüste nicht mehr viel her.

Gleichzeitig Pumpen und Stillen ist auch eher ein großes “näh”.

Abpumpen mit leereren Brüsten ergibt eine nicht zufriedenstellende Menge an Milch. Bedeutet länger Pumpen für große Menge. Neh.

 

Und zu guter letzt: Man kommt sich vor wie eine Milchkuh. Und sieht wahrscheinlich ein bisschen danach aus. Solang ich drauf verzichten kann, verzichte ich drauf.