Das liebe Geld

Wenn ich dran denke, warum ich oft höre, warum Menschen keine Kinder haben (wollen) ist es das leidliche Thema „Kostet so viel“. Jop. Stimmt. Kinder sind teuer. Sie kosten nicht nur Lebenszeit und Nerven, sie kosten auch Geld. Dennoch finde ich es schade, weil eigentlich gerade Geld nicht den Unterschied machen sollte, wenn man Kinder will. Weil Kinder haben toll ist. Irgendwie. Allerdings verstehe ich die Aussage. Aktuell verstehe ich sie mehr als gut.

Nachdem Nummer zwei nun bald ihren Schlüpftermin hat, wird es an der Zeit für meinen Mann und mich, uns einmal mehr mit dem Thema Elternzeit, Elterngeld und sonstigen Schwachsinn abzugeben. Eigentlich haben wir damit sowieso schon viel zu lange getrödelt. Asche auf unsere Häupter, aber im Trödeln sind wir gut (Note to myself: Kliniktermin zum Anmelden im Kreissaal ausmachen….)

Ein bisschen Erklärung muss sein

Der deutsche Rechtsdschungle sieht ja erst einmal sehr vielversprechend aus. Man hat rechtlich Anspruch auf drei Jahre Elternzeit, gerne auch gesplittet, außerdem gibt es für das erste Lebensjahr Elterngeld, das sich irgendwie an dem Gehalt die 12 Monate vor der Geburt des Kindes orientiert – grob. Sehr grob. Eigentlich wird von dem Gehalt noch ein bisschen abgeknapst. Soll sich ja nicht lohnen, so ein Kind zu bekommen. Und wie jeder weiß, haben gerade die Menschen, die wenig verdienen kein Problem damit, ein Jahr lang von NOCH WENIGER Geld zu haben.

Da man es den Eltern leicht machen will, den Einstieg in die Arbeit zu finden (aka Teilzeit), gibt es noch die Option Elterngeld plus. Dabei werden aus einem Monat Elterngeldbezug zwei gemacht, also das Geld, das man bekommt, durch zwei geteilt. Dafür wird dabei nicht so viel Geld bei einer Arbeit von unter 30 Wochenstunden angerechnet. Achja: Wenn man im Elterngeldbezug arbeitet, weil das Geld eventuell nicht reicht, wird einem dieses Gehalt angerechnet. Beim Standardelterngeld zu 100%. Beim Elterngeld Plus eben ein bisschen weniger. Dafür hat man ja gleich weniger.

Arbeiten muss man allerdings nicht, um sich die Zeit zu verdoppeln. Also kann man quasi zwei Jahre Elterngeld beziehen. Ist schön, oder? Okay, wo man dann das dritte Jahr Elternzeit bleibt steht in den Sternen geschrieben aber hey: Eltern habens ja im Allgemeinen mit dem Geld. Der Rechtsanspruch auf die Zeit ist ja immerhin da.

Und weil es vorkommen kann, dass Eltern vielleicht mehr als ein Kind haben wollen, hat sich der Gesetzgeber noch etwas ausgedacht: Wenn man nämlich relativ bald nach dem ersten Kind ein zweites bekommen sollte, dann darf man den Bezug des Elterngeldes aus seinen Angaben streichen, bekommt also sein Gehalt vor Baby1 noch einmal angerechnet als Elterngeld auf Baby2. Ist doch super.

Okay, und warum rege ich mich eigentlich so auf?

Nun, wahrscheinlich ist es mein eigener Fehler, dass ich nicht sofort nach 12 Monaten Kind haben wieder arbeiten gehen wollte. Ich wollte meine Zeit mit meinem Sohn verbringen. Ihm noch ein bisschen Zeit zum wachsen lassen. Zum genießen. Mit mir. Also habe ich meinen imaginären Gürtel etwas enger geschnallt und bin zwei Jahre lang in Elternzeit gegangen – Bezug von Elterngeld plus also, ohne etwas in Teilzeit dazu zu verdienen. (Hihi, Gürtel enger schnallen: Ich habe in der Zeit nebenher mal eben 35kg abgenommen. Und das nicht aus Geldmangel.)

Es war eine tolle Zeit, die wir beide sehr genossen haben. Und ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass es die Richtige Entscheidung war, das Schnabeltier nicht sofort in die Fremdbetreuung zu schicken. Mit 12 Monaten war er ein kleiner Pups, kaum in der Lage sich auszudrücken oder zu gehen. Inzwischen ist er eine kleine Rennmaus, die von Tag zu Tag mehr versteht, was man ihm erzählt und inzwischen auch anfängt von seinem Tag in der Kita zu quatschen. Mit seinen Worten zwar, aber es wird.

Und nur so nebenbei: Ich verurteile niemanden, der das anders handhabt. Wer sein Kind mit 6 Monaten schon abgeben kann, dem sei es gegönnt. Ich mochte meinen Weg und empfinde ihn auch nach wie vor als den für uns passenden. Ähnlich möchte ich auch mit Nummer 2 verfahren. Wobei ich bei Nummer 2 kürzer treten werden muss. Aber auch mit 18 Monaten habe ich ein besseres Gefühl, das Kind in die Kita zu schicken, als mit 12.

Elterngeldbezüge für Nummer 2

Okay, oben haben wir das Mögliche erläutert, aber ich habe eine winzige Kleinigkeit „vergessen“ zu erwähnen: Wenn man nämlich Elterngeld Plus bezieht, dann kann man dennoch nur 12 Monate Elterngeldbezug „ausklammern“. Die Bezugsmonate des Standardelterngeldes. Die restliche Zeit hat man entweder zugearbeitet, oder eben nicht. Wenn man es aufs maximale rechnet, also 24 Monate Elterngeldbezug, dann hat man nicht nur in dieser Zeit wenig Geld zur Verfügung, das wenige Geld wird einem als Einkommen gezählt und nochmal verringert, weil Elterngeld ist ja nur ein Prozentsatz vom Gehalt.

Klar soweit?

Ich versuch es mal anhand meines Beispieles ein bisschen Konkreter:
Für das Schnabeltier hätte ich einen Anspruch von ca. 800€ Elterngeld gehabt.
Diesen habe ich auf 2 Jahre verteilt, hatte also pro Monat 400€ zur Verfügung.
In dieser Zeit bin ich erneut schwanger geworden und bekomme Nummer zwei jetzt 3 Monate nach dem Schnabeltier. In der Zwischenzeit habe ich ein bisschen in Teilzeit gearbeitet – einen 10 Stunden+-Kitatag tue ich meinem Kind nicht an.

NEIN.

Ich habe in den 12 Monaten vor Geburt von Nummer zwei also Durchschnittlich etwa 450 Euro „Gehalt“ bekommen.
Davon ein bisschen was abgezogen, aber bleiben wir bei den 450 Euro, die ich an Elterngeld bekommen kann, für ein Jahr.
Jetzt will ich für Nummer 2 mehr als ein Jahr Elterngeld bekommen, muss mein Geld also wieder teilen. Nicht von Anfang an, aber nach ein paar Monaten habe ich dann um die 200€ Elterngeld für die restliche Zeit zur Verfügung.

Ja aberaberaber

Meine Misere ist selbst ausgesucht, das ist mir klar. Ich habe einen Mann, der sich super kümmert, nicht allzu schlecht verdient und sowieso ein ganz toller Kerl ist. Der wird dann die Eingewöhnungsmonate mit Nummer 2 machen, so viel ist sicher. Auch wieder im Elterngeld-Plus-Bezug, also fragt lieber nicht nach, wie wenig das dann bei ihm ist.

Eine Unverschämtheit finde ich es dennoch. Da wird einem Elterngeld Plus als das tolle neue „so wird Eltern geholfen wieder schneller arbeiten zu gehen“ verkauft, ohne dabei zu erwähnen, dass man bei einem zweiten Kind mal eben einen herben Verlust hinnehmen muss. Klar, diese Infos findet man. Wenn man sucht. Wenn man weiß, wonach man suchen muss. Einfach so erzählen tut einem sowas nämlich niemand wirklich.

Ich bin ja eigentlich froh…

Ich bin echt froh, dass ich ein Sparfuchs bin und schon lange vor Schnabeltiers Geburt ein Sparkonto habe, auf das ich schon bei Geldknappheit für ihn zurückgreifen konnte. Ich bin froh, dass ich verheiratet bin und einen Mann habe, der irgendwie genug verdient, um uns über Wasser zu halten. Ich bin froh, dass ich neulich die Steuer für die letzten 4 Jahre gemacht habe, wodurch wir eine Rückzahlung bekommen haben, die ich jetzt wieder sparen kann, um die 200-Euro-Monate zu überbrücken. Ich bin froh, dass wir kein Auto haben, dass wir monatlich mit Versicherung und Abbezahlung über die Runden bekommen müssten. Ich bin froh eine Familie im Hintergrund stehen zu haben, die mich unterstützt, soweit sie kann.

Keine Ahnung, in welcher Welt diese Kombination aus Möglichkeiten Sinn macht. Wer sich das ausgedacht hat. Toll finde ich es auf jeden Fall nicht. Ich habe meinen Weg selbst gewählt und so werde ich ihn auch gehen. Aber es macht mir schmerzlich klar, dass man als Familie mit Kindern in Deutschland anscheinend nicht gerne gesehen ist. Und bevor gemeckert wird: Ich bin nicht zu faul zum arbeiten gehen. Ich will mich auf niemandes Schultern ausruhen. Aber Kindererziehung und -Betreuung ist verdammt noch einmal auch Arbeit! 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und so weiter und so fort. In ein paar Jahren kann ich sicherlich über das alles lachen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht.

Ein weises Schlusswort

hat mir heute ein Kollege mit auf den Weg gegeben:

Man möchte nur noch heulen.

Recht hat er.…

(K)ein normaler Wochenendmorgen

7:24

Das Kind ist wach.
Aufstehen.
Aufs Klo gehen.
Kind wickeln und anziehen.
Aufpassen, dass Kind nix kaputt macht.
Eigene Klamotten zusammen suchen.
Auge aufs Kind haben.
Langsam wach werden.
Kind aus dem Bad holen.
Anziehen.
Kind aus dem Bad holen.
Weiter anziehen.

Kaffeewasser kochen.
Kind ein halbes Buch vorlesen.
Kaffee machen.
Kind aus dem Bad holen.
Kind beschäftigen.
Aufpassen, dass Kind nicht vom Sofa purzelt.
Geburtstagsgeschenk einpacken.
Kind trösten, das vom Sofa gepurzelt ist.
Geburtstagsgeschenk zuende einpacken.
Kind auf den Arm nehmen.
Mit Kind auf dem Arm Geschenkverpackungsmaterial aufräumen.
Kind absetzen um einen Schluck Kaffee zu trinken.
Kind aus dem Bad holen.

Das Chaos in der Wohnung begutachten.
Kind ein halbes Buch vorlesen.
Haare bürsten.
Haferflocken fürs Kind in der Mikrowelle kochen.
Schluck Kaffee trinken.
Kind aus dem Bad ziehen.
Eier kochen.
Das Kind ist so ruhig. Kind suchen gehen.

Kind beim spielen in seinem Zimmer beobachten und seelig grinsen.
Früchte in die Haferflocken kippen und nochmal ab in die Mikrowelle.
Kind das ganze Buch vorlesen.
Der Kaffee ist kalt. Trotzdem runter damit.
Kind das halbe Buch vorlesen.

Blog schreiben und überlegen, wie hart die Eier inzwischen sind.
Frühstückskram auf dem Tisch verteilen.
Kind suchen.

9 Uhr. Guten morgen zusammen.…

Das wars also mit 2016

Das wars also mit 2016

Das war es also, dieses seltsame Jahr 2016. Das Jahr, von dem es im Internet heißt, dass es das schlimmste überhaupt war (oder so ähnlich), weil unheimlich viele Stars unserer Generation gestorben sind. Um ehrlich zu sein: Wirklich beroffen haben mich von „all den vielen Menschen“ genau drei Stück. Bud Spencer, mit dessen Filmen ich quasi groß geworden bin. Alan Rickman, der einen wunderbaren Professor Snape und Metatron gespielt hat und Carrie Fisher, die ich, wie wahrscheinlich die meisten Menschen, als Prinzessin Leia kenne.

Vielleicht klinge ich ein bisschen arrogant, wenn ich nur diese drei benenne und auch nur diese Rollen aufzähle. Ich war noch nie gut im Fangirlen und Betroffenheit heischen, wenn doch eigentlich gar keine da ist. Und meine Betroffenheit hält sich in Grenzen, wenn Menschen sterben, die ich nicht kenne. Ja, ich mag den Tod im allgemeinen auch nicht und mir tut es natürlich um die Menschen und deren Familien leid. Aber dieses allgemeine „Oh nein, wieso nur ausgerechnet diese Person?!“ stellt sich bei mir nicht wirklich ein.

Mein eigenes, kleine Schnabeltier

Mein persönliches 2016 hatte seine Hochs und Tiefs. Ich hatte Schmerzen, ich hatte die heftigsten Glücksgefühle meines Lebens. So sehr geweint wie dieses Jahr habe ich sonst nicht, so starke Hormonschwankungen hatte ich niemals. Kurzum: Ich habe ein Kind bekommen. Mein erstes Kind. Das Schnabeltier kam im ersten Jahresviertel und ist inzwischen so groß und so aktiv geworden, dass ich ihn beinahe nicht wiedererkenne, wenn ich „alte“ Fotos von ihm sehe.

Je nachdem, wen man fragt sieht er sowieso entweder aus wie mein großer Bruder in dem alter, oder wie mein Mann in dem Alter. Ich habe auch schon Leute sagen hören, dass er mir ähnlich sehen würde, aber ich erkenne nur meine Füße an ihm wieder. Aber er ist ein tolles Kind das mich bereits so oft an meine Grenzen gebracht hat, und dennoch sind wir jetzt hier und glücklich miteinander.

Überhaupt meine Männer. Wenn mir vor 6 Jahren, also 2011 jemand gesagt hätte, dass ich  jetzt, diese 6 Jahre später in Brandenburg sitzen würde, verheiratet und mit Kind auf dem Schoß, dem hätte mein damals abimachendes Ich wohl gehörig den Vogel gezeigt.

Ein Kampf dem Gewicht

Während der Schwangerschaft fiel es mir übrigens unheimlich schwer, mich zusammen zu reißen, was Essen angeht. Kein Wunder also, dass ich viel zu viel zugenommen hatte. Wirklich frustriert hatte mich allerdings, dass ich auch 6 Monate später immer noch mit diesen Schwangerschaftsjeans durch die Gegend gerannt bin. Da musste doch was besser gehen.

Irgendwie bin ich dann auf das Buch Fettlogik überwinden gestoßen. Eine Weile lang bin ich nur neugierig darum herum geschlichen. Irgendwann war es mir dann zu viel und ich habe es mir einfach im hiesigen Buchladen gekauft. Ein bisschen länger hat es dann gedauert, bis ich dazu gekommen bin, es zu lesen. Auf der Rückreise unseres Bayernurlaubs lag es allerdings in meiner Tasche, und solange das Schnabeltier schlief konnte ich lesen. Sagte ich lesen? Verschlingen!

Kaum war ich zu Hause angekommen wollte ich unbedingt das, was ich jetzt verinnerlicht hatte umsetzen. Ich stellte die Art und Menge meiner Lebensmittelaufnahme um. Beobachtete mein Essverhalten, schrieb auf was und wie viel ich zu mir nahm. Und am wichtigsten: Ich stieg auf die Waage. Fluchend und Schimpfend, aber ich bin drauf gegangen, habe mir aufgeschrieben wo ich stand, bin runter gegangen und habe mich diszipliniert.

Es war verdammt schwer. Aber irgendwie habe ich es geschafft, bis zum Jahresende 15kg loszuwerden. Und das in einer Zeit, in die diverse Geburtstage und die Weihnachtszeit fallen. Ich bin unendlich stolz auf mich, verdrücke meinen letzten Schokoweihnachtsmann und werde morgen wieder ganz brav von vorne Beginnen. Jetzt, da die Schwangerschaftspfunde weg sind, bin ich gespannt, wie mein Ich im Normalgewicht sein wird. Das sind auch nochmal mindestens so viel wie bereits verloren, aber jetzt habe ich ja den Dreh raus.

Also dann:

Liebes 2016, ich mochte dich. Dennoch sagte ich hiermit „Auf Wiedersehen“

Liebes 2017, ich freue mich dich kennen lernen zu dürfen. Wir werden sehen, wie wir uns verstehen.

PS: Das Beitragsbild wurde von der wundervollen Katja Scherle – Festtagsfotografien geschossen, die bereits unsere Hochzeitsbilder gemacht hat. Sollte jemand darüber nachdenken zu heiraten und schöne Bilder zu machen: Sie ist ihr Geld wert. Immer!…