Eine Eingewöhnung

Ich kenne meinen Zwerg. INzwischen würde ich sogar sagen, dass ich meinen Zwerg verdammt gut kenne. Schon als ich damals den Eintrag zu seinem Kitaanfang schrieb, war mir im Grunde klar, dass das kein Problem werden würde. Zumindest für ihn nicht. Und nun sitze ich hier, daheim auf dem Sofa, und starre irritiert zurück in die Wochen, die seitdem vergangen sind.

Vielleicht habe ich doch gehofft, dass er ein bisschen mehr Probleme macht. Insgeheim war das so ein…Daumen drücken. Und gleichzeitig auch nicht. Was wäre, wenn er zu Beispiel die Erzieherinnen auf den Tod nicht hätte leiden können? So schön die Kita gewesen wäre, so doof wäre die Eingewöhnung dennoch gelaufen.

Alles bangen umsonst

Aber was bringen „Was wäre wenns…?“, wenn sie sowieso nicht zutreffen? Überhaupt gar nicht? Also gut, wir sind also am ersten Tag zur Kita gegangen, wurden mit einem irritiertem „Wir haben euch erst im März erwartet, aber kommt rein.“, empfangen und waren mitten drin. Ich durfte mich neben die Gruppe setzen, das Schnabeltier war direkt mitten im geschehen. Und – wie erwartet – hat er mitgemacht. Irgendwie. Klar, aller Anfang ist schwer und so, aber es gab so viel Spielzeug und andere Kinder, dass er sich gar nicht für mich interessiert hat. Das gemeinsame Obstfrühstück hat er ein bisschen irritiert quittiert – bis zu dem Moment, in dem die anderen Kinder fertig waren. Da saß er dann auf seinem Platz und hat einfach weiter gegessen.

Danach ging es noch ein bisschen raus in den Garten, wo er Bobbycar fahren und im Sandkasten Buddeln durfte. Alles in allen waren wir am ersten Tag etwa 1,5 Stunden da. Eher mehr. Auf jeden Fall mehr, als ich erwartet hätte.  Und diese Zeit hat auch tatsächlich ausgereicht, um ihn ganz schön zu schaffen. Zu Hause war er dann quengelig, hat Sachen durch die Gegend geworfen und allgemein so viel Chaos gemacht, dass ich ihn kurzerhand ins Bett gesteckt habe. Und dann hat mein Kind, dem Mittagsschlaf bisher wenig interessiert hat, einfach geschlafen.

Raus mit der Mami

Danach ging alles sehr schnell. Nachdem ich am zweiten Eingewöhnungstag noch mit ihm die erste Stunde verbringen durfte, wurde ich später einfach rausgeschickt, zum warten und schauen, wie das Kind reagiert. Am nächsten Tag durfte ich ihn nur in die Runde bringen und mich dann raus setzen. Selbst als die Gruppe an mir vorbei gegangen ist, wurde ich keines Blickes gewürdigt. Wahrscheinlich hat er mich gar nicht wahrgenommen.

Es ging wirklich Schlag auf Schlag. Schlussendlich wurde mir nahe gelegt doch einfach nach Hause zu fahren, um ihn dann um 11 abzuholen. Das war dann der Punkt, an dem ich auf das Fahrrad umgestiegen bin. Wenn ich eine halbe Stunde pro Strecke brauche, wenn ich zu Fuß unterwegs bin, dann bin ich um viertel vor 10 zu Hause, um dann um kurz halb 11 wieder los gehen zu dürfen, um das Kind rechtzeitig wieder abzuholen. Die Zeit zu Hause ist dann ein Minimum. Das muss ja auch nicht sein. Mit dem Rad geht das alles viel entspannter. Wenn es nicht gerade so schweinekalt ist, wie es gerade diese Tage war. Zeitweise dachte ich wirklich, dass ich vom Rad kippe, zum Eisklotz gefroren. Keine Ahnung, wie es dem kleinen Mann auf dem Kindersitz hinter mir ging. Bestimmt nicht viel besser.

Zukunftsmusik: Mittagsschlaf in der Kita

Noch eine Woche, dann muss ich wirklich wieder arbeiten gehen. Welch seltsamer Gedanke. Ich weiß noch nicht, wann ich mir DARAN gewöhnen werde. Bald, hoffentlich. Das Schnabeltier war bisher immer bis nach dem Kitamittagessen da und wurde dann von mir abgeholt, um dann zu Hause hoffentlich schlafen zu können. Heute ist der letzte Tag, an dem das so ist, ab nächster Woche wird er in der Kita schlafen müssen. Darauf bin ich WIRKLICH gespannt. Schlafen gehen ist das roteste Tuch, dass ich vor die Augen des Schnabeltieres hängen kann. Selbst mit Kitachaos. Lasst uns die Daumen drücken, dass es in einer ungewohnten Umgebung besser klappt.

Ich bin jedenfalls glücklich darüber, dass er sich heute nach dem Frühstück hingesetzt hat, seinen Fahrradhelm ausgepackt, seinen Schal, seine Mütze und raus wollte. Ich musste ihn daran erinnern, dass er noch eine Hose anzuziehen hatte. Und ich. Und ich eigentlich noch halb am Frühstücken war (ich brauche morgens immer EWIG!). War ihm egal, er wollte jetzt raus. Dafür wurde auch ganz freiwillig eine Hose geholt. Und ohne gezeter in den Schneeanzug gestiegen. Und in die Schuhe. Er hat sich echt gefreut.
Als wir schließlich (viel zu früh) auf dem Fahrrad saßen, fragte ich ihn, ob wir jetzt in die Kita führen? Die Antwort: „JAAAA! Pady, Pady!“ Ich mag es, wenn er sich so freut.

Ich platze

Die Erzieherinnen andererseits mögen meine Chaosnase auch sehr gerne. Neulich wurde ich angesprochen, ob wir denn Treppen zu Hause hätten. Er würde schon so toll hoch und runter gehen, das könnte mancher Großer noch nicht.

Oder das Lob dafür, dass er schon so toll selbstständig essen kann „Da braucht er ja gar kein Lätzchen mehr.“ Sich selbstständig das Trinken eingießt (Was zur Hölle, das kann er?!), ganz toll mitmacht, aufräumt. Mein kleines Mamaherz ist vor Stolz so voll, dass es bestimmt demnächst platzt.…

Ein kleiner Laufbericht

Um kurz nach acht langsam fertig machen, um das Kind spätestens um 9 in der Kita abgeben zu können.
Kurz vor 9 da sein, Kind abgeben.
Um kurz nach 9 Uhr heim geschickt werden, weil das Kind anscheinend keine Probleme macht.
Halb 10 zu Hause ankommen.

Kurze Pause

Um 10 wieder los müssen, weil man um halb 11 wieder in der Kita sein muss, um das Kind wieder abholen soll.

Einer der Gründe, warum ich in die Nähere Kita wollte.
Andererseits kann man aber auch sagen: Eingewöhnung läuft. Ich muss nur mein Fahrrad mal aus dem Winterschlaf erwecken (lassen. Schaaaatz? 🙂 )…

Ohjemineohjemine

Nach wie vor kann ich es nicht fassen, wie schnell die Zeit verfliegt. Und vor allem, wie groß mein kleiner großer Junge inzwischen ist. Wie groß und wie weit und wie unglaublich cool. Dennoch haben wir jetzt ein Thema vor uns, dass mir wahrscheinlich mehr Angst macht, als ihm selbst. Zumal er ja noch gar nichts damit anfangen kann, egal wie viel ich davon rede.

Morgen gehen wir in die Kita

Jawohl! Richtig gelesen. Der erste Tag der Kitaeingewöhnung steht an. Und während mein Schnabeltierchen sich immer freut, wenn ich das erzähle, wird mir mit jeder Stunde immer mulmiger im Bauch. Ich hab sogar heute Nacht davon geträumt, ihn da hin zu bringen. Und dabei ist das doch eigentlich nichts!

Gerade in den ersten Tagen Kitaeingewöhnung bin ich doch dabei. Und so wie ich mein Kind kenne, wird es ihn total freuen. Andere Kinder (Okay, erst einmal daneben stehen und schauen wird Standard), viel Spielzeug, viel Toben, viel Chaos machen.

Und ich als Mama werde daneben sitzen, zu sehen wie das Kind sich freut. Sich einlebt. Und irgendwann gehen dürfen. Mein Kind ein paar Stunden alleine lassen. Wie so viele andere Eltern vor mir. Und ganz viele nach mir ebenso. Die haben bestimmt auch ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Und eine Umgebung, die sagt „Ach, das ist doch gar nicht so schlimm.“

Natürlich ist das gar nicht so schlimm. Theoretisch weiß ich das. Sagt das aber mal meinem Bauch. Mein Bauch hat in den letzten zwei Jahren das Kind nur sehr selten aus den Augen gelassen. Und wenn, dann eben an die Omas. Für ein paar Stunden. Einmal. Einen Tag lang. Für meinen Bauch ist das was anderes.

Ich weiß, dass wir das schaffen werden. Ein komisches Gefühl bleibt trotzdem. Also nur noch eine Nacht schlafen.

Augen zu und durch!…