Ohjemineohjemine

Nach wie vor kann ich es nicht fassen, wie schnell die Zeit verfliegt. Und vor allem, wie groß mein kleiner großer Junge inzwischen ist. Wie groß und wie weit und wie unglaublich cool. Dennoch haben wir jetzt ein Thema vor uns, dass mir wahrscheinlich mehr Angst macht, als ihm selbst. Zumal er ja noch gar nichts damit anfangen kann, egal wie viel ich davon rede.

Morgen gehen wir in die Kita

Jawohl! Richtig gelesen. Der erste Tag der Kitaeingewöhnung steht an. Und während mein Schnabeltierchen sich immer freut, wenn ich das erzähle, wird mir mit jeder Stunde immer mulmiger im Bauch. Ich hab sogar heute Nacht davon geträumt, ihn da hin zu bringen. Und dabei ist das doch eigentlich nichts!

Gerade in den ersten Tagen Kitaeingewöhnung bin ich doch dabei. Und so wie ich mein Kind kenne, wird es ihn total freuen. Andere Kinder (Okay, erst einmal daneben stehen und schauen wird Standard), viel Spielzeug, viel Toben, viel Chaos machen.

Und ich als Mama werde daneben sitzen, zu sehen wie das Kind sich freut. Sich einlebt. Und irgendwann gehen dürfen. Mein Kind ein paar Stunden alleine lassen. Wie so viele andere Eltern vor mir. Und ganz viele nach mir ebenso. Die haben bestimmt auch ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Und eine Umgebung, die sagt „Ach, das ist doch gar nicht so schlimm.“

Natürlich ist das gar nicht so schlimm. Theoretisch weiß ich das. Sagt das aber mal meinem Bauch. Mein Bauch hat in den letzten zwei Jahren das Kind nur sehr selten aus den Augen gelassen. Und wenn, dann eben an die Omas. Für ein paar Stunden. Einmal. Einen Tag lang. Für meinen Bauch ist das was anderes.

Ich weiß, dass wir das schaffen werden. Ein komisches Gefühl bleibt trotzdem. Also nur noch eine Nacht schlafen.

Augen zu und durch!…

Ein Schnabeltier entdeckt die Welt

Ja ich gebe zu, dass es schon ein bisschen her ist, seitdem ich das letzte mal etwas geschrieben habe. Irgendwie will mein Müdigkeits- und Motivationslevel aktuell nicht so wie mein Kopf. Aber gut, ist halt Januar, der ganze Weihnachts- und Neujahrsstress ist jetzt wirklich endgültig weg und wir müssen uns wieder mit unseren üblichen Themen befassen. Also lasst die Finger knacken, hier geht es ins neue Jahr.

Was ist denn hier los?

Bei Babys redet man von Schüben, wenn sie gerade besonders unruhig sind. Die lernen gerade etwas Neues. Weiter sehen, besser riechen, besser hören, bewusst greifen…. Als Elter ist man in der Zeit dieser Schübe immer besonders angestrengt, weil die Kleinsten dann halt öfter weinen, mehr trinken, mehr nähe wollen, nicht schlafen… Man kennt das.

(Klein)Kinder machen auch irgendwie Schübe durch, aber die bemerkt man anders. Also, wir zumindest beim Schnabeltier. Er verändert sich in seinem Verhalten, ohne davor quengelig, verfressen oder schlaflos zu sein. Zumindest nicht auffallend mehr, als sonst schon. Dennoch bemerken mein Mann und ich, spätestens seitdem wir aus dem Weihnachtsurlauben bei den Omas und dem Opa wieder zurück sind doch, dass das Kind sich anders verhält. Größer wirkt.

Vor einer halben Ewigkeit habe ich mal davon berichtet, dass er jetzt Tierlaute zuordnen kann. Allein die Menge an Tieren, die er jetzt erkennt, hat sich seitdem Mindestens verdoppelt. Wenige kann er benennen, ohne den Tierlaut selbst zu benutzen. Dafür versteht er aber die Zusammenhänge. Ein Eisbär ist nun nicht mehr nur ein „Babao“, sondern ein „Eibabao“ oder, wenn er sich konzentriert sogar schon ein „Eibär“. Ähnliches haben wir bereits beim Meerschwein („Mehr! *grunz*“) erlebt, von den Mama-, Papa- und Baby-Tieren will ich gar nicht erst anfangen.

Mach mal bitte…

Dann kommen da noch die Sachen, die er versteht und ausführen kann und will. Das liebste Beispiel meines Mannes: Das Licht im Bad anmachen. Dazu muss man nur erwähnen, dass man selbiges vorhat und schon macht es „NEEEEEIN“, und ein Kleinkind saust ohne Rücksicht auf Verluste an einem Vorbei in Richtung Bad, nur um zuerst am Lichtschalter zu sein.

Ich nutze seine neu gewonnenen Fertigkeiten um mir ein bisschen helfen zu lassen. Den Tisch decken kann er zum Beispiel, seinem Alter entsprechend, schon ganz gut. Man muss ihm die Teller und Bestecke nur nach und nach in die Hand geben, und sagen für wen das ist: Alles landet mehr oder weniger gut auf dem richtigem Platz am Tisch. Sein eigenes Geschirr bekommt er inzwischen aus dem Geschirrspüler ausgeräumt, und auch für Töpfe und Pfannen kennt er den richtigen Platz. Dazu muss ich natürlich sagen: Immer unter Aufsicht und Hilfe. Ist ja irgendwo klar.

Am schönsten finde ich sein neu entdecktes Verständnis, wenn es wirklich um „komplizierte“ Aufgaben geht.
„Schnabeltier, willst du Püppchen holen? Die liegt in deinem Zimmer auf dem Sofa.“ Schon flitzt er los und holt und spielt. Das war einer der ersten Momente, in denen ich das WIRKLICH realisiert habe.
Morgens, Mama liegt noch im Bett: „Deine Füße werden ja ganz kalt. Holst du Socken, die ziehe ich dir dann an, damit du spielen kannst.“ Und er zog los, in sein Zimmer, machte die Schranktür auf, zog die Sockenschublade auf, griff sich ein paar Socken, schloss alles brav wieder und kam zurück ins Bett. Ich gebe zu: Ich war baff.

Verstehen und wollen

Zusätzlich wird sein aktiver Wortschatz immer reicher. Klar ist, dass vor allem mein Mann und ich verstehen, was er will und Omas und Opa erst einmal mit großen Fragezeichen gucken. Aber dennoch wächst seine Kommunikation immer und immer mehr.

Wie bei jedem Kind fing es bei ihm mit Mama, Papa, Nein und Ja an. Irgendwie so. Inzwischen kann er auch Bitte sagen, wenn er etwas möchte, sich sein Gute-Nacht-Lied-Aussuchen („Mannie“ = LaLeLu – Mann im Mond / „Mama Papa Määäh“ – Schlaf Kindlein Schlaf – Der Papa ist ein Schaf, die Mama nennt dich…)oder bestimmtes Spielzeug verlangen („Tatüü! Brrrrm“ = Feuerwehrauto „Bau“ = Ball…).

Ganz besonders spannend in dem Zusammenhang finde ich seine Fähigkeit, inzwischen Drei-Wort-Sätzchen zu bilden. „Mehr – Mam – Bitte“ steht für eine zweite Portion zu essen oder „Mehr – Mew – Bitte“ für mehr Milch. Ja, aktuell sind es nur Mehr irgendwas Bitte-Sätze, aber die hat er drauf. Und weiß auch, dass wir da schlecht nein Sagen können. Wir sind schwach.

Es tut mir leid. Eigentlich wollte ich meinen Blog nie als „Mein Kind kann schon XYZ und DEINS?!“-Plattform benutzen. Wettbewerbe zwischen Eltern, welches Kind was wann denn am besten kann sind meiner Meinung nach vollkommen daneben. Daher sei gesagt: Wenn ich so etwas hier schreibe, dann vor allem, weil ich mich freue, was mein Kind dann doch alles kann. Weil ich regelmäßig nachts im Bett mit meinem Mann noch darüber diskutiere, was er denn heute wieder alles gelernt hat. Und weil ich in all der Zeit nach wie vor eines lerne und zu dokumentieren versuche: Eltern sein lernen.…

#ichgebeab aka das Klischeebaby kehrt zurück

Auf meiner Lieblings-Social-Media-Plattform Twitter hat sich zumindest in meiner kleinen Filterblase der Hashtag #ichgebeab / #ichgebab gebildet. Ein Hashtag ist quasi ein Sammelbegriff, unter dem jeder seine Gedanken zu einem bestimmten Thema abgeben kann. Dies nur kurz an das Lesende Publikum, denen Social-Media und Internet im allgemeinen ein großes Fragezeichen über dem Kopf aufleuchten lassen (Hallo Mama. Ich hab dich lieb.)

Entstanden ist das ganze durch eine Reihe an Tweets eines Accounts, der im allgemeinen auf die Unsinnigkeit von Geschlechtertrennung im Babyalter schon aufmerksam macht.

Ich will mal so sagen: Da kamen noch mehr. Sehr viel mehr. In einem Blogartikel des eben genannten Accounts wurden ein paar Tage später, nachdem der Hashtag eben so eine unglaublich große Resonanz erhielt erklärt, wie es zu den Ausgangstweets kam. Da von dem Account, dem ich eben auch folge, viel in meine Timeline gespült  wurde, was andere dazu zu schreiben hatten, wurden meine Augen im Laufe der vergangenen Tage immer größer. Was sind das für Menschen, die ihren Kindern, ihren Enkeln, ihren Schutzbefohlenen oder einfach nur ihrer Umgebung einen Stempel aufdrücken müssen, den diese vielleicht gar nicht wollen?

Das ist nur ein kleiner Teil von dem, was ich in letzter Zeit zu lesen bekommen habe. Und ich lese das und stelle mir die Frage: WAS STIMMT MIT DEN LEUTEN EIGENTLICH NICHT?

So aufwachsen, wie man will

Vielleicht verkläre ich in der Erinnerung an früher einiges. Aber ich bin, wenn ich diese Dinger lese, meiner ganzen Familie so unendlich dankbar, dass ich mich so entwickeln durfte, wie ich wollte. Das fing mit „Ich will Haare haben wie Pocahontas“ an. Das wurde aber auch zu einem Mädchen, dass mit Star Wars aufwuchs und bis heute glühender Fan ist.

Ich hatte Puppen zu Hause, aber eben auch Legosteine. Barbies und Sailor Moon-Bettwäsche, aber eben auch Die Herr der Ringe Filme, sobald ich alt genug war. Die Hörspiele, die es damals gab schon vieeel früher. Ich habe das immer für normal gehalten. Und wenn ich als Mädchen die Pocahontas-Haare abschneiden musste, weil die beim Sport (Handball? Turnen? Irgendwas wars bestimmt) zu warm waren, und ab sofort mit Streichholzkurzen Haaren durch die Weltgeschichte tingeln wollte, dann war das so. Und es war gut. Mein großer Bruder durfte in den Kleidern seiner besten Freundin rumlaufen. Meine kleine Schwester hatte die erten Grundschuljahre gezwungenermaßen einen rosa Katzenranzen. Aber der war eben in ihrer rosa-Prinzessinnen-Phase gekauft worden. Die endete eben kurz vor ihrer Einschulung. Danach war sie ein wilder Kerl. Inklusive im Schlamm suhlen, freches Kind sein, kurze Haare und eben Fußball. Zu ihrem Unglück musste sie irgendwann in die reine Mädchenmannschaft wechseln. Trotzdem: Fußball spielt sie bis heute.

Was ist nochmal normal?

Und wisst ihr was? Das ist normal. Wir sind alle groß geworden, wir sind alle so „normal“ wie man irgendwie sein kann. Niemand von uns ist „schwul“ oder „lesbisch“ oder sonst irgendetwas „schlimmes“ geworden. Mein Bruder und ich sind beide verheiratet (Nein, nicht miteinander, was denkt ihr denn schon wieder?!), meine Schwester hat einen wundervollen Freund. Solo ist bisher meines Wissens nach nur unser kleiner Bruder, aber der bestimmt nicht, weil er nur Puppen zu spielen bekommen hat….war nicht er das, der meine Barbies reihenweise geköpft hat?

Was ich sagen will: Wieso lassen all diese Leute, über die im Hashtag geredet wird ihre Kinder nicht einfach sein? Warum muss schon Kindergartenkindern eingetrichtert werden, dass ein Junge, der mit Puppen spielt nicht normal sei? Etwas, worüber es zu lachen gilt?

Das traurige an der Geschichte ist ja, dass Kinder nicht von selbst auf solchen Schwachsinn kommen. Kleine Kinder schauen sich das Verhalten von Vorbildern ab und reproduzieren das, was sie sehen. Was sie vorgelebt bekommen. Was ihnen erzählt oder was sie gefragt werden. Kindergartenkinder finden Jungs, die mit Puppen spielen also nicht doof, weil Kinder Jungs, die mit Puppen spielen doof finden. Kindergartenkinder SEHEN, dass die Anderen Jungs, die mit Puppen spielen doof finden. Also sind für diese Kinder Jungs die mit Puppen spielen doof. Und so wird das weiterreproduziert. Immer und immer weiter.

Aber du bist doch eine Frau….in erwachsen

Wenn es denn wenigstens bei den doofen Kindergartenkindern bleiben würde. Aber wenn die Kinder aus dem Alter raus sind, hört das ja nicht auf.

Ich glaube, es reicht so langsam an Beispielen, oder? Halt doch! Eins habe ich noch, aus meiner ganz persönlichen, kleinen Welt: Als Mädchen in die IT? Das ist aber auch nicht normal, oder? Wie ist es denn dazu gekommen?

Und ja, tatsächlich: In meiner Berufsschulklasse war ich eines von zwei Mädchen eine von zwei jungen Frauen, unter um die 25 junger Männer. Haben wir beide unsere Sache deswegen schlechter gemacht? Nö. Ich war sogar – ohne mich groß anstrengen zu müssen – eine der Jahrgangsbesten. Wie oft ich mit „Streberin“, auch im Scherz, anhören musste, hab ich gar nicht gezählt. Tatsache war: ich war stinkend faul und der Stoff echt einfach. So zumindest mein Empfinden. Auch im Beruf ist Administrator nicht das, was man als Frauenjob kennt. Bei uns in der Firma bin ich die einzige weibliche Besetzung auf Adminposten. Die anderen machen Programmierung, UHD (User Help Desk = (Telefon)support) oder Organisation. Auch privat hab ich von all denen, die IT machen bisher nur eine Frau kennen gelernt, die ebenfalls Admin ist. Ein faszinierendes Bild…

Zurück zur Ausgangsthese

Ich verstehe es nicht, wieso man Kindern unbedingt den „Du bist doch Junge/Mädchen“-Schuh anziehen muss. Wieso ein Kind Fußball mögen muss, oder Tanzen, oder rosa oder glitzer oder Autos, nur weil es eben einen Penis hat oder eben nicht. Das könnte mich so unendlich aufregen. Vielleicht merkt man das diesem Text an. Vielleicht auch nicht.

Aus meinem persönlichen Umfeld kenne ich diese Probleme zum Glück nicht und ich hoffe allen ernstes, dass auch das Schnabeltier ihnen nie im Leben begegnen wird. Wahrscheinlich wird sich das schlagartig ändern, sobald er in die Kita kommt. Und viel mit anderen Kindern in Kontakt. Wenn es soweit ist, werde ich versuchen für ihn einzustehen und für ihn da zu sein. Sein rosa Heliumballonpferd findet er auf jeden Fall klasse. Und rosa ist es auch nur, weil er eben ein Pferd haben wollte, und es keine grünen gab. Oder – um Himmels Willen – Braune! oder Schwarze! Oder Weiße!

Drückt ihm die Daumen, dass die Anderen ihm das nicht alles kaputt machen in Zukunft.

Und Mama*? Danke! Danke, dass ich so klischeefrei aufwachsen durfte!
Ich hoffe, dass ich dem Vorbild, das ich mir an dir genommen habe, gerecht werde. Ich hab dich lieb.

 

(*Papa ( :'( ), Omas, Opa, Tanten, Onkels, Cousinen, Freunde, Freundinnen, ErzieherInnen, LehrerInnen, Eltern von….)

 

PS: Über Das Klischeebaby habe ich vor einer halben Ewigkeit schonmal geschrieben.…