Ich erzähle dir einen Traum

Man hat jetzt schon mindestens hunderttausend Mal „La Le Lu“ gesungen. Irgendwann ist man dann auf „Guten Abend, gute Nacht“ umgestiegen und hat die Hasszeile einfach weggelassen. Aber selbst das Lied ist inzwischen quasi tot gesungen. Und das Kind liegt immer noch wach im Bett und erfreut sich an seiner eigenen Wachheit. Also muss man sich etwas anderes Ausdenken, bei dem das Kind irgendwie die eigene Stimme in ruhiger Art und Weise hören kann, um irgendwie in den Schlaf zu finden.

Es wird nicht jede Nacht genutzt, aber manchmal kommt es halt vor, dass ich frage „Soll ich dir einen Traum erzählen?“ Da freut er sich dann immer ein bisschen, und ich fange an. Ohne Sinn und Verstand. Ohne Ahnung, wo der Traum heute hingehen soll. Träume kommen und gehen eben, wie sie selbst wollen.

Der Traum beginnt

Anfangen tut ein Traum immer auf die selbe Art: Man muss erst einmal einschlafen. Dazu „wandert“ die Schwere oder Müdigkeit von seinen Zehenspitzen, seine Beine hoch bis zu seinen Augenlidern, die dann zufallen. Weil er noch so klein ist, versteht er wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte von dem, was ich ihm da erzähle. Vor allem nicht, dass ich eigentlich will, dass er sich auf die Körperteile konzentriert und dabei ruhig wird. Eher fängt er dann damit an, mit den Zehenspitzen zu wackeln, seine Schultern zu suchen, auf seinen Bauch zu zeigen und und und. Wenn man nicht zwingend möchte, dass er jetzt sofort einschläft ist das gar nicht schlimm. Ich erzähle einfach weiter und find es toll, dass er schon seinen gesamten Körper zeigen kann.

Wenn die Müdigkeit dann in den Augen angekommen ist, gehen wir noch einmal auf den ganzen Körper ein, dass dieser jetzt ganz schwer ist. Und, dass er dann einschläft, und sein Körper leicht wird, hochfliegt, und er sich und mir noch einmal tschüß winkt. Bis dahin ist jeder Traum gleich.

Was dann kommt

In der Hoffnung, dass ich während der Traumeinleitung eine Idee hatte, wohin der Traum gehen soll, fliegt er jetzt weiter. Irgendwie irgendwo hin. Raus aus seinem Zimmer geht es auf jeden Fall.

Und Erzählt wird dann eben im Flow. Selten rede ich den ganzen Traum lang durch. Meistens wird nebenbei ein bisschen gekuschelt, gekichert „weißt du…“ gesagt. Und was sind das so für Träume? Es sind immer irgendwelche Arten von Geschichten, die das Schnabeltier erlebt. Das kann sein, dass er hoch in die Wolken fliegt, sich die Wolken anschaut und mit den Regentropfen zusammen wieder runter in sein Zimmer regnet.

Das kann sein, dass er über Berlin hinweg fliegt, weiter hoch in den Norden, Oma und Opa Hallo winkt und dann irgendwann Nachts an einem Ostseestrand endet und die Zehen im Sand vergräbt, während das Meer vor sich hin rauscht.

Das kann aber auch sein, dass er über die Wolken hinaus fliegt, und oben ein Königreich findet. Und in der Ferne ist ein blaues Schloss, das aus Himmel gebaut ist, und aus dem es ganz laut Schnarcht! In dem Schloss findet er dann irgendwann den Wolkendrachen, der schläft und Schnarcht. Den muss er wecken und ihm sagen, dass er schnarcht und er deswegen nicht schlafen kann.

Es kann aber auch sein, dass er mit mir zusammen den Weg zu seiner Kita geht. Die Straße runter, über die Schienen weg, da lang, dort lang. Hier vorbei. Wie das halt so ist. Und das, ohne dass er bisher in der Kita war.

Die Geschichten werden angepasst, während sie erzählt werden. Wie wach ist das Schnabeltier, wie wach bin ich, wie genervt sind wir beide inzwischen voneinander? Manchmal werden sie nur erzählt, damit die Zeit rum geht, manchmal sind sie so ruhig und unaufgeregt, dass das Kind währenddessen einfach einschläft. Passieren kann alles. Und nichts.

Der Traum endet

Eine Gemeinsamkeit haben die Träume dann doch noch alles: Sie enden immer damit, dass das Schnabeltier (im Bett?) liegt und einschläft.

Zumindest in der Geschichte.…

Die Schnullerfrage

Die Schnullerfrage

Ja, ich hätte schon vor Ewigkeiten wieder mal etwas schreiben sollen – ich weiß. Irgendwie ging mir das echt lange durch die Lappen, hier war was, da war was, meine Zeit am PC ist eh begrenzt… tja, und so kommt es, dass ich kaum noch schriftlich zu sehen bin. Nun aber wieder hier in Hoffentlich alter Stärke und mit ein paar neuen Themen. Ich hab zum Beispiel ein neues Lieblingsding gefunden. Da muss ich allerdings noch Fotos machen, bevor ich das veröffentliche. Deswegen erst einmal hierzu, bis es etwas anderes geben wird.

Über Schnuller

Als Eltern merkt man sehr schnell, dass Babys eins haben: Saugbedürfnis. Kein Wunder, Saugen hilft ihnen ja, sich zu regulieren. So eben auch das Schnabeltier. Die ersten Wochen nach seiner Geburt hing er quasi dauerhaft an meiner Brust. Man konnte ihn nicht ablegen, man konnte ihn nicht entfernen, ohne das große Geschrei zu starten. Meine Brüste (und mein Schlafbedürfnis) fanden das nicht so lustig, weswegen wir recht schnell beschlossen, dass wir es mit Schnullern probieren wollten.

Nachdem wir dann ein paar Fehlversuche hatten, die allesamt in hohem Bogen weder aus dem Kindermund ausgeworfen wurden, brachte dann meine Mutter ein paar mit, die wohl besonders Mutterbrust nah geformt sein sollten. Die mochte das Schnabeltier dann ganz gerne und meine Brüste kamen zur Ruhe.

Zugegebenermaßen hatte ich ein bisschen Angst davor, wie das später alles werden solle, wenn man dem jungen Mann irgendwann einmal den Schnuller abgewöhnen müsste. Meine Gruselgedanken waren Dinge wie Kieferverformungen, Nuschelndes um-den-Schnuller-herum-reden, wildes Geschrei, Jammern. Trotz. Eben alles, was man als Mutter gerne hat.

Tags und Nachts

Ich kann mich gar nicht genau daran erinnern, wie genau wir das eigentlich gemacht haben, aber irgendwann war dann Tagsüber einfach der Schnuller weg. Wenn wir das Gefühl hatten, dass er ihn nicht brauchte, dann wurde er aus dem Mund genommen und weg gelegt. Am besten gleich aus dem Sichtfeld, dann war der Wunsch danach auch gar nicht da. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Besonders gut gemerkt hat man das immer tagsüber, wenn wir auf dem Bett herumgetrunt sind, und er dann den Schnuller gesehen hat. ZACK, war sein Mund voll, und das Gejammer groß, wenn er ihm wieder abgeben musste. Aber da waren mein Mann und ich zumeist streng genug, um das Thema durchzuziehen.

Dadurch wurde der Spruch, dass der Schnulli nur im Bett zu benutzen sei auch ganz groß. „Schnullis sind nur für Babys und schlafende Kinder“, sowie „Der Schnulli bleibt im Bett“, halfen uns ganz gut durch die Tage. Irgendwann so gut, dass das Schnabeltier tatsächlich selbst, wenn er morgens aufstand, ganz ohne unser zutun den Schnuller aus dem Mund nahm, uns zuwarf und in die Freiheit krabbelte.

Schlafen ohne Schnulli

Unvorstellbar! Über ein Jahr lang nutzte der Kleine nun sein Saugbedüfnis, um einschlafen zu können. Nachdem ich es erfolgreich geschafft hatte abzustillen, war eben der Schnuller das Mittel der Wahl. Und der hat gewirkt. Da wollten wir auch lange genug nichts dran rütteln.

Nun war es aber so, dass Schnullis nur etwas für Babys und schlafende Kinder sind. Was machen wir eigentlich, wenn das Schnabeltier sich mit Händen und Füßen, trotz Saugwerkzeug, dagegen wehrt, einzuschlafen? Leider hatten wir das Thema in letzter Zeit sehr oft und von des Schnabeltieres Seite sehr viel ausdauernder, als von unserer.

Eines Nachts wurde es mir dann doch zu viel. Zwei Stunden wach liegen, singen, trampeln, sich wach halten und meinem Mann und mir den letzten Nerv rauben später dachte ich mir: „jetzt reichts.“

„Schnabeltier“, habe ich gesagt, “ du weißt genau, dass die Schnullis nur für schlafende Kinder und Babys da sind. Du willst nicht schlafen. Kein Ding. Dann ist aber auch der Schnuller weg.“ Diese Ansage wurde zwei Mal erfolglos wiederholt, danach kam der Schnuller weg.

In dieser Nacht hat es uns irgendwie geholfen, denn ein paar Minuten später war er eben fertig genug, um einfach so einzuschlafen. Schwieriger wurde es die Nächte darauf. Der Finger zeigte in den Mund „Wo ist mein Schnuller?“, bedeutet diese Geste im allgemeinen (alternativ auch „Ich habe Durst“ oder, wenn von einem „Nam!“ begleitet „ich will was Essen“), und Wiederholt haben wir ihn auf die neue Regelung hingewiesen.

Eine Frage der Gewöhnung

Ganz ehrlich? Es hat nicht immer geklappt und unheimlich einfach ist es auch heute nicht. Aber ich kann sagen: Es wird. Die Frage nach einem Schnulli wird weniger, die letzten drei, vier Schläfe hat er tatsächlich ohne Saughilfe hinter sich gebracht.

Vielleicht klingt es dämlich, aber ich bin unheimlich stolz auf diesen kleinen Menschen, dass er es mit uns beiden Chaoten als Eltern schafft, so ein unheimlich tolles und liebes Kind zu werden. Dass er unsere Erziehung mit macht und damit leben kann. Und dass er es nun, mit seinen 1,5 Jahren tatsächlich schafft, sich den Schnuller abzugewöhen. Ganz ohne Schnullerfee, Schnuller an den Weihnachtsmann/Osterhasen abgeben, an einen Baum zu hängen oder ähnliches. Ich hab inzwischen Gesichten von Kindern gehört, die mit bis zu 7 Jahren noch zeitweise ihre Saughilfe brauchten. Von daher: Weiter so kleiner Mensch! Du machst das ganz großartig!…

Diese Nächte

Diese Nächte

Es gibt sie. Diese Nächte

In denen das Kind aufwacht, wenn du gerade am wegdösen bist.
In denen das Kind dann irgendwie wacher ist, als gewöhnlich.
In denen du von der einen Seite auf die andere rollst.
In denen du froh bist, wenn du mal fünf Minuten die Augen schließen kannst.
In denen du dennoch nicht schlafen kannst, weil neben dir wieder gegen die Wand gekickt wird. Alternativ schnarcht der Mann auf der anderen Seite.
In denen du es dem Kind nicht recht machen kannst.

In denen du dich freuen würdest, wenn dieses „Einschlafstillen“ noch klappt.
Und du dann irgendwann vollkommen verzweifelt versuchst das Kind mit Wasser ruhig zu stellen.
Und das Kind das Wasser toll findet – um das Bett nass zu machen.
Und du aber die Wasserflasche vor lauter Müdigkeit nicht mehr richtig vor dem Kind verstecken kannst.

Diese Nächte, in denen du versuchst, deinen Mann schlafen zu lassen, weil der um kurz vor fünf aufstehen muss um arbeiten zu gehen.
Und du dich irgendwann verzweifelt fragst, ob es nicht bitteschön langsam fünf Uhr sein kann?
Und du irgendwann auf die Uhr schaust, und bemerkst: Achja, nichtmal halb vier.

Diese Nächte, in denen das Kind am liebsten aus dem Bett klettern und spielen wollen würde.
Oder kuscheln.
Oder nicht kuscheln.
Oder mit Papa kuscheln.
Oder auch nicht kuscheln.
Irgendwie vielleicht schlafen.
Aber schlafen einfach doof ist.

Diese Nächte, in denen du dir sicher bist, bisher noch kein Auge zugetan zu haben, und irgendwann vollkommen fertig aus dem Bett fliehst.
Und doch wieder zurück kommst, weil ja jetzt der Mann mit dem Kind alleine ist.
Und der Mann doch morgen arbeiten muss.
Oder heute.
Und du dich mit dem Kind ins Kinderbett legst, in der Hoffnung, dass es so besser wird.

Diese Nächte, in denen dir der Rücken und die Beine weh tun, weil Kinderbetten einfach nicht für Erwachsene gedacht sind.
Und das Kind immer noch um sich tritt.
Weil schlafen doch doof ist.
Und die Katzen inzwischen wach sind.
Und du einfach nicht mehr kannst und mit dem Kind gemeinsam den Sonnenaufgang herbeiheulst.
Und der Mann die Katzen füttert, euch alles gute wünscht und zur Arbeit muss.

Diese Nächte, in denen das Kind dich um kurz vor fünf Uhr soweit hat, dass du das Licht anschaltest, um mit ihm zu spielen.
In denen das Kind dann ins Bett krabbelt und schlafen möchte.
Und du dich wieder dazu legst.
Und in denen du dann um halb sechs wach wirst, bemerkst das das Kind schläft.
In denen du in dein eigenes Bett fliehst.
Um eine Stunde später erneut geweckt wirst, weil das Kind dein Fehlen bemerkt.

Diese Nächte, in denen du nicht mehr kannst, und es per Rufen zu dir ins Bett lockst.
In denen du dich gar nicht richtig freuen kannst, dass es von selbst zu dir kommt, obwohl es „Nacht“ ist.
In denen du dich freust, doch noch einmal für eine Stunde die Augen zumachen zu können.

Diese Nächte eben

Auch die sind irgendwann vorbei!

 

PS: Das Beitragsbild ist aus meiner Lieblingsstickersammlung für Telegram