Papa

Papa

Heute mal ein bisschen was Zusammenhangloses. Eigenes. Gedankensprünge. Sachen, die wenig mit Eltern lernen, aber viel mit mir zu tun haben. Wen es nicht interessiert, der darf wegsehen. Könnte komisch werden. Anders, als sonst.

Es geht ums sterben, um Teeniegedanken dazu, ums Tod sein und damit zurecht kommen müssen. So, als Lebender. 

Sagt nicht, ich hab euch nicht gewarnt. 

90cm

Damals, als mein Freund und ich uns ein Bett gekauft haben, war das irgendwie komisch für mich. So unendlich lange waren wir noch nicht zusammen und aufgrund von vorherigen Beziehungen war ich ein gebranntes Kind. Und jetzt sollten wir uns also gemeinsam ein Bett kaufen. Weil sein bisheriges Bett, freundlich ausgedrückt, scheiße war. Rollrost, durchgelegene Matratze. Mit Federn, die ausgerechnet immer in meinen Rücken gepiekst haben. Die 140cm, die das Teil hatte, haben uns irgendwie weniger gestört. Wir waren ja recht frisch zusammen, da ist nächtliches Kuscheln ja nichts schlimmes. Nur individuelle Bettdecken haben wir uns sehr früh angewohnt. Wahrscheinlich habe ich ihm zu oft seine geklaut oder so. Keine Ahnung.

Auf jeden Fall standen wir eines Tages im Möbelladen. Meine Mutter hatte mir zum Geburtstag Geld für ein neues Bett geschenkt, weil sie selbst im bisherigen Probe liegen durfte. Und dann war da die Frage: Welches Bett? Wollten wir, quasi beinahe frisch zusammen gekommen, noch einmal ein „kleines“ 140cm Futonbettchen haben? Mein Freund wollte etwas großes. Was ordentliches. Ein Doppelbett. Zwei Matratzen, viel Platz auf beiden Seiten.

Ich habe diese Dinger als „Ehebett“ kennen gelernt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weswegen ich damals so zögerlich war. Ich und ein Ehebett? Ich und Ehe?! Bitte nicht! Auf keinen Fall. Irgendwie hatte er es dann doch geschafft, mich zu überzeugen. Ein großes Bett, mehr Platz für uns beide und vor allem eine eigene, steinharte Matratze für mich allein. Stimmt, ich hatte ganz vergessen, wie sehr ich seinen weiche-Matratzen-Fetisch gehasst habe. Meine eigene Matratze war also quasi das Züglein an der Waage, das mich überzeugt hat. 90cm meines eigenen Reiches!

Viele Jahre später

Das Bett haben wir immer noch. Verheiratet sind wir nun auch. Nur die Matratzen wurden inzwischen einmal ausgetauscht. Inzwischen hat er eingesehen, dass steinharte Matratzen halt doch das beste auf der Welt sind und sich mit meinem Matratzen-kauf gleich auch eine neue besorgt. Fun fakt: Wieder ein Geschenk meiner Mutter. Die, die wir damals zum Bett dazu gekauft hatten waren recht billig und verdammt schnell durchgelegen. Aber von 90cm mein Reich ist schon lange nichts mehr.

Angefangen hat das mit den Katzen, die sich – gerade im Winter – sehr gerne zu einem unter die Bettdecke kuscheln. Und dann am Bauch liegen, wärmen und schnurren. Manchmal schläft man auch einfach in den Armen seines geliebten Menschen ein. Manchmal hat man auch sein geliebtes Schnabeltier in den Armen, während man einschläft. Alles nicht schlimm. Alles tolle Sachen. Ich liebe meine Katzen. Ich liebe meinen Mann, und ganz besonders liebe ich unseren Sohn. Aber aktuell wird das alles irgendwie zu viel. Die Nächte, in denen ich meine Betthälfte WIRKLICH für mich habe, belaufen sich im letzten Jahr auf…vielleicht eine Hand voll. Höchstens.

Gerade jetzt, wo ich noch einen zweiten Menschen mit mir herumtrage, wird das echt anstrengend. Zumal das Schnabeltier die erste Hälfte der Nacht immer wunderbar in seinem eigenem Zimmer schläft. Aber irgendwann – irgendwie zwischen 3 und 6 Uhr herum spätestens (neulich war es 23 Uhr), ist der kleine Mensch halt doch bei uns im Bett. Und dann wird meistens meine Decke mit in Anspruch genommen, obwohl er schon lange seine eigene hat. Die wird nur Nachts irgendwann weggestrampelt. Und sowieso, als Baby war er viel weniger zappelig.

Bedürfnisse

Und am besten schläft es sich halt doch, wenn man die Nase direkt in Mama reindrücken kann. So nah, wie es nur irgendwie geht, ist aktuell in den Morgenstunden angesagt. Dass ich mich währenddessen immer weiter auf die Seite quetsche ist egal. Ich bin ja froh, dass ich nicht aus dem Bett rausfallen kann. Sonst wäre ich das in letzter Zeit schon sehr oft.

Stattdessen versuche ich halt das Kind irgendwie vom zappeln abzuhalten, meine Decke bestmöglich zwischen uns beiden aufzuteilen und das schnarchen der beiden Männer neben mir zu ignorieren, um irgendwie wieder einzuschlafen. Leicht ist das nicht. Aber immerhin wache ich inzwischen nicht mehr vom Wecker meines Mannes mit auf und brauche dann ewig um wieder einzuschlafen.

Und ganz ehrlich: Ich habe lieber die beiden, und gerne auch noch die Katzen mit mir im Bett, als niemanden. Es gibt nämlich auch Nächte, in denen ist mein Mann auf Dienstreise. Oder gemeinsam mit dem Kind bei der Oma, während ich nicht mit kann wegen irgendwelchen Sachen. In diesen Nächten gehören 180cm Bett auf einmal mir. Keine tretenden Füßchen in meinem Bauch oder Rücken, kein Schnarchen. Höchstens das leise Schnurren der Katzen rechts und links von mir. Aber diese Nächte sind einsam. Die schlimmsten.…

Manchmal, wenn es einfach viel ist

„Schnabeltier?“
Keine Regung
„Schnabeltier, aufwachen“ Durchs Gesicht streicheln.
Das Schnabeltier zuckt ein bisschen mit den Fingern und schläft weiter.
„Schnabeltier. Rate mal wer hier ist. Der Papa ist daheim.“
Das Schnabeltier öffnet verschlafen die Augen. Guckt den ihn Ansprechenden an. Und beginnt direkt wunderbar zuckersüß zu lächeln und sich zu freuen.

Kurze Momente

Wenn man den Tag damit verbracht hat, gehauen zu werden, oder gebissen. Oder ignoriert. Oder sonst irgendwie alles. Wenn alles doof ist, und man trotzdem da ist zum trösten, wenn das Schnabeltier wieder hingefallen ist, weil es die Duplosteine auf den Boden gepfeffert hat und nun drüber gestolpert ist. Und wenn man dann nur ein weinerliches „Baba! Baba!“, als Satz des Tages zu hören bekommt. Immer und immer wieder.

Dann ist eben der Moment erreicht, in dem die oben beschriebene Szene, die als solches unheimlich niedlich und zuckersüß ist, einfach zu viel ist. In der man irgendwie versucht Würde behaltend den Raum zu verlassen und sich an die schlafende Katze kuschelt, um wenigstens ein bisschen Liebe zu erhalten.

Sollen die beiden mal machen. Meine Batterien werden wieder aufgeschnurrt.…