Verwandschaft für das Schnabeltier

Verwandschaft für das Schnabeltier

Ich mag meine Familie. Wirklich. Wir sind ein großer, verrückter Haufen, der allen Anschein nach weniger Probleme miteinander hat, als manch Andere. Zumindest, wenn man dem Internet so glaubt. Ich hab sie alle unglaublich lieb und freue mich immer, wenn wieder mal ein Treffen ansteht. Normalerweise ist das immer zu Weihnachten der Fall, aber diesmal wird sich das alles wohl ein bisschen verschieben.

Allerdings hat sich meine Familie dieses Jahr auch vergrößert. Sogar beinahe in meinem direktem Umfeld. Will sagen: Mein großer Bruder hat geheiratet. Im Gegensatz zu meinem Mann und mir sehr klein und unaufgeregt, aber es wurde ein Ehevertrag unterschrieben, viel Kuchen gegessen und einen Tag lang miteinander geredet.

Ich freue mich unheimlich für ihn. Die Frau, die er sich da ausgesucht hat, ist eine echt Tolle. Ich freue mich, sie als „zweite Schwester“ bei uns in der Familie verbuchen zu können. Zumal die beiden Glücklich miteinander sind, was will man also mehr?

Nachwuchs!

Achso. Ja. Da war noch etwas. Einen Monat davor hatte ich durch eine Erwähnung ihrerseits bereits etwas erraten. Offiziell gemacht wurde es allerdings zur Hochzeit: Sie ist schwanger. Ein kleines Cousinchen (männlich, weiblich….man weiß es nicht) für das Schnabeltier wird kommen. Es wird dann wohl etwa 26 Monate jünger sein als unser Schnabeltierchen und läuft aktuell meines Wissens nach unter dem Projektnamen „Wallaby“. Es scheint wohl ein kleines Treterchen zu sein.

Ich werde Tante! Als letzte in meinem Familienkreis quasi. Und ich freu mich unglaublich. Ein bisschen schade finde ich es, dass die Familie so weit weg ist, und ich vom Wallaby nur aus der Entfernung hören werde. Aber andererseits geht es denen mit dem Schnabeltier ja nicht anders. Dazu nur: Krüml, selbst schuld, wenn du so weit weg ziehen musst.…

Irgendwas ist immer zuende

Nennt es jammern auf hohem Niveau, aber: Warum ist am Ende des Geldes eigentlich so viel Monat übrig?!

Okay, Frage gestellt, bitte weiter gehen.

Nein? Okay, dann will ich noch ein paar Worte dazu verlieren. Ich weiß sehr wohl, dass ich auf einem sehr hohem Niveau meckere. Aber manchmal muss eben auch dieses gemeckere sein. Und weil mein Blog eben der Ort ist, an dem ich am ehesten mein Meckern loswerden kann, bekommt der das alles ab. Wer es nicht lesen will, der sei versichert, dass er jetzt gerne diesen Browsertab schließen darf.

Die Grundsituation

Wie manche hier vielleicht wissen, bin ich jetzt in meinem zweiten Jahr Elternzeit. Und wer die Regelungen zur Elternzeit kennt, der weiß, dass es zwei Jahre Elterngeld nur gibt, wenn man sein Geld für ein Jahr halbiert und sich die andere Hälfte im zweiten Jahr auszahlen lässt. Das ist genau das, was ich mache. Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass für Notzeiten ja noch ein Sparkonto da ist, auf das wir zurück greifen können.

Irgendwie hat es das erste Jahr ohne Probleme geklappt. Wir sind Geldtechnisch hingekommen. Ich habe zwar gemerkt, dass es eben weniger war, dass ich auf dem Konto hatte, aber es wurde nie „zu“ wenig. Seit mein Mann nun seine zwei Monate Elternzeit hatte, ist es irgendwie anders. In der Zeit ist ja auch ein Teil seines Gehalts weg gefallen, zeitgleich haben wir viel unternommen. Das ist unseren Kontos nicht unbedingt gut bekommen.

Jetzt arbeitet er seit ein paar Monaten bereits wieder, und wir sind immer noch am überlegen, wie wir hinkommen. Und wie gesagt: es ist ein Luxusproblem. Solang wir noch das teure Futter für unsere Katzen und die Kochboxen für uns bestellen können, sind wir nicht arm. Ein Glück. Zurück zu KitteKat und Co. möchte ich meine Vierbeinern nicht antun. Die können ja am wenigsten dafür, dass ich unbedingt zwei Jahre Babypause machen wollte. Unsere Konsequenz ist jetzt erst einmal, nicht die teuren Lebensmittel aus der Region, sondern die Discounterware zu kaufen, wenn sich das anbietet. Mal eine Kochbox aussetzen, wenn es gerade eh nichts gutes gibt. Kein technisches Spielzeug – und keine DVDs! – für uns beide mehr kaufen. Solche Sachen eben, bis wir wieder in einer Situation sind, in der ich nicht am Ende des Monats überlegen muss, schon wieder einen Teil vom Sparkonto auf meines zu schieben, nur damit wir was zum Essen bezahlen können.

Raus da

Bestimmt gäbe es andere Möglichkeiten für uns. Ich könnte das Schnabeltier früher als gewünscht in einer Kita anmelden und doch Teilzeit arbeiten gehen. Ich könnte mich besser mit den ganzen Anträgen, die es so gibt auseinander setzen und überlegen, wo ich denn besser noch Hilfen beantragen kann. Aber das will ich nicht. Aktuell geht es uns ja noch gut genug, dass mein Gemecker eben nur Gemecker ist. Wir kommen zurecht miteinander. Und Kitaplätze sind bei uns im Ort so rar wie überall anders aktuell eben auch.

Zumal ich ja nach meiner Elternzeit höchstwahrscheinlich sowieso in Teilzeit arbeiten gehen werde. Eine 45-Stunden Woche mit Kind zu Hause (aka in der Kita) will ich mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen. Also wird auch in Zukunft das Geld immer irgendwie knapper sein, als vor der Geburt. Das war aber von Anfang an klar. Wir zwei werden uns da schon durchbeißen. Und wenn es sein muss, werde ich schauen, dass ich für die restlichen Monate etwas finde, dass ich am Wochenende machen kann, um auch ein bisschen Geld zu verdienen. Dann muss halt der Papa auf den Kleinen aufpassen. Die beiden können ja gut miteinander.

Wir packen das alles. Krümlgemecker over.…

Klack Klack

Das ist dieses typische Geräusch von Absatzschuhen. Ein Geräusch, dass meine Ohren sehr selten Dauerhaft zu hören bekommen. Das ist das Geräusch, dass ich mit schick gemachten Weibern oder Karrierefrauen in Verbindung bringen würde. Dieses Geräusch klingt energisch, es klingt zielstrebig, es klingt schick!

Als Freund von Turnschuhen ist das alles, nur nicht mein Alltagsgeräusch. Flache Sohlen waren und sind immer mein Lieblingskleidungsstück. Zusammen mit irgendeinem Shirt und irgendeiner Hose, die ich halt gerade aus dem Kleiderschrank ziehen kann.

Klack Klack Klack Klack

Das alles sind Gedanken, die mir im Kopf herum schweben, während ich Nachmittags aus dem Haus verschwinde. Mann und Kind lasse ich hinter mir. Nur dieses eine Geräusch begleitet mich auf meinem Weg zum S-Bahnhof. Dieses eine Geräusch, dass doch eigentlich nicht zu mir gehört. Ob man mir das wohl ansieht, frage ich mich. Ob man mir ansieht, dass ich eine Mama bin, die gerade ihr Kind allein bei seinem Vater gelassen hat, um mal raus zu gehen?

Klack Klack

Als wäre es ein Verbrechen, selbst mal raus zu gehen. Neulich war mein Mann drei Abende in der Woche unterwegs. Mal beim Sport, mal auf einem Spielmacherfestival, mal mit Freunden Pen&Paper spielen. Alles Aktivitäten, die ich auch gerne gemacht hätte, von denen mich das Kind allerdings abhält. Einer muss ja zu Hause bleiben und aufpassen. Und ich hab ja noch anderen Sport als Volleyball, mein Mann sollte sich auch mal bewegen. Das Spielemachen interessiert mich nur nebenher, ohne ihn würde ich da gar nicht hingehen. Und das waren eben seine Freunde beim Pen & Paper.

Dafür habe ich jetzt diesen Abend für mich! Quasi. Irgendwie. Ein Freund hat halt zum Geburtstag geladen. Theoretisch auch uns beide, aber einer muss ja beim Kind bleiben. Also darf ich raus, ins Freie! Seltsam, als wäre ich mit Kind eingesperrt und nur ein Zootier.

Klack, Klack, Klack

Zootier ist wohl das falsche Wort. Ein Zootier ist hinter Gittern, immer am selben Ort und wird den ganzen Tag angestarrt. Ich bin frei mich zu bewegen, kann überall hin, wo ich will – solang ich es schaffe einen Kinderwagen oder Buggy dort hin zu bringen. Am Einfachsten den unterschied zu jetzt zu unterscheiden ist eben dieses eine Geräusch, das sich immer und immer wieder wiederholt, als ich an der nächsten S-Bahn-Station aussteige und mich in Richtung Tram bewege.

Ich bin kein Freund von hohen Schuhen im Alltag, auch wenn sie noch so gut aussehen. Ich kann damit nicht viel laufen, ohne dass mir die Füße weh tun, ich bin froh, wenn ich drauf stehen kann. Wieso sollte ich versuchen auf Absätzen zu balancieren, während ich mein Schnabeltier durch die Gegend schleppe? Für andere Frauen mögen diese Fragen eigentlich anders beantwortet werden, aber ich sehe den Grund nicht, mich hübsch zu machen, wenn ich eigentlich gerade im Kinderbetreuungsmodus bin.

Klack, Klack!

Deswegen ist dieser Abend für mich eben so etwas besonderes. Ich habe mal versucht mich ein bisschen schick zu machen. Zusammenpassende Klamotten, ein bisschen geschminkt, und eben diese hohen Schuhe. Seltsam, was für Assoziationen durch meinen Kopf laufen, während ich so durch Berlins Straßen stöckel.

Ja verdammt, es ist nur ein Geburtstag von einem Freund. Wir sitzen zu einer Hand voll Leuten in seiner Wohnung, essen und quatschen. Ich kenne beinahe niemanden von den Leuten, die hier sind. Und dennoch, ich hatte meinen Spaß. Ich habe ein paar Stunden lang einfach mal das Mamaverantwortlichsein abgeben dürfen. Trotzden habe ich an mein Kind gedacht und von ihm geschwärmt.

Ich konnte aber auch an so vieles Anderes denken. Geburtstage, alte Zeiten, gemeinsame Freunde, Museenbesuche, Kunst, Katzen, Essen. Ich hab die Zeit vergessen und musste viel zu früh wieder weg, als mein Mann verzweifelt nach Hilfe rief.

Klack Klack, den ganzen Weg durch Berlins leere Straßen und volle U-Bahnen zurück nach Hause. Zurück in den Alltag, zurück in das Chaos. Die hohen Schuhe wieder zurück in die Ecke, aus der ich sie gezogen habe. Für dieses Jahr hat es sich ausgeklackt. Und ich freue mich auch schon wieder auf das Kind, denn irgendwie bin ich von ihm ebenso abhängig wie er von mir.

Tropf, Tropf….…