Mehr schreiben

Rein theoretisch würde ich gerne mehr. Mich mehr einbringen, mehr im Blog schreiben, meinen Blog irgendwie bekannter machen, mich vernetzen, mehr Kommentare unter anderen Blogs schreiben. Irgendwie sowas halt. Aber ganz ehrlich: Schaff ich aktuell nicht.

Ich habe mein online-Leben im letzten Jahr ärger eingeschränkt, als ich es gedacht hätte. Gut, während der Schwangerschaft ging noch alles, aber seitdem wird es immer weniger. In des Schnabeltieres ersten Monaten hat er noch so viel geschlafen, da konnte ich noch dies oder das oder jenes. Eine Freundin hatte mich mal gefragt, ob ich überhaupt Fotos von ihm habe, bei denen er die Augen offen hat – war tatsächlich schwer.

Inzwischen hat sich sein Schlafverhalten auf neue „Tiefpunkte“ eingepegelt. Einmal Vormittags und einmal Nachmittags. Und wenn ich nicht bei ihm im Bett liegen bleibe, dann wacht er nach einer halben Stunde wieder auf, ist quengelig und will aber auch beim besten Willen nicht einschlafen. Klar KÖNNTE ich in der Zeit viele viele Beiträge mit meinem Handy schreiben aber mal ehrlich: der letzte Blogeintrag war übers Handy geschrieben und hat mich einiges an Nerven gekostet. Ich hasse Handytastaturen!

Freizeit? Kennichnich

Also bleibt mir die Zeit, in der er im Bett ist für mich. Also so ab 20 ~21 Uhr etwa. In der ich meinen PC anmachen kann, einmal quer lesen, was auf meinen Lieblingsblogs so los ist und bestenfalls eine kurze Runde spielen kann. Um dann auch schon festzustellen, dass es 22 Uhr ist, mein Mann langsam ins Bett geht, weil er morgens früh raus muss, ich eigentlich auch schon K.O. bin und dann auch direkt wieder ausmache und ebenfalls ins Bettchen falle.

Aktuell kann ich nicht einmal mehr Serien durchsuchten, was ich bis vor kurzem Tagsüber gemacht habe, weil das Schnabeltier eben auf meinem Arm geschlafen oder sich anderweitig in der Wohnung beschäftigt hat. Neben dem hinterherräumen/kochen/reglos auf dem Sofa sitzen ging halt doch ein bisschen Serienmaterial den Bach flöten. Nun ist auch das Schnabeltier gewachsen und zeigt zunehmend Interesse an dem, was sich da auf dem Fernseher abspielt. Muss ich nicht haben. Also bleibt der auch aus. Man soll ja eh nicht den ganzen Tag vor der Flimmerkiste hocken. Mit uns als Eltern wird der Kleine früh genug die Faszination von Computern kennen lernen, fürchte ich.

Also, was ich sagen wollte: Ich will mehr schreiben hier, und das werde ich auch irgendwann tun. Gerade das Thema „Namensgebung“ habe ich ganz groß und dick auf dem Schirm. Irgendwann wollte ich auch noch meine Erinnerungen an die Geburt herunterschreiben. Ist geplant, ich weiß nur nicht genau, wann ich dazu komme. Nur um das mal gesagt zu haben.

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Das wars also mit 2016

Das wars also mit 2016

Das war es also, dieses seltsame Jahr 2016. Das Jahr, von dem es im Internet heißt, dass es das schlimmste überhaupt war (oder so ähnlich), weil unheimlich viele Stars unserer Generation gestorben sind. Um ehrlich zu sein: Wirklich beroffen haben mich von „all den vielen Menschen“ genau drei Stück. Bud Spencer, mit dessen Filmen ich quasi groß geworden bin. Alan Rickman, der einen wunderbaren Professor Snape und Metatron gespielt hat und Carrie Fisher, die ich, wie wahrscheinlich die meisten Menschen, als Prinzessin Leia kenne.

Vielleicht klinge ich ein bisschen arrogant, wenn ich nur diese drei benenne und auch nur diese Rollen aufzähle. Ich war noch nie gut im Fangirlen und Betroffenheit heischen, wenn doch eigentlich gar keine da ist. Und meine Betroffenheit hält sich in Grenzen, wenn Menschen sterben, die ich nicht kenne. Ja, ich mag den Tod im allgemeinen auch nicht und mir tut es natürlich um die Menschen und deren Familien leid. Aber dieses allgemeine „Oh nein, wieso nur ausgerechnet diese Person?!“ stellt sich bei mir nicht wirklich ein.

Mein eigenes, kleine Schnabeltier

Mein persönliches 2016 hatte seine Hochs und Tiefs. Ich hatte Schmerzen, ich hatte die heftigsten Glücksgefühle meines Lebens. So sehr geweint wie dieses Jahr habe ich sonst nicht, so starke Hormonschwankungen hatte ich niemals. Kurzum: Ich habe ein Kind bekommen. Mein erstes Kind. Das Schnabeltier kam im ersten Jahresviertel und ist inzwischen so groß und so aktiv geworden, dass ich ihn beinahe nicht wiedererkenne, wenn ich „alte“ Fotos von ihm sehe.

Je nachdem, wen man fragt sieht er sowieso entweder aus wie mein großer Bruder in dem alter, oder wie mein Mann in dem Alter. Ich habe auch schon Leute sagen hören, dass er mir ähnlich sehen würde, aber ich erkenne nur meine Füße an ihm wieder. Aber er ist ein tolles Kind das mich bereits so oft an meine Grenzen gebracht hat, und dennoch sind wir jetzt hier und glücklich miteinander.

Überhaupt meine Männer. Wenn mir vor 6 Jahren, also 2011 jemand gesagt hätte, dass ich  jetzt, diese 6 Jahre später in Brandenburg sitzen würde, verheiratet und mit Kind auf dem Schoß, dem hätte mein damals abimachendes Ich wohl gehörig den Vogel gezeigt.

Ein Kampf dem Gewicht

Während der Schwangerschaft fiel es mir übrigens unheimlich schwer, mich zusammen zu reißen, was Essen angeht. Kein Wunder also, dass ich viel zu viel zugenommen hatte. Wirklich frustriert hatte mich allerdings, dass ich auch 6 Monate später immer noch mit diesen Schwangerschaftsjeans durch die Gegend gerannt bin. Da musste doch was besser gehen.

Irgendwie bin ich dann auf das Buch Fettlogik überwinden gestoßen. Eine Weile lang bin ich nur neugierig darum herum geschlichen. Irgendwann war es mir dann zu viel und ich habe es mir einfach im hiesigen Buchladen gekauft. Ein bisschen länger hat es dann gedauert, bis ich dazu gekommen bin, es zu lesen. Auf der Rückreise unseres Bayernurlaubs lag es allerdings in meiner Tasche, und solange das Schnabeltier schlief konnte ich lesen. Sagte ich lesen? Verschlingen!

Kaum war ich zu Hause angekommen wollte ich unbedingt das, was ich jetzt verinnerlicht hatte umsetzen. Ich stellte die Art und Menge meiner Lebensmittelaufnahme um. Beobachtete mein Essverhalten, schrieb auf was und wie viel ich zu mir nahm. Und am wichtigsten: Ich stieg auf die Waage. Fluchend und Schimpfend, aber ich bin drauf gegangen, habe mir aufgeschrieben wo ich stand, bin runter gegangen und habe mich diszipliniert.

Es war verdammt schwer. Aber irgendwie habe ich es geschafft, bis zum Jahresende 15kg loszuwerden. Und das in einer Zeit, in die diverse Geburtstage und die Weihnachtszeit fallen. Ich bin unendlich stolz auf mich, verdrücke meinen letzten Schokoweihnachtsmann und werde morgen wieder ganz brav von vorne Beginnen. Jetzt, da die Schwangerschaftspfunde weg sind, bin ich gespannt, wie mein Ich im Normalgewicht sein wird. Das sind auch nochmal mindestens so viel wie bereits verloren, aber jetzt habe ich ja den Dreh raus.

Also dann:

Liebes 2016, ich mochte dich. Dennoch sagte ich hiermit „Auf Wiedersehen“

Liebes 2017, ich freue mich dich kennen lernen zu dürfen. Wir werden sehen, wie wir uns verstehen.

PS: Das Beitragsbild wurde von der wundervollen Katja Scherle – Festtagsfotografien geschossen, die bereits unsere Hochzeitsbilder gemacht hat. Sollte jemand darüber nachdenken zu heiraten und schöne Bilder zu machen: Sie ist ihr Geld wert. Immer!…

Heimat

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Ich glaube einer der größten Vorwürfe, den ich meinen Eltern gemacht habe, als ich ein Kind/Jugendlicher war, war, dass wir umgezogen sind. Nicht in die nächste Straße oder das nächste Dorf, sondern weg. Weit weg. 320 Kilometer Luftlinie um genau zu sein. Ich habe den Ort geliebt, an dem wir gewohnt haben, und dann mussten wir einfach weg.

Infolgedessen habe ich mich lange Zeit nicht gefühlt, als hätte ich ein Zuhause. Klar, ich habe gewohnt, wo wir hingezogen sind, es war auch rein objektiv gesehen besser für mich. Aber heimisch habe ich mich dort nie gefühlt. Ich glaube, das hier ist das erste Mal, dass ich das wirklich zugebe, aber irgendwann muss man ja mal Anfangen.

Infolge dieses Nicht-Zuhause-fühlens bin ich auch weg von dort, sobald ich mein Abitur geschafft und eine Ausbildung gefunden hatte. Nur weg. Nicht zurück in die Heimat, denn dort fühlte ich mich auch schon nicht mehr zu Hause, sondern noch weiter weg. Meine Mutter erzählt immer, dass ich gesagt habe, dass es dort, wo wir gewohnt hatten keine Jungs gäbe. Vielleicht habe ich das auch erzählt, ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern. Aber wenn ich jetzt darauf zurück blicke, ist die Wahrheit, dass ich die Umgebung nicht mochte, die Orte nicht. Nur die Menschen – meine Familie und eine Hand voll Freunde, die ich immer noch liebend gerne besuche.

Ich sehe dich an und bin Zuhause. – Dorie (findet Nemo)

Jetzt sind mehr als 5 Jahre vergangen, dass ich von meiner Familie weggezogen bin, grob geschätzt 12, als wir aus unserer ursprünglichen Idylle weg sind und ich kann sagen: Ich habe eine Heimat gefunden. Eigentlich zwei. Und manchmal könnte ich heulen, weil ich sie nicht guten Gewissens miteinander vereinen kann.

Auf der einen Seite ist da der Ort, an dem ich jetzt lebe, und dabei bin mir meine eigene, kleine Familie aufzubauen.
Nein, eigentlich ist das falsch. Eigentlich ist das der Ort, an dem mein Mann ist. Weil ich mit ihm einen Menschen gefunden habe, bei dem ich mich wohl fühle. Bei dem ich ich sein kann, mit all den Macken, all den Problemen und all dem Chaos, das mich ausmacht. Ausnahmslos. Und dieses Gefühl, diese Sicherheit ist mehr wert, als alles andere auf der Welt. Das ist Heimat für mich.

Insofern ist auch Heimat für mich, wenn wir zurück kommen. Zurück zu meiner Mutter, oder gleich ganz zurück, an den Ursprungsort. Zurück zu meinen Wurzeln, quasi. Denn auch da ist Familie, die sich freut einen zu sehen und für mich da ist, wenn ich sie brauche. Und anders als in Hessen, wo wir hingezogen sind, ist hier so viel mehr, an das ich mich mit einer ordentlichen Portion Nostalie zurück erinnere. Hier steht das Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Der Fluss, in dem wir im Sommer gebadet haben. Die Wälder, durch die ich gezogen bin und mir meine Fantasiewelt aufgebaut habe. Die Kuhwiesen, über die wir gestreunt sind.
Das Bild, das diesen Post ziert, vereint all das irgendwie. Meine Mutter, die meinen Sohn im Arm hat vor dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, geschossen von genau der Stelle aus, an der früher mal unsere Spielburg stand. So. Viele. Gefühle.

Und wenn ich sage, dass ich diese beiden Zuhauses nicht vereinen kann, dann meine ich das so. Denn ich selbst weiß, wie weh es tut, wenn man all das, was man kennt und was einen lieb und teuer ist, zurück lässt. Und genau das will und kann ich meinem Mann, der hier in Berlin seine Familie, Freunde und Arbeit hat, nicht antun. Nicht mit gutem Gewissen.

Deswegen habe ich zwei und mehr Heimaten, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich zu der zurückkehren kann, die ich verlassen habe. Ich freue mich, wenn ich meine Mutter besuchen kann. Und ich freue mich, wieder zurück nach Hause zu meinem Mann zu kommen. Ich freue mich zurück zu meinen Wurzeln zu fahren, dort mit meiner Familie meine Familie zu besuchen (so doof das auch klingen mag). Und ich freue mich, wieder nach Hause zu kommen, in unser Dörfchen in Brandenburg, weil ich weiß, dass mein Mann sich viel wohler fühlt, wenn er seinen Computer, sein schnelles Internet und seine Ruhe hat.

Was genau ich hiermit sagen will, kann ich gar nicht genau zusammenfassen. Ich hoffe, dass ich für das Schnabeltier so eine tolle Familie sein kann, wie meine es für mich ist. Und ich hoffe, dass er sich beim aufwachsen auch gerne an die Orte zurück erinnert, an denen er gewohnt hat. Dass er nicht so weit weg ziehen muss, um seine Heimat zu finden.…