Planlose Urlaubsplanung

Wenn ich etwas kann, dann chaotisch sein. Wie gut ich darin bin, wollte ich einmal in meinem Leben anhand des Themas Urlaub aufschreiben. Nur, damit hinterher niemand sagt, ich hätte ihn nicht gewarnt, sollte er jemals mit mir unterwegs sein.

Phase 1: Irgendwann davor

Wir sind irgendwann vor Sommer 2017. Das Schnabeltier ist gerade mal ein Jahr alt, das süßeste Kleinkind der Welt (sowieso), und es ist warmgewittrig. Ich weiß, dass am Ende des Jahres mein Mann seinen 30ten Geburtstag feiern will und beschließe, ihm einen Urlaub zu schenken. Ins Legoland nach Dänemark. Inklusive eben ein paar Tage drum rum. Im Reisebüro hole ich mir einen Katalog mit Ferienhäusern und bin direkt restlos überfordert. Wo will ich genau hin? Was brauchen will? Macht es vielleicht mehr Sinn, noch mehr Menschen mitzunehmen, die Ferienhäuser sind alle so groß. AAAAH.
Aber ich habe ja noch Zeit zum drüber nachdenken.

Phase 2: Also dann doch nicht

Das gleiche Jahr, nur eben im Oktober. Irgendwie habe ich noch keine großen Pläne geschmiedet, mein Mann weiß zwar bescheid und denkt ein bisschen mit. Allerdings Weiß ich noch gar nicht, wie ich Urlaub bekommen kann, wenn ich ab nächstem Jahr wieder arbeiten werde. Wir hatten mit meinem Bruder und seiner Frau drüber philosophiert, ob sie nicht mit uns kommen wollen würden – Interesse bestand. Allerdings wurde dann sie schwanger, ein Sommerurlaub mit frisch geborenem Baby hätte nicht wirklich sein müssen.

Ende des Monats habe dann auch ich von meiner Schwangerschaft erfahren. Also war ich eigentlich ganz froh, nichts festes reserviert zu haben – immerhin. Sommerurlaub mit frisch geborenem Baby…ach nein, das hatten wir schon. Also kein Sommerurlaub. Auch okay.

Phase 3: MIR IST ZU WARM, ICH WILL MEER!

Beim machen der Steuererklärung im Winter/Frühjahr diesen Jahres wurde mir klar, dass wir dieses Jahr ein bisschen Geld wieder bekommen würden. Geld, dass wir nicht komplett in Babyzeit investieren müssten. Außerdem bin ich genervt vom Immer-zu-Hause-sein und dem guten Wetter. Ich mag schwimmen, ich mag weg, ich mag nicht „nur“ Oma oder Freunde besuchen fahren, ich will raus.

Okay, Legoland fällt flach, denn entweder mit Baby oder -Bauch habe ich da keinen Spaß dran. Und auch das Schnabeltier ist noch nicht alt genug, um einen Freizeitpark zu genießen. Das verschieben wir also sowieso auf später. Aber was machen wir, was nicht allzu teuer ist, was ein bisschen Spaß und Abenteuer für den Mini beherbergt? Meine Wahl fiel auf Camping. Als Kind war meine Familie regelmäßig an diversen Campingplätzen. Erst auf den Luxus-Eurocamp-Varianten, später dann jährlich in Kroatien. Weil wir allerdings noch keine Ausrüstung haben – und kein Auto, um geliehene zu transportieren – habe ich mich dann mal über Eurocampingplätze schlau gemacht, mir ein paar heraus gesucht, die uns gefallen hätten und – gewartet. Ohne das Geld in der Hand zu haben, wollte ich nämlich nichts reservieren oder gar buchen!

Phase 4: Warum eigentlich Mittelmeer?

Okay, die Frage ist leicht zu beantworten. Ich hätte vor gehabt, in zwei Steps zu reisen. Einmal von Berlin nach München, um meine Familie zu besuchen, deren Weihnachtsbesuch im letzten Jahr ausgefallen war. Von da aus sollte es dann am nächsten Tag per Nachtzug weitergehen nach Italien – irgendwie in Richtung Venedig. Ein paar tolle Plätze hätte es da gegeben, der Nachtzug wäre nicht allzu teuer geworden, und ein Auto hätte man sich auch reservieren können.

Allerdings gab es durch einen spontanen Ringelrötel-Fall in der Kita ein paar Tage, in denen ich mich und das Schnabeltier beschäftigen musste, wodurch wir einfach mal nach Bayern losgedüst sind, und meine Familie besucht haben. Also, zumindest die Teile, die nicht selbst im Urlaub steckten (verdammt, meine Spontanität wieder….). Also müssten wir gar nicht „da unten“ lang, um eventuell wohin zu kommen. Für mich stand und steht immer Meer auf dem Programm. Meer bedeutet für mich sehr, sehr viel.

Aber auch Deutschland hat ja bekanntlich das eine oder andere Meer zu bieten. Also die Fühler wieder in den Norden ausgestreckt. Nord- oder Ostsee? Nordsee verschwindet, also Ostsee. Und Campen. Wo und wie findet man denn schöne Campingplätze? Internet befragt, Menschen befragt, ein großes Fragezeichen auf dem Kopf gehabt.

Nun ist es nicht so, dass ich per se etwas gegen das campen mit Zelt habe. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich irgendwo in der 30+ten Schwangerschaftswoche sein würde, sollte zelten dieses mal definitiv keine Option sein. Also ein Wohnmobil leihen. Hier oder vor Ort direkt. FUCK IST DAS TEUER.

Phase 5: Pfffffffffft

Warum habe ich mich eigentlich aufs campen versteift? Ich wollte ja etwas, das dem Kleinkind Bewegungsfreiraum gibt. Kontakt zu anderen Kindern. Anderen Welten. Abenteuer, mit seinen 2 Jahren. Das muss ja nicht zwingend in einem Zelt sein. Er liebt doch Tiere. Wie wäre es mit einem Urlaub auf dem Bauernhof?

Okay, Google angeschmissen, nach Bauernhöfen an der Ostsee gesucht. Eine Hand voll für toll befunden. Alle angeschrieben. Zwei von den fünfen haben geantwortet. Miese Quote meiner Meinung nach, zumal von einem der Höfe eine Automatische „Ihre E-Mail ist bei uns angekommen und wir melden uns bald bei Ihnen“-Nachricht kam. Egal. Zwei Antworten hatten wir, eine davon von meinem Favorithof. Nach ein bisschen hin und her haben wir festgestellt, dass im gewünschten Zeitraum keine Ferienwohnung, dafür das -haus frei sei. Ein bisschen teurer, aber für uns dennoch machbar. Die Zahlung vom Finanzamt war inzwischen angekommen, also habe ich zugesagt. Um mal zu zeigen wie spontan es inzwischen war: Die Papiere kamen am Dienstag, am Mittwoch habe ich sie zurück geschickt und am Samstag sind wir losgefahren. Um das Leihauto hatte sich glücklicherweise mein Mann gekümmert. Zumindest ab dem Moment, in dem ich gesagt habe „Wir fahren dann und dann nach Schleswig Holstein, kümmer dich um das Gefährt!“

Tjoar, und dann sind wir halt am Samstag los gedüst und haben Urlaub gemacht. Aber mal ehrlich: Bin ich die Einzige, bei der das so ein chaotisches Hin und Her ist? Ich hab echt Respekt vor den Menschen, die Jahre im Voraus wissen, wo sie hinfahren werden. Wie verbringen andere Familien ihren Urlaub mit Kleinkindern? Gibts Tipps? Und wollt ihr wissen, wo wir waren und wie es war? Ich bin neugierig. Lasst mal hören!…

Irland 3 – (Kinder)Ärzte und ein bisschen Shopping

Irland 3 – (Kinder)Ärzte und ein bisschen Shopping

Die folgende Nacht sollte anstrengend sein. In dieser Nacht wurde das mit dem Atmen für das Schnabeltier wirklich schwer. Nicht nur, dass er dabei seltsame Geräusche gemacht hat – anscheinend hat es auch noch weh getan, und wenn er zu tief eingeatmet hat, gab es da einen Punkt, an dem er kaum noch Luft bekommen hatte. Irgendwo hatte er die Kraft her, sich seine Angst aus der Seele zu schreien und hörte auch nicht auf, bis ich mit ihm im Arm draußen in der kalten, irischen Nachtluft stand. Eine Idee – ein Erfahrungswert meiner Mutter. Draußen an der Luft konnte er sich zu Glück wieder beruhigen und in meinem Arm wieder einschlafen.

Dennoch war die Laune am nächsten morgen etwas angespannt. Wir waren hier im Urlaub, wollten Dinge sehen, und das Kind wird krank. Und ich Vollidiotin hatte beim packen nicht nur seinen Pass, sondern auch seine Krankenkassenkarte daheim liegen lassen. Juhuu. Da wir aber ausschließen wollten, dass er etwas übles bekommen hat, haben wir einen Arzt gesucht. Zum Glück gab es in fußläufiger Entfernung ein Ärztehaus mit gleich zwei Praxen und insgesamt ich weiß nicht wie vielen Ärzten. Ohne Termin sind wir hin, wurden aber erst einmal lieb und nett in die jeweils andere Praxis verwiesen, weil man aktuell schon voll sei.

Dennoch wurde uns Hilfe angeboten, entweder wir würden warten, bis etwas frei wäre, oder wir könnten nach der Mittagszeit noch einmal wieder kommen. Entschlossen haben wir uns dann für die zweite Variante, sind noch einmal kurz Einkaufen und zurück ins Ferienhaus – wenn ich an dieser Stelle von „uns“ rede, dann meine ich meinen Mann, meine Mutter und mich. Meine kleine Schwester ist mit ihrem Freund – beide ebenfalls gesundheitlich angeschlagen – im Haus geblieben um sich ein bisschen zu schonen.

A Propos Freund: Ich finde die Bezeichnung „der Freund meiner kleinen Schwester“ zu lange und werde ihn ab sofort nur noch als „meinen Admin“ bezeichnen, weil er das Herzchen ist, das mir diesen wunderschönen Blog und die Domain ermöglicht hat und verwaltet! Und irgendwann wird er auch noch dafür sorgen, dass die Beitragsbilder immer zu sehen sind, und nicht nur auf der Startseite des Blogs. Aber der kleine Seitenhieb nur am Rande 😉

Gegen Mittag sind wir also zurück in die Praxis gegangen und haben noch einmal an der Anmeldung unser Problem geschildert. Als Deutsche sind wir es gewohnt, dass man – gerade ohne Termin – stundenlang im Wartezimmer sitzen darf. Nicht so in Irland. Ich würde es auf zehn Minuten, eine viertel Stunde höchstens, schätzen, bis wir aufgerufen wurden. Wahnsinn! Drinnen wurden wir von einem netten, relativ jungem Arzt begrüßt, der sich unsere Geschichte anhörte, ein bisschen mit dem Schnabeltier schäkerte und ihn untersuchte.

So genau sagen, was das Kind hatte konnte er nicht, verschrieb uns dennoch ein Antibiotika. Wenn wir länger in der Gegend wären, so meinte er, würde er es lassen und ihn einfach täglich zur Kontrolle anschauen, wie sein Zustand sich veränderte, aber da wir ja nur Urlaub machten, haben wir da relativ wenig handhabe gehabt. Mit einem Rezept in der Hand wurden wir also wieder entlassen und durften für die Untersuchung 60 Euro bezahlen – irgendwie habe ich mit mehr gerechnet. Vielleicht bin ich zu sehr von den Horrorgeschichten der amerikanischen Gesundheitsversorgung geschädigt.

In der Apotheke wurde uns der Saft direkt zusammengemischt, eine Spritze zum Abmessen dazu gelegt, erklärt, dass wir den Saft im Kühlschrank aufzubewahren hatten und alles gute Gewünscht. Wieder zurück im Ferienhaus gab es dann ein bisschen Diskussionen, ob wir das Zeug jetzt geben sollten oder nicht. Ein Antibiotika geben ohne genau zu wissen, was das Kind hat, klingt irgendwie falsch. Antibiotika müssen ja auch durchgenommen werden – in unserem Fall eine Woche, drei mal täglich. Mein Mann schloss das Gerede dann mit dem Argument „Wenn mir ein Arzt schon was verschreibt, dann gehe ich davon aus, dass ich was habe und nehme das auch!“ ab.

Weil der Tag nun schon relativ weit fortgeschritten war, und das Kind wie gesagt krank, haben die jüngeren in der Runde geschlossen dafür gestimmt, einen Killarney-Tag einzulegen. Wir wollten uns die Läden und die Stadt ein bisschen ansehen. Meiner Mutter war das allerdings nicht, sie wollte noch ein bisschen Land sehen. Verstehe ich sehr gut. Also hat sie sich das Auto genommen und ist los gedüst, wir sind mit dem Buggy los.

Gelandet sind wir zuerst in Souvenir-Shops, die so viel liebevoller sind, als ähnliche in Berlin. Vollgestopft mit viel Schwachsinn und tollen Sachen, die man einfach irgendwie kaufen muss. In unserem Fall sind diverse Tassen im Einkaufswagen gelandet, eine Mütze für meinen Mann und Fudge. Letzteres hatte ich bei meinem Dublin-Trip vor einigen Jahren schon kennen gelernt und mich verliebt – vor allem in die frisch gemachte Version. Im Laden gab es natürlich nur abgepacktes, aber dafür in zig Geschmacksrichtungen, wovon wir natürlich für alle möglichen Leute etwas einpacken mussten. Ich bin ein bisschen neidisch, dass wir nichts für uns eingepackt haben. Irgendwas ist ja immer, oder?

Bei einem kleinem Juwelier mit vielem Schmuck mit keltischen Symbolen sind wir ebenfalls eingefallen. Meine kleine Schwester durfte sich von ihrem Freund einen Ring aussuchen. Ich habe auch die Augen nach etwas offen gehalten, womit ich meinen Hochzeitsring an Finger feststecken könnte – der rutscht durch die Abnahme inzwischen echt extrem. Bei einem Süßigkeitenladen mussten wir auch einkehren. Gefühlt haben wir uns wie im Honigtop von Harry Potter. Fragt mich nicht, was diese Läden alle an sich hatten, aber sie haben so etwas kleines, gemütliches, altes ausgestrahlt, dass ich mich in jedem davon irgendwie wohl gefühlt habe.

A Propos Läden: Auf unserem Weg durch die High Street – so heißt diese Touristenstraße – haben wir einen Laden gefunden, der so wahnsinnig toll war, dass er gesondert erzählt werden muss. Murphy‘s Ice Cream! Ein Laden, der einige, ausgewählte Sorten handgemachtes Eis anbietet. Das Eis ist schweineteuer, aber SO GUT! Ich habe in meinem Leben noch kein Eis gegessen, dass es mit Dingle Sea Salt oder Irish Coffee aufnehmen konnte. Salziges Eis, Eis Mit Whiskey, Eis mit Gin… die Sorten sind sehr überschaubar, aber alle SUPER! Das tollste daran war allerdings die tatsache, dass man jede Sorte vor der Entscheidung ausprobieren konnte. „Can I try …?“ und schon bekommt man ein kleines Holzstäbchen mit einem Bissen Eis in die Hand gedrückt. Das hat die Auswahl nur noch schwieriger gemacht. Alles, was ic probiert habe, hat echt gut geschmeckt. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum das Eis so teuer war. Aber die Verkäufer waren alle nett, und haben uns mit allem versorgt, was wir ausprobieren wollten, bis wir alle uns endgültig entschieden hatten. Insofern mein Tipp für zukünftige Irlandreisen: Sucht einen Murphy‘s. Schleckermäuler werden es nicht bereuen. Höchstens im Geldbeutel.

Abends haben wir uns dann alle wieder zusammen gefunden, und sind essen gegangen. Eigentlich wollten wir in einen Pub mit Livemusik, sind aber zu spät gewesen, und es gab keinen Platz mehr für uns. Auf dem Weg durch die Straßen sind wir dann auf einen Laden namens Macs gestoßen, der nicht so vollgestopft war, und auch wirklich einen Tisch für uns hatte. Die Speisekarte alleine zu lesen war schon böse – es sah alles echt gut aus. Von Gemüsesuppe, über Burger, Fish‘n‘Chips…es gab irgendwie alles. Und das haben wir auch gegessen: Alles! Ich habe mir sogar einen Cider gegönnt, weil ich mir Irland ohne Cider einfach nicht vorstellen wollte.

Wir waren schließlich die letzten in der Bar! Ups. Es war wirklich spät geworden. Ich habe mich gewundert, dass das Schnabeltier am Ende nicht schlafend auf dem Tisch lag. Auf dem Rückweg durch den Nieselregen wurde das Kind allerdings ein bisschen quengelig – vollkommen verständlich. Ich habe ihn dann auf den Rücken genommen und den Weg zurück als Pferdchen verbracht – so bekommt man Wege trotz Motzi ganz gut hin. Mein Mann nimmt ihn ja immer auf den Arm, aber ich kann ihn inzwischen nicht lange so tragen. Bei mir ists also der Rücken – und das Schnabeltier liebt es! Vor allem seit er herausgefunden hat, wie man die Mama antreibt ein bisschen schneller zu hüpfen.

Noch ein Wort zum Nieselregen: Nicht einmal das war er. Wir hatten eigentlich das Gefühl, durch groben Nebel zu laufen. Für Nieselregen zu fein, für Nebel zu groß waren die Tropfen. Sie haben einen ganz sanften, feuchten Film auf der Haut hinterlassen, und obwohl man nass wurde, hat man das nicht wirklich wahrgenommen. Regen, der quasi nur Wasser in der Luft war.

Fast 32.000 Zeichen umfasst mein Irlandbericht inzwischen – Respekt fürs nachlesen bisher! Keine Angst, sehr viel mehr wird es nicht mehr – einen und einen halben Tag haben wir noch rum zu bringen, dann sind wir auch schon wieder in Deutschland angekommen – Gedanklich wie körperlich. Man liest sich also beim nächsten Mal. Bis dann!…

Irland 2 – Wasserfälle – Häuser – Iren

Irland 2 – Wasserfälle – Häuser – Iren

Der nächste Tag sollte sehr entspannt beginnen. Im Zimmer unter uns hatte meine Mutter gehört, dass das Schnabeltier wach war. Die Akustik in irischen Häusern ist nicht für Menschen gedacht, die komplette Ruhe brauchen. Wenn man im Wohnzimmer saß, dann kann man die leiseste Bewegung in den oberen Zimmern hören, weil der Boden – also die Decke – unglaublich knarzt. Und das Haus, in dem wir waren war ziemlich neu! Daran hat es also nicht gelegen. Laut meiner kleinen Schwester ist das in allen irischen Häusern so. Meine Mutter ist also nach oben gekommen, schnappte sich das Schnabeltier aus dem Bett, sodass mein Mann und ich noch ein bisschen schlafen könnten.

An diesem Morgen war das Fieber weg, dafür hatte sich ein seltsames Geräusch in seinen Atem hinein geschlichen. Wenn er beim Jammern einatmete klang das wie ein ganz gemeines Bellen. Da er allerdings nicht viel jammerte, haben wir uns in der Hinsicht nicht viele Sorgen gemacht. Nach einem späääätem, langem Frühstück hat sich das Kind dann erst einmal wieder zum schlafen hingelegt. Die Zeit haben wir genutzt ein paar Flyer durchzuschauen, zu lesen, erste Blogeinträge zu schreiben.

Wasserfall

Als der kleine dann wieder wach war, haben wir uns alle zusammen gepackt und ins Auto geschmissen, denn unsere erste Station stand an: Der Torc Waterfall im Killarney National Park. Das ist ein Wasserfall am Fuß eines Berges…ach wisst ihr was. Lest den Wikipedia-Artikel dazu, wenns euch interessiert. Mehr als das kann ich eh nicht schreiben.

Wir hatten auf jeden Fall Glück mit unserer Familienkutsche einen Parkplatz zu finden und sind einfach mal den ganzen anderen Touristengruppen langsam in Richtung Wasserfall gefolgt. Es gibt da eben einen Weg nach oben, der am Wasser entlang führt. Quer durch einen Wald, der so unglaublich grün ist, dass man beinahe vor lauter „ICH BIN IN IRLAND!!“ erschlagen wird. Unterwegs haben wir schon gaanz viele Fotos gemacht. Vor allem mein Mann war super gut darin Fotos ohne andere Foto machende Menschen zu schießen. Ich habe mich dann auf Fotos mit Schnabeltier oder fotografierendem Mann konzentriert. Irgendeiner von uns muss ja den Touristenkram machen.

Der Wasserfall selbst ist … wunderschön. Und laut. Und ebenfalls voller Touristen. Von dort aus gibt es eine Treppe den Berg weiter hoch den…ich höhenangstbedingt nicht gegangen bin. Die anderen sind den Berg hoch gestiefelt und haben wunderschöne Fotos von der Aussicht mitgebracht, ich habe mich am Wasserfall unten damit beschäftigt andere Menschen zu beobachten, und Fotos zu machen. Eine Familie hatte mich sogar gebeten, Fotos von ihnen vor dem Wasserfall zu machen, also kein Ding. Nachdem nach einer Weile immer noch keiner aus meiner Gruppe da war, beschloss ich mich doch ein paar Stufen die Treppe hoch zu quälen und wie der Zufall es wollte kamen sie mir dann da drauf entgegen. Yeah.

Auf dem Rückweg zum Auto haben wir dann noch in einem Stückchen Wald Pause gemacht, um Schnabeltierfotos zu machen. Und die sind so süß geworden, dass ich mich selbst dafür in den Po beißen könnte, dass ich keine Kinderfotos veröffentlichen will. Er ist so unheimlich niedlich. Allerdings wurde er in der Zeit auch langsam wieder quengelig, sodass wir unsere Pläne umwerfen mussten. Ursprünglich war geplant gewesen zu Fuß zur nächsten „Attraktion“ zu laufen, denn die 1-2 Kilometer fand keiner von uns wirklich anstrengend. Naja, bis auf das Schnabeltier eben. Also haben wir uns doch wieder ins Auto gesetzt und sind weiter gefahren.

Haus

Unser nächster Stop war das Muckross House, ein Herrenhaus aus dem Jahr 1839. Mit seiner riesengroßen Parkanlage gehört auch dieses zum National Park und war wie gesagt nicht allzu weit vom Wasserfall entfernt. Meine Mutter, kleine Schwester und der Freund meiner kleinen Schwester haben sich eine Führung durch das Haut angeschaut. Mein Mann, das Schnabeltier und ich sind in der Zeit selbstständig durch den Park gezogen.

Nur ein Teil des Hauses. Alles auf einmal fotografieren war unmöglich

Vor Ort (auch schon am Wasserfall) gibt es diverse Pferdekutschen, mit denen man sich durch die Gegend fahren lassen kann. Gerade im Park wurden wir diverse Male von den Kutschern angesprochen, ob wir uns nicht fahren lassen wollen würden. Sowas mag ich sowieso schon nicht unbedingt. Ein Blick auf die Pferde ließ mich innerlich dann wirklich NEIN brüllen. Die armen Tiere sahen so ungepflegt aus, das war schon nicht mehr schön.

Wer genau hinsieht kann sogar den Wasserfall an des Schnabeltieres rechter Hand finden
Ich habe vieeeele Blumen fotografiert

Außerdem kann man zu Fuß viel besser einfach stehen bleiben, Fotos machen und durch die Gegend klettern. Während wir unterwegs haben wir mehrmals unser Ziel angepasst. „Okay, wir gehen hier um die Ecke.“ „Oh, den See will ich von Nahem sehen.“ „Schau mal, da ist ein rot leuchtender Baum! Da will ich hin!“ Fotos machend sind wir dann durch die Gegend gezogen. Und gezogen. Und gezogen. Manchmal ist das Schnabeltier gelaufen, manchmal wurde er getragen, manchmal saß er im Buggy. Die Fotos sind auch hier toll geworden, wir hatten elendig viel Spaß, obwohl ich doch eigentlich ursprünglich die Führung mitmachen wollte. Aber die Umgebung war so toll, das hat mich sehr entschädigt.

Er wollte unbedingt selbst schieben

Wir haben es auch tatsächlich geschafft gleichzeitig mit dem Führungsende mit unserer Spaziergehrunde durch zu sein, haben unsere Gruppe wieder gefunden und sind erst einmal wieder zurück ins Ferienhaus gefahren. Abends hatten wir noch einen Termin, davor durfte allerdings das Schnabeltier noch einmal schlafen. Irgendwie waren wir alle vom Vortag (oder allgemein) ein bisschen angeschlagen, weswegen ich ebenfalls nur einfach rumgelegen habe, meine kleine Schwester samt Freund sich auch nochmal aufs Ohr gehauen haben.

Iren

Der letzte Termin des Tages – und unser Abendtermin – war ein Abendessen, zu dem wir von den Gasteltern meiner Schwester geladen wurden. Hab ich schon erwähnt, dass die Familie ungefähr zwei, drei Orte weiter wohnt? Also wirklich nah an unserem Feriendomizil. Dort angekommen wurden wir direkt sehr freundlich begrüßt, wunderten uns allerdings schon ein bisschen: der Tisch war für sechs Personen gedeckt: genau so viele Leute, wie wir waren.

Und ja, wir durften uns an den Tisch setzen und wurden mit Essen versorgt, während die Gasteltern neben uns saßen und … nichts aßen. Einfach nur saßen und sich mit uns unterhielten. Ein total seltsames Gefühl, obwohl meine kleine Schwester erklärte, dass deren Abendessenszeit sowieso immer früher sei. Und das Essen war wirklich gut. Es gab gemischtes Gemüse mit Kartoffelbrei, Gravysauce, und Fleisch. Da meine kleine Schwester mich als Vegetarier angemeldet hatte, bekam ich stattdessen einen Fisch vorgesetzt, was ich total lieb fand – aber nicht wirklich notwendig gewesen wäre.

Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte ich, weil das Schnabeltier sich seinen üblichen Essenspaß gemacht hatte: Alles überall verteilen. Also war ich teilweise mit Essen, teilweise mit Schnabeltierchaos vermeiden beschäftigt. Von den Seiten kamen zwar Kommentare wie „Kein Problem, wir haben schon vier Kinder gehabt und das gewohnt.“, aber man muss ja nicht alles liegen lassen. Im Anschluss gab es noch frisch gebackenen Apfelkuchen mit Eis. Da hätte ich mich reinlegen können, das war wirklich unheimlich gut!

Familienfernsehen

Im Anschluss daran musste das Kind gewickelt werden, als ich wieder zurück in der Küche war, hatte sich ein Teil der Familie in den Sunroom zurück gezogen. Sunrooms sind, wie meine Schwester mir erklärte, ein allgemein bekannter Teil der irischen Architektur. Anscheinend werden die Häuser hier nicht komplett geheizt. Stattdessen gibt es eben einen Raum im Haus, der viele große Fenster hat, sodass die Sonne ihn aufwärmen kann – genau so wie in unserem Ferienhaus (da hatte ich das als „Sonneneck“ bezeichnet. Zusätzlich zu diesem Zimmer gibt es dennoch Wohnzimmer – im Haus der Gastfamilie nochmal ein extra Raum. Finde ich total spannend. Auf jeden Fall hatten sich ein paar der Familie in diesen Raum zum fernsehen zurück gezogen, und da ich das Schnabeltier habe laufen lassen, hat er beschlossen sich dort auch umzusehen. Immerhin gab es da auch Spielzeug von den jüngeren Töchtern!

Irgendwann haben sich dann auch alle zusammen in diesem Raum versammelt, es wurde ein bisschen fern gesehen, es wurde ein bisschen geredet, und dann sind wir auch langsam nach Haus gefahren – das Kind musste ja auch langsam wieder ins Bett. Auf der Rückfahrt haben wir uns darüber unterhalten, dass anscheinend ein großer Teil des Familienlebens vor dem Fernseher stattfindet, auch wenn der Opa oder so da ist. Dann wird halt geschaut und geredet. Das finde ich irgendwie faszinierend, weil richtiges fernsehen für mich inzwischen höchstens im Urlaub bei anderen Menschen stattfindet. Daheim streamen wir – höchstens. Und schon gar nicht, wenn Besuch da ist.

Dennoch fand ich diesen Einblick in das irische Familienleben total spannend und ich bin nach wie vor neidisch auf meine kleine Schwester, die noch viel mehr davon mitbekommen darf. In diesem Sinne jetzt einen ganz dicken Drücker nach Irland! Wenn ich irgendetwas falsch dargestellt haben sollte, werde ich hoffentlich noch berichtigt. Das war es auf jeden Fall von unserem erstem richtigem Tag in Irland!…