Irland 2 – Wasserfälle – Häuser – Iren

Irland 2 – Wasserfälle – Häuser – Iren

Der nächste Tag sollte sehr entspannt beginnen. Im Zimmer unter uns hatte meine Mutter gehört, dass das Schnabeltier wach war. Die Akustik in irischen Häusern ist nicht für Menschen gedacht, die komplette Ruhe brauchen. Wenn man im Wohnzimmer saß, dann kann man die leiseste Bewegung in den oberen Zimmern hören, weil der Boden – also die Decke – unglaublich knarzt. Und das Haus, in dem wir waren war ziemlich neu! Daran hat es also nicht gelegen. Laut meiner kleinen Schwester ist das in allen irischen Häusern so. Meine Mutter ist also nach oben gekommen, schnappte sich das Schnabeltier aus dem Bett, sodass mein Mann und ich noch ein bisschen schlafen könnten.

An diesem Morgen war das Fieber weg, dafür hatte sich ein seltsames Geräusch in seinen Atem hinein geschlichen. Wenn er beim Jammern einatmete klang das wie ein ganz gemeines Bellen. Da er allerdings nicht viel jammerte, haben wir uns in der Hinsicht nicht viele Sorgen gemacht. Nach einem späääätem, langem Frühstück hat sich das Kind dann erst einmal wieder zum schlafen hingelegt. Die Zeit haben wir genutzt ein paar Flyer durchzuschauen, zu lesen, erste Blogeinträge zu schreiben.

Wasserfall

Als der kleine dann wieder wach war, haben wir uns alle zusammen gepackt und ins Auto geschmissen, denn unsere erste Station stand an: Der Torc Waterfall im Killarney National Park. Das ist ein Wasserfall am Fuß eines Berges…ach wisst ihr was. Lest den Wikipedia-Artikel dazu, wenns euch interessiert. Mehr als das kann ich eh nicht schreiben.

Wir hatten auf jeden Fall Glück mit unserer Familienkutsche einen Parkplatz zu finden und sind einfach mal den ganzen anderen Touristengruppen langsam in Richtung Wasserfall gefolgt. Es gibt da eben einen Weg nach oben, der am Wasser entlang führt. Quer durch einen Wald, der so unglaublich grün ist, dass man beinahe vor lauter „ICH BIN IN IRLAND!!“ erschlagen wird. Unterwegs haben wir schon gaanz viele Fotos gemacht. Vor allem mein Mann war super gut darin Fotos ohne andere Foto machende Menschen zu schießen. Ich habe mich dann auf Fotos mit Schnabeltier oder fotografierendem Mann konzentriert. Irgendeiner von uns muss ja den Touristenkram machen.

Der Wasserfall selbst ist … wunderschön. Und laut. Und ebenfalls voller Touristen. Von dort aus gibt es eine Treppe den Berg weiter hoch den…ich höhenangstbedingt nicht gegangen bin. Die anderen sind den Berg hoch gestiefelt und haben wunderschöne Fotos von der Aussicht mitgebracht, ich habe mich am Wasserfall unten damit beschäftigt andere Menschen zu beobachten, und Fotos zu machen. Eine Familie hatte mich sogar gebeten, Fotos von ihnen vor dem Wasserfall zu machen, also kein Ding. Nachdem nach einer Weile immer noch keiner aus meiner Gruppe da war, beschloss ich mich doch ein paar Stufen die Treppe hoch zu quälen und wie der Zufall es wollte kamen sie mir dann da drauf entgegen. Yeah.

Auf dem Rückweg zum Auto haben wir dann noch in einem Stückchen Wald Pause gemacht, um Schnabeltierfotos zu machen. Und die sind so süß geworden, dass ich mich selbst dafür in den Po beißen könnte, dass ich keine Kinderfotos veröffentlichen will. Er ist so unheimlich niedlich. Allerdings wurde er in der Zeit auch langsam wieder quengelig, sodass wir unsere Pläne umwerfen mussten. Ursprünglich war geplant gewesen zu Fuß zur nächsten „Attraktion“ zu laufen, denn die 1-2 Kilometer fand keiner von uns wirklich anstrengend. Naja, bis auf das Schnabeltier eben. Also haben wir uns doch wieder ins Auto gesetzt und sind weiter gefahren.

Haus

Unser nächster Stop war das Muckross House, ein Herrenhaus aus dem Jahr 1839. Mit seiner riesengroßen Parkanlage gehört auch dieses zum National Park und war wie gesagt nicht allzu weit vom Wasserfall entfernt. Meine Mutter, kleine Schwester und der Freund meiner kleinen Schwester haben sich eine Führung durch das Haut angeschaut. Mein Mann, das Schnabeltier und ich sind in der Zeit selbstständig durch den Park gezogen.

Nur ein Teil des Hauses. Alles auf einmal fotografieren war unmöglich

Vor Ort (auch schon am Wasserfall) gibt es diverse Pferdekutschen, mit denen man sich durch die Gegend fahren lassen kann. Gerade im Park wurden wir diverse Male von den Kutschern angesprochen, ob wir uns nicht fahren lassen wollen würden. Sowas mag ich sowieso schon nicht unbedingt. Ein Blick auf die Pferde ließ mich innerlich dann wirklich NEIN brüllen. Die armen Tiere sahen so ungepflegt aus, das war schon nicht mehr schön.

Wer genau hinsieht kann sogar den Wasserfall an des Schnabeltieres rechter Hand finden
Ich habe vieeeele Blumen fotografiert

Außerdem kann man zu Fuß viel besser einfach stehen bleiben, Fotos machen und durch die Gegend klettern. Während wir unterwegs haben wir mehrmals unser Ziel angepasst. „Okay, wir gehen hier um die Ecke.“ „Oh, den See will ich von Nahem sehen.“ „Schau mal, da ist ein rot leuchtender Baum! Da will ich hin!“ Fotos machend sind wir dann durch die Gegend gezogen. Und gezogen. Und gezogen. Manchmal ist das Schnabeltier gelaufen, manchmal wurde er getragen, manchmal saß er im Buggy. Die Fotos sind auch hier toll geworden, wir hatten elendig viel Spaß, obwohl ich doch eigentlich ursprünglich die Führung mitmachen wollte. Aber die Umgebung war so toll, das hat mich sehr entschädigt.

Er wollte unbedingt selbst schieben

Wir haben es auch tatsächlich geschafft gleichzeitig mit dem Führungsende mit unserer Spaziergehrunde durch zu sein, haben unsere Gruppe wieder gefunden und sind erst einmal wieder zurück ins Ferienhaus gefahren. Abends hatten wir noch einen Termin, davor durfte allerdings das Schnabeltier noch einmal schlafen. Irgendwie waren wir alle vom Vortag (oder allgemein) ein bisschen angeschlagen, weswegen ich ebenfalls nur einfach rumgelegen habe, meine kleine Schwester samt Freund sich auch nochmal aufs Ohr gehauen haben.

Iren

Der letzte Termin des Tages – und unser Abendtermin – war ein Abendessen, zu dem wir von den Gasteltern meiner Schwester geladen wurden. Hab ich schon erwähnt, dass die Familie ungefähr zwei, drei Orte weiter wohnt? Also wirklich nah an unserem Feriendomizil. Dort angekommen wurden wir direkt sehr freundlich begrüßt, wunderten uns allerdings schon ein bisschen: der Tisch war für sechs Personen gedeckt: genau so viele Leute, wie wir waren.

Und ja, wir durften uns an den Tisch setzen und wurden mit Essen versorgt, während die Gasteltern neben uns saßen und … nichts aßen. Einfach nur saßen und sich mit uns unterhielten. Ein total seltsames Gefühl, obwohl meine kleine Schwester erklärte, dass deren Abendessenszeit sowieso immer früher sei. Und das Essen war wirklich gut. Es gab gemischtes Gemüse mit Kartoffelbrei, Gravysauce, und Fleisch. Da meine kleine Schwester mich als Vegetarier angemeldet hatte, bekam ich stattdessen einen Fisch vorgesetzt, was ich total lieb fand – aber nicht wirklich notwendig gewesen wäre.

Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte ich, weil das Schnabeltier sich seinen üblichen Essenspaß gemacht hatte: Alles überall verteilen. Also war ich teilweise mit Essen, teilweise mit Schnabeltierchaos vermeiden beschäftigt. Von den Seiten kamen zwar Kommentare wie „Kein Problem, wir haben schon vier Kinder gehabt und das gewohnt.“, aber man muss ja nicht alles liegen lassen. Im Anschluss gab es noch frisch gebackenen Apfelkuchen mit Eis. Da hätte ich mich reinlegen können, das war wirklich unheimlich gut!

Familienfernsehen

Im Anschluss daran musste das Kind gewickelt werden, als ich wieder zurück in der Küche war, hatte sich ein Teil der Familie in den Sunroom zurück gezogen. Sunrooms sind, wie meine Schwester mir erklärte, ein allgemein bekannter Teil der irischen Architektur. Anscheinend werden die Häuser hier nicht komplett geheizt. Stattdessen gibt es eben einen Raum im Haus, der viele große Fenster hat, sodass die Sonne ihn aufwärmen kann – genau so wie in unserem Ferienhaus (da hatte ich das als „Sonneneck“ bezeichnet. Zusätzlich zu diesem Zimmer gibt es dennoch Wohnzimmer – im Haus der Gastfamilie nochmal ein extra Raum. Finde ich total spannend. Auf jeden Fall hatten sich ein paar der Familie in diesen Raum zum fernsehen zurück gezogen, und da ich das Schnabeltier habe laufen lassen, hat er beschlossen sich dort auch umzusehen. Immerhin gab es da auch Spielzeug von den jüngeren Töchtern!

Irgendwann haben sich dann auch alle zusammen in diesem Raum versammelt, es wurde ein bisschen fern gesehen, es wurde ein bisschen geredet, und dann sind wir auch langsam nach Haus gefahren – das Kind musste ja auch langsam wieder ins Bett. Auf der Rückfahrt haben wir uns darüber unterhalten, dass anscheinend ein großer Teil des Familienlebens vor dem Fernseher stattfindet, auch wenn der Opa oder so da ist. Dann wird halt geschaut und geredet. Das finde ich irgendwie faszinierend, weil richtiges fernsehen für mich inzwischen höchstens im Urlaub bei anderen Menschen stattfindet. Daheim streamen wir – höchstens. Und schon gar nicht, wenn Besuch da ist.

Dennoch fand ich diesen Einblick in das irische Familienleben total spannend und ich bin nach wie vor neidisch auf meine kleine Schwester, die noch viel mehr davon mitbekommen darf. In diesem Sinne jetzt einen ganz dicken Drücker nach Irland! Wenn ich irgendetwas falsch dargestellt haben sollte, werde ich hoffentlich noch berichtigt. Das war es auf jeden Fall von unserem erstem richtigem Tag in Irland!

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