Irland 3 – (Kinder)Ärzte und ein bisschen Shopping

Irland 3 – (Kinder)Ärzte und ein bisschen Shopping

Die folgende Nacht sollte anstrengend sein. In dieser Nacht wurde das mit dem Atmen für das Schnabeltier wirklich schwer. Nicht nur, dass er dabei seltsame Geräusche gemacht hat – anscheinend hat es auch noch weh getan, und wenn er zu tief eingeatmet hat, gab es da einen Punkt, an dem er kaum noch Luft bekommen hatte. Irgendwo hatte er die Kraft her, sich seine Angst aus der Seele zu schreien und hörte auch nicht auf, bis ich mit ihm im Arm draußen in der kalten, irischen Nachtluft stand. Eine Idee – ein Erfahrungswert meiner Mutter. Draußen an der Luft konnte er sich zu Glück wieder beruhigen und in meinem Arm wieder einschlafen.

Dennoch war die Laune am nächsten morgen etwas angespannt. Wir waren hier im Urlaub, wollten Dinge sehen, und das Kind wird krank. Und ich Vollidiotin hatte beim packen nicht nur seinen Pass, sondern auch seine Krankenkassenkarte daheim liegen lassen. Juhuu. Da wir aber ausschließen wollten, dass er etwas übles bekommen hat, haben wir einen Arzt gesucht. Zum Glück gab es in fußläufiger Entfernung ein Ärztehaus mit gleich zwei Praxen und insgesamt ich weiß nicht wie vielen Ärzten. Ohne Termin sind wir hin, wurden aber erst einmal lieb und nett in die jeweils andere Praxis verwiesen, weil man aktuell schon voll sei.

Dennoch wurde uns Hilfe angeboten, entweder wir würden warten, bis etwas frei wäre, oder wir könnten nach der Mittagszeit noch einmal wieder kommen. Entschlossen haben wir uns dann für die zweite Variante, sind noch einmal kurz Einkaufen und zurück ins Ferienhaus – wenn ich an dieser Stelle von „uns“ rede, dann meine ich meinen Mann, meine Mutter und mich. Meine kleine Schwester ist mit ihrem Freund – beide ebenfalls gesundheitlich angeschlagen – im Haus geblieben um sich ein bisschen zu schonen.

A Propos Freund: Ich finde die Bezeichnung „der Freund meiner kleinen Schwester“ zu lange und werde ihn ab sofort nur noch als „meinen Admin“ bezeichnen, weil er das Herzchen ist, das mir diesen wunderschönen Blog und die Domain ermöglicht hat und verwaltet! Und irgendwann wird er auch noch dafür sorgen, dass die Beitragsbilder immer zu sehen sind, und nicht nur auf der Startseite des Blogs. Aber der kleine Seitenhieb nur am Rande 😉

Gegen Mittag sind wir also zurück in die Praxis gegangen und haben noch einmal an der Anmeldung unser Problem geschildert. Als Deutsche sind wir es gewohnt, dass man – gerade ohne Termin – stundenlang im Wartezimmer sitzen darf. Nicht so in Irland. Ich würde es auf zehn Minuten, eine viertel Stunde höchstens, schätzen, bis wir aufgerufen wurden. Wahnsinn! Drinnen wurden wir von einem netten, relativ jungem Arzt begrüßt, der sich unsere Geschichte anhörte, ein bisschen mit dem Schnabeltier schäkerte und ihn untersuchte.

So genau sagen, was das Kind hatte konnte er nicht, verschrieb uns dennoch ein Antibiotika. Wenn wir länger in der Gegend wären, so meinte er, würde er es lassen und ihn einfach täglich zur Kontrolle anschauen, wie sein Zustand sich veränderte, aber da wir ja nur Urlaub machten, haben wir da relativ wenig handhabe gehabt. Mit einem Rezept in der Hand wurden wir also wieder entlassen und durften für die Untersuchung 60 Euro bezahlen – irgendwie habe ich mit mehr gerechnet. Vielleicht bin ich zu sehr von den Horrorgeschichten der amerikanischen Gesundheitsversorgung geschädigt.

In der Apotheke wurde uns der Saft direkt zusammengemischt, eine Spritze zum Abmessen dazu gelegt, erklärt, dass wir den Saft im Kühlschrank aufzubewahren hatten und alles gute Gewünscht. Wieder zurück im Ferienhaus gab es dann ein bisschen Diskussionen, ob wir das Zeug jetzt geben sollten oder nicht. Ein Antibiotika geben ohne genau zu wissen, was das Kind hat, klingt irgendwie falsch. Antibiotika müssen ja auch durchgenommen werden – in unserem Fall eine Woche, drei mal täglich. Mein Mann schloss das Gerede dann mit dem Argument „Wenn mir ein Arzt schon was verschreibt, dann gehe ich davon aus, dass ich was habe und nehme das auch!“ ab.

Weil der Tag nun schon relativ weit fortgeschritten war, und das Kind wie gesagt krank, haben die jüngeren in der Runde geschlossen dafür gestimmt, einen Killarney-Tag einzulegen. Wir wollten uns die Läden und die Stadt ein bisschen ansehen. Meiner Mutter war das allerdings nicht, sie wollte noch ein bisschen Land sehen. Verstehe ich sehr gut. Also hat sie sich das Auto genommen und ist los gedüst, wir sind mit dem Buggy los.

Gelandet sind wir zuerst in Souvenir-Shops, die so viel liebevoller sind, als ähnliche in Berlin. Vollgestopft mit viel Schwachsinn und tollen Sachen, die man einfach irgendwie kaufen muss. In unserem Fall sind diverse Tassen im Einkaufswagen gelandet, eine Mütze für meinen Mann und Fudge. Letzteres hatte ich bei meinem Dublin-Trip vor einigen Jahren schon kennen gelernt und mich verliebt – vor allem in die frisch gemachte Version. Im Laden gab es natürlich nur abgepacktes, aber dafür in zig Geschmacksrichtungen, wovon wir natürlich für alle möglichen Leute etwas einpacken mussten. Ich bin ein bisschen neidisch, dass wir nichts für uns eingepackt haben. Irgendwas ist ja immer, oder?

Bei einem kleinem Juwelier mit vielem Schmuck mit keltischen Symbolen sind wir ebenfalls eingefallen. Meine kleine Schwester durfte sich von ihrem Freund einen Ring aussuchen. Ich habe auch die Augen nach etwas offen gehalten, womit ich meinen Hochzeitsring an Finger feststecken könnte – der rutscht durch die Abnahme inzwischen echt extrem. Bei einem Süßigkeitenladen mussten wir auch einkehren. Gefühlt haben wir uns wie im Honigtop von Harry Potter. Fragt mich nicht, was diese Läden alle an sich hatten, aber sie haben so etwas kleines, gemütliches, altes ausgestrahlt, dass ich mich in jedem davon irgendwie wohl gefühlt habe.

A Propos Läden: Auf unserem Weg durch die High Street – so heißt diese Touristenstraße – haben wir einen Laden gefunden, der so wahnsinnig toll war, dass er gesondert erzählt werden muss. Murphy‘s Ice Cream! Ein Laden, der einige, ausgewählte Sorten handgemachtes Eis anbietet. Das Eis ist schweineteuer, aber SO GUT! Ich habe in meinem Leben noch kein Eis gegessen, dass es mit Dingle Sea Salt oder Irish Coffee aufnehmen konnte. Salziges Eis, Eis Mit Whiskey, Eis mit Gin… die Sorten sind sehr überschaubar, aber alle SUPER! Das tollste daran war allerdings die tatsache, dass man jede Sorte vor der Entscheidung ausprobieren konnte. „Can I try …?“ und schon bekommt man ein kleines Holzstäbchen mit einem Bissen Eis in die Hand gedrückt. Das hat die Auswahl nur noch schwieriger gemacht. Alles, was ic probiert habe, hat echt gut geschmeckt. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum das Eis so teuer war. Aber die Verkäufer waren alle nett, und haben uns mit allem versorgt, was wir ausprobieren wollten, bis wir alle uns endgültig entschieden hatten. Insofern mein Tipp für zukünftige Irlandreisen: Sucht einen Murphy‘s. Schleckermäuler werden es nicht bereuen. Höchstens im Geldbeutel.

Abends haben wir uns dann alle wieder zusammen gefunden, und sind essen gegangen. Eigentlich wollten wir in einen Pub mit Livemusik, sind aber zu spät gewesen, und es gab keinen Platz mehr für uns. Auf dem Weg durch die Straßen sind wir dann auf einen Laden namens Macs gestoßen, der nicht so vollgestopft war, und auch wirklich einen Tisch für uns hatte. Die Speisekarte alleine zu lesen war schon böse – es sah alles echt gut aus. Von Gemüsesuppe, über Burger, Fish‘n‘Chips…es gab irgendwie alles. Und das haben wir auch gegessen: Alles! Ich habe mir sogar einen Cider gegönnt, weil ich mir Irland ohne Cider einfach nicht vorstellen wollte.

Wir waren schließlich die letzten in der Bar! Ups. Es war wirklich spät geworden. Ich habe mich gewundert, dass das Schnabeltier am Ende nicht schlafend auf dem Tisch lag. Auf dem Rückweg durch den Nieselregen wurde das Kind allerdings ein bisschen quengelig – vollkommen verständlich. Ich habe ihn dann auf den Rücken genommen und den Weg zurück als Pferdchen verbracht – so bekommt man Wege trotz Motzi ganz gut hin. Mein Mann nimmt ihn ja immer auf den Arm, aber ich kann ihn inzwischen nicht lange so tragen. Bei mir ists also der Rücken – und das Schnabeltier liebt es! Vor allem seit er herausgefunden hat, wie man die Mama antreibt ein bisschen schneller zu hüpfen.

Noch ein Wort zum Nieselregen: Nicht einmal das war er. Wir hatten eigentlich das Gefühl, durch groben Nebel zu laufen. Für Nieselregen zu fein, für Nebel zu groß waren die Tropfen. Sie haben einen ganz sanften, feuchten Film auf der Haut hinterlassen, und obwohl man nass wurde, hat man das nicht wirklich wahrgenommen. Regen, der quasi nur Wasser in der Luft war.

Fast 32.000 Zeichen umfasst mein Irlandbericht inzwischen – Respekt fürs nachlesen bisher! Keine Angst, sehr viel mehr wird es nicht mehr – einen und einen halben Tag haben wir noch rum zu bringen, dann sind wir auch schon wieder in Deutschland angekommen – Gedanklich wie körperlich. Man liest sich also beim nächsten Mal. Bis dann!

2 Kommentare bei „Irland 3 – (Kinder)Ärzte und ein bisschen Shopping

  1. Ich bin nun endlich mal dazu gekommen alle Bisherigen Irland Blogneinträge zu lesen. Echt toll. Man merkt richtig wie dir das Land gefällt. Und ich selbst erinner mich jetzt daran warum ich dort unbedingt wieder hinmuss. 🙂

    Diese Eisshops sind auch genial, wir haben damals in ich glaube einen von denen in Dingle bescuht. Nachdem wir an unserem einzigen Wirklich schlimmen Regentag einfach mal einen Brettspieltag in einem Pub eingelegt hatten.

    Wieviel habt ihr eigentlich für das Haus bezahlt?

    1. Oh, Danke für das Lob, freut mich zu lesen.
      Mir hat es auch wirklich gut gefallen 😀 Find ich lustig, dass wir in der selben Ecke waren, Dingle sollte nämlich als nächstes kommen, wenn ich mal wieder zum schreiben komme. Wirkliche Regentage hatten wir zum Glück nicht, nur eben Kinderkranktage :/

      Ehm, ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich weiß es auswendig. Müssten irgendwie so zwischen 3-400 Euro gewesen sein für 5 Nächte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*