Einfach mal raus

Eltern sein ist ein Full-Time-Job. 24/7 ist man Eltern. Das Kind wird geliebt, bekuschelt und bespaßt, aber auch getröstet, hin und her gewiegt und gefüttert. Man ist immer in Rufbereitschaft, auch mitten in der Nacht kann es passieren, dass ein kleiner Mensch aufwacht und Hilfe braucht. No way out, vor allem nicht für den Elternteil, der in Elternzeit ist.

 

Kein Urlaub, die Pausen um nur mal eben 5 Minuten länger als das Baby in der Badewanne zu liegen, an Feierabend ist nicht zu denken. Das zehrt. Und das sage ich, als jemand, der sein Kind gerne mal als Anfängerbaby bezeichnet.

Manchmal braucht man mal eine Auszeit, die mehr als eine viertel Stunde Duschen ist. Und Kontakt zu Menschen ohne das eigene Kind. Man muss einfach mal raus.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich unheimlich gefreut, dass ich dieses Wochenende wunderbare Freunde aus Hamburg zu Besuch hier hatte, die nicht nur das Schnabeltier bestaunen wollten, sondern mich am Samstag Nachmittag geschnappt und quer durch die Stadt entführt haben, um mit mir zusammen in mein Lieblingsmusical, den Tanz der Vampire zu gehen.

Der Ausflug war lange geplant, und trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, mein Kind mal eben 6 Stunden “allein” zu lassen. Allein in Anführungszeichen, weil sich natürlich mein Mann in der Zwischenzeit liebevoll um den Kleinen gekümmert hat. Trotzdem bin ich ja quasi seine Hauptbezugsperson: in meinen Armen schläft er ein, ich beruhige ihn, wenn er Probleme hat und ich habe das elende Futtermonopol. Ja, ich könnte natürlich Abpumpen, aber das finde ich aus diversen Gründen* nicht (für mich) praktikabel. Also muss Pre-Nahrung her, aber für einen Abend mal eben 500g Pulver kaufen… Und überhaupt, was ist, wenn Vater und Sohn einander total überfordern? Von dort, wo ich wohne, bis zum Theater des Westens sinds gut eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine. Stunde.

 

Beim Shoppen mit meiner Mutter habe ich dann Päckchen mit einzelnen Portionen Pre-Nahrnug gefunden (und später beim Drogisten meines Vertrauens solche, die bereits fertig gemischt ist). Also war das Problem schon einmal aus der Welt. Und Vater hatte den unerschütterlichen Glauben, dass alles passen würde. Für den Notfall lagen in der Wohnung von mir bereits vollgestunkene (aka getragene) T-Shirts bereit, um das Geruchsorgan des Schnabeltieres zu verwirren und ihm eventuell beim einschlafen an des Vaters Brust zu erleichtern. Zudem wurde meinem Mann (der arme Kerl…) gefühlte tausend Mal erklärt was ich wie wo mache, und sowieso, welche Handgriffe am besten wären.

Ich schätze ich muss wohl nicht erwähnen, dass mein Gewissen dennoch nicht das beste war und ich am Bahnhof beim Tschüß sagen kurz davor war, ihn einfach in meine Tasche zu packen und mitzunehmen. Man konnte mich überreden das sein zu lassen und sogar nicht mehr davon zu reden, dass ich ihn allein lassen würde.

 

Ich habe den Abend unheimlich genossen. Nicht, dass die Aufführung besonders gut gewesen wäre – außer Jan Ammann als Grafen konnte mich leider keiner der Hauptdarsteller des Castes überzeugen. Dennoch tat es gut, einfach mal für ein paar Stunden woanders zu sein, unheimlich gute Musik zu genießen und über doofe Kommentare lachen zu können.

Ein bisschen aus der Bahn warf mich in der Pause die Information, dass mein Kind die gekaufte Pre-Nahrung verweigerte. Mein Mann hatte im tiefgefrohrenem Karottenbrei allerdings eine Alternative gefunden und das Kind musste nicht hungrig schlafen.

 

Eher im Gegenteil, als wir nach Hause kamen, hoffte ich, dass er langsam wach werden würde, weil mein Körper vollkommen überfordert damit war, dass ihm noch keine Milch abgenommen worden war.

 

Lehren, die gezogen wurden:

Nächstes mal andere Pre-Nahrung kaufen

Dem Schnabeltier die Nahrung zu probieren geben, BEVOR sie wirklich gebraucht wird

Wenns wirklich die letzte Alternative ist, eben doch abpumpen

Papa packt das

Bei aller Liebe: Eine Auszeit ist notwendig.

 

Es war schön. Danke an allen Beteiligten für diesen Abend (und dieses Wochenende). Und an all die Mamas da draußen: Gönnt es euch. Eure Zweitbezugsperson fürs Kind wird es schon schaukeln. Bestimmt.



*Verdammt, ihr lest das hier immer noch?

Okay, also meine Gründe fürs nicht abpumpen:

Man pumpt am besten, wenn die Brüste voll sind. Wenn die Brüste voll sind, hat allerdings auch das Kind Hunger. Also wird das Kind gefüttert, bis es satt ist. Danach geben die Brüste nicht mehr viel her.

Gleichzeitig Pumpen und Stillen ist auch eher ein großes “näh”.

Abpumpen mit leereren Brüsten ergibt eine nicht zufriedenstellende Menge an Milch. Bedeutet länger Pumpen für große Menge. Neh.

 

Und zu guter letzt: Man kommt sich vor wie eine Milchkuh. Und sieht wahrscheinlich ein bisschen danach aus. Solang ich drauf verzichten kann, verzichte ich drauf.

Wunde Babypos

Sie sehen hier einen perfekt improvisierten Langzeit-Wickelplatz mit Rückenschmerzgarantie

Eigentlich wollte ich heute ja über ein anderes Thema schreiben. Allerdings kam ich nicht dazu, mich vorzubereiten und das hier ist bei mir gerade recht aktuell, also schreibe ich darüber.

Aktuell bin ich zu Besuch bei meiner Mutter (aka des Schnabeltiers Oma), und habe da einige Sachen über Kinder gelernt. Es ist zum Beispiel auch für die größeren Kinder immer wieder toll, nach Hause zu kommen.
Man kann Freunde mitbringen, und die sind direkt in die Familie integriert. Oder Beziehungen von alten Freunden.

Selbst wenn das mit dem Auszug nicht zur eigenen Befriedigung geklappt haben sollte (man wurde quasi mit Ansage rausgeworfen), und deshalb mit seiner Mutter böse ist, kann man sich doch irgendwann selbst wieder fassen, und wieder vorbei schauen. Reden. Lachen. Spaß haben.
Und: Manche Babys haben Stahlhintern. Denen kannst du eine Woche die Windel nicht wechseln, der Po wäre trotzdem weich und zart wie eh und je.

Meins gehört leider nicht zu der Sorte. Eigentlich haben wir daheim recht wenige Probleme mit dem Schnabeltierpo. Er tut was er soll und sieht dabei immer klasse aus. Daheim. Wo wir alles haben, was wir zur Pflege benötigen.
Bisher war ich mit meinem Sohn nur kurz übers Wochenende bei den Schwiegereltern, da war die Benutzung von Alternativpflegemitteln kein Problem. Die Zeit war kurz genug, damit nichts passieren kann. Tja, und dann kamen die 1,5 Wochen bei meiner Mutter.
Wir kamen am Mittwoch Mittag an (ICE Sprinter sind die beste Erfindung seit… es …eh…sie sind gut!) und sind beinahe direkt in den Drogeriemarkt unseres Vertrauens gefahren. Da ich allein mit dem Kind unterwegs war, wollte ich nicht mehr mitnehmen, als ich brauchen würde. Schließlich kann man ja auch in Hessen einkaufen gehen und findet, was man benötigt. Gekauft haben wir Windeln für die Zeit, meine Lieblings-Babycreme für den Windelbereich und sensitive Feuchttücher.
An dieser Stelle greife ich einem anderen Eintrag, den ich zu schreiben gedenke, ein bisschen vor. Wir benutzen eigentlich keine Feuchttücher, wenn er sich nicht gerade von unten bis oben vollgemacht hat. Meine Hebamme gab uns den Tipp mit Taschentüchern in einer Box und einer Wassersprühflasche. Allein aus Kostengründen wirklich genial (wie gesagt, ich schreib demnächst darüber!). Nun haben wir bei meiner Mutter keine Wassersprühflasche, also dachte ich mir, dass Feuchttücher ja nicht schaden können.
Falsch gedacht!

Milder als Wasser + x. Das ich nicht lache.

Von Mittwoch bis Sonntag hatte sein Po nicht nur eine ziemlich unhübsche rote Färbung angenommen, sondern auch diversestes an Pickelchen entwickelt. Mein armer kleiner Mann. Ich dachte zu Anfang, dass ich die Entwicklung mit einem mehr an Babycreme verlangsamen stoppen könnte, aber das wollte auch nicht so wirklich. Und nach jedem Wickeln erstmal seinen Unterkörper trocken pusten ist auch eher semioptimal.
Wir brauchten eine andere Lösung. Also wurde Omas Taschentuchbox an den provisorischen Wickelplatz entführt und daneben eine Schüssel mit Wasser gestellt. Anfänglich habe ich mit einer Hand ein bisschen Wasser von der Schüssel zum Toch geschöpft, aber ganz ehrlich? Ne. Ideal ist anders.
Inzwischen haben wir eine Küchenrolle neben dem Wickelplatz stehen und tunken immer eine Ecke ins Wasser, drücken ein bisschen aus und voila! Ein feuchtes Poabwischtuch, das dem Babypo gefällt.
Von Mittwoch bis Sonntag wurde der Po roter und roter, ab Sonntag wurden die Feuchttücher abgesetzt und am Dienstag abend war alles wieder so wunderschön wie zuvor.

Fazit: Weniger Feuchttücher, mehr Wasser und Taschen- / Küchentücher. Der Babypo sagt „Danke!“…

Von Katzen und Kindern

Oft werden wir gefragt: “Und, wie reagieren die Katzen auf den Kleinen?” Theoretisch sollte die Antwort stets die selbe sein, doch da mit der Zeit mehr passiert, verändert sich die Antwort jedes Mal ein kleines bisschen von der Aussage her. Die gleichen Worte bekomme ich sowieso niemals hin. Entsprechend versuche ich mich mal am “Best of Antworten im Laufe der Zeit”

 

Vor der Geburt: Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe das beste, unsere Monsterchen sind ja eigentlich recht umgänglich mit allem und jeden. Aber sie sind halt auch ihre Ruhe gewöhnt und irgendwie… ich weiß es nicht.

Ich hab super Angst, dass es Probleme geben wird. Keine Ahnung, dass das Kind eine Katzenhaarallergie hat, oder es ihnen so auf die Nerven geht, dass sie aggressiv reagieren. Im Prinzip ist das meine größte Angst: dass die drei nicht miteinander zurecht kommen. Durch den Umzug haben wir ja ein extra Kinderzimmer, das die Katzen nicht kennen. Wir lassen da immer die Tür zu, damit sie sich gar nicht erst dran gewöhnen. Klappt bisher nicht ganz, sie haben realisiert, dass da eine Tür ist und wollen unbedingt rein. Vor allem, wenn Meckermannfrau-Mann oder ich da drinnen sind, um Wäsche aufzuhängen. Aber wir bekommen das hin.

Ich hoffe so sehr, dass sie sich vertragen.

 

Kurz nach der Geburt: Wir sind gerade aus der Klinik heim gekommen. Für uns ist die Situation total ungewohnt. Bisher waren wir zu zweit (okay, viert) hier in der Wohnung, und jetzt sind wir einer mehr. Die Tür zum Kinderzimmer haben wir jetzt offen, weil wir die ersten Tage da auf dem Sofa schlafen. Sonst passt die Wiege gar nicht neben das Bett.

Die Katzen erfreuen sich des neuen Zimmers und sind dort schon auf Erkundungstour gegangen. Das Zimmer gehört aktuell erst mal ihnen.

Wir wurden von ihnen ziemlich doof angeschaut, als wir ihnen das schlafende Baby präsentiert haben. Wahrscheinlich haben sie sich gefragt, was wir da schon wieder angeschleppt haben, und wann das wieder gehen wird. Viel Interesse haben sie noch nicht dran gezeigt.

 

Baby ist zwei Wochen alt: Okay, also wirklich mögen tun sie ihn nicht. SIe kommen gar nicht mehr zu uns ins Bett zum kuscheln. Kurz hatten sie das Beistellbett als Schlaffläche neben meinem Bett angenommen, als sie allerdings gesehen haben, dass “das Ding” da schläft, war es mit dem dort liegen vorbei. Ein Glück waren meine Mutter und meine kleine Schwester ein paar Tage da, bei denen haben sie sich ihre Streicheleinheiten abgeholt. Ich kann ihnen kaum noch Kraulliebe geben, da sie sich vom Kind fernhalten, ich das Kind aber quasi 24/7 um mich rum habe. Die Armen Monsterchen 🙁

 

Drei Wochen: Okay, sie haben sich ihm mal kurz genähert um an ihm zu schnuppern, als er geschlafen hat. Kaum hat er im Schlaf gezuckt, sind sie direkt wieder abgehauen.


Ein Monat: Lux will ihre Streicheleinheiten. Dafür traut sie sich auch immer näher an den Kleinen ran. Am ehesten noch, wenn er schläft. Da kann man ihn ignorieren und sich an Frauchen ran machen. Sobald er sich bewegt, ist sie allerdings direkt wieder weg. Gwen war eh immer die, die eher an meinem Mann gehangen hat, entsprechend wenig Babykontakt hat sie.

 

Zwei Monate: Jetzt, wo das Schnabeltier immer länger wach ist, haben wir erste Annäherungsversuche gestartet. Lux liegt inzwischen gerne wieder bei uns im Bett zum schlafen oder kuscheln. Das Schnabeltier hat seine Arme noch nicht so sehr unter Kontrolle, dass er sie manchmal gegen das Katzenfell wirft. Meistens haut sie dann auch direkt wieder ab. Manchmal bleibt sie auch liegen. Die Zeit nutze ich dann, um selbst die Katze zu kraulen und gleichzeitig das Schnabeltier kraulen zu lassen “Eieiei”, natürlich immer, indem ich seine Hand halte und kontrolliere, dass er sie nicht packt.

 

Drei Komma fünf Monate: Das Kind lag wach auf seiner Spieldecke und hat vor sich hin gezappelt. Da ist dann Lux gekommen und hat sich dazu gelegt. Einfach so. Nachdem sie ein paar mal die Babyhand an der Nase hatte, hat sie nur ihren Oberkörper von seinem weg bewegt, sodass die beiden als V da gelegen haben. Das Schnabeltier hat sich nicht wirklich für sie interessiert, aber das Bild war unheimlich niedlich!

 

Vier Monate: Beide Katzen sind inzwischen mutiger, was den Kleinen angeht. Wenn wir auf dem Sofa sitzen kommen sie beide zum Kuscheln zu uns und reiben ihr Köpfchen auch an seinen Füßen/Händen/Kopf. Je nachdem, wo sie gerade ran kommen. Wir freuen uns da auch immer total drüber, weil sie das natürlich nur machen, wenn er gerade schläft und sie ihn damit wecken (Wer Ironie findet…und so).

 

Jetzt: Ich habe das Gefühl der Besuch von Freunden mit ihren Kindern hat irgendwas ausgelöst im Schnabeltier. Die Kinder waren drei und 1,5 Jahre alt und waren super begeistert von den Katzen, was bei denen auf absolut keine Gegenliebe gestoßen ist. Aber kurz nach dem Besuch hat der Kleine ebenfalls angefangen, die Katzen wirklich wahrzunehmen. Da er jetzt auch langsam mobil wird, beobachtet er die beiden Fellnasen gerne dabei, wie sie durch die Wohnung laufen oder einfach nur in seinem Blickfeld sitzen. Wenn er sie sieht, dann freut er sich und gluckst auch mal glücklich vor sich hin. Meistens versucht er schon, nach ihnen zu greifen. Gwen hat diesen Kontakt bisher nicht erlaubt, aber Lux hat es schon ein paar Mal zugelassen. Ich passe immer darauf auf, was er macht, dass er seine Hände nicht ins Fell krallt und sie fest packt – was nicht immer klappt. Einmal hatte ich schon Katzenzähne, bei einem Befreiungsversuch meinerseits, an der Hand. Aber da es eher unwilliges knabbern als ernstes Beißen war und bisher nur einmal vorgekommen ist, hab ich damit kein Problem. Kaum war sie frei, ist sie dann auch einfach gegangen. Und später durften wir trotzdem noch streicheln.

 

Alles in allem würde ich sagen, es wird. Klar muss man sich aneinander gewöhnen und aufpassen, dass das Kind die Katzen nicht in die Ecke drängt, aber wir sind auf einem guten Weg, und das freut mich ungemein.

 

Und selbst? Kinder und Haustiere, wie klappt das, oder könnt ihr euch das gar nicht vorstellen? 

PS: Am Tag nachdem ich diesen Text schrieb, wachte ich mit einem ruhigen Kind neben mir auf. Nicht, dass er noch schlief, nein. Er beobachtete Lux, die direkt neben ihm lag und glücklich schnurrte. Ich bin Glücklich.