Danke, Schatz!

Kinder lernen. Ein Leben lang lernen sie. Immer alles neue. Wenn wir als Eltern wollen, dass die Kinder so etwas wie benehmen lernen, dann müssen wir ihnen das vorleben. Das sagt einem jeder halbwegs guter Erziehungsratgeber (Hoffe ich zumindest. Ich habe bisher nur den unglaublich empfehlenswerten vom gewünschtesten Wunschkind gelesen. Aber da steht das drinnen! Ehrlich!). Macht ja auch irgendwo Sinn.

Wieso soll das Kind anfangen mit „Bitte“ und „Danke“, wenn wir Eltern im Alltag nichtmal ansatzweise diese Wörter nutzen? Task für mich: „Schatz, kannst du mal xyz?“ Nachdenken. Bemerken, dass da schon wieder etwas fehlt, während mein Mann schon xyz macht. „Bitte!“, hinten anfügen. Selbstreflexion ist SO wichtig!

Also leben wir dem Kind vor.
Versuchsweise. Irgendwie.

Wir waren stets bemüht.

Rituale am Tisch

Und dann, während man vor sich so hin lebt, versucht keins der beiden Kinder allzu fest auf den Boden fallen zu lassen, wenn man gerade mal wieder gezwickt wird), versucht ein gutes Vorbild zu sein und sowieso immer total gesundes Essen auf den Tisch zu stellen (und neben dem Blogeintrag schreiben Nutella vom Löffel nuckelt), da passiert halt einfach das Leben.

Da nimmt dann das Kind das mit, was ihm vorgelebt wurde. Total unterbewusst.

Abends, Abendessen.
Mama hat gekocht, weil Papa lieber zwei Kinder jongliert und eh nur Nudeln mit Pesto im Kopf hat. Ich hab ihm mal verboten sich jedes Mal, wenn ich nachfrage Tortelloniauflauf zu wünschen. Jetzt sinds halt Nudeln mit Pesto. Mein Mann ist kulinarisch nicht sehr anspruchsvoll, fürchte ich.

Wir setzen uns alle zusammen hin und „WARTE, BIS ALLE WAS HABEN!“, füllen unsere Teller und Schüsseln „MAMA SITZT NOCH NICHT!“, springen nochmal auf, weil doch noch was fehlt „HABEN WIR SCHON PIEPPIEPPIEP GEMACHT?“, setzen uns, nehmen uns alle an den Händen und singen „Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb, Piep, piep, piep, Guten Appetit!“ Danach darf gegessen werden.

Das Abendessen ist die Mahlzeit des Tages, bei der wir wirklich alle zusammen sitzen. Deswegen ist mir es wichtig, dass wir alle aufeinander warten und zusammen sitzen. Da wird erst angefangen, wenn Pieppieppiep durch ist. Auch wenn man dem Füchschen so lange den Teller außerhalb der unendlich langen Greifarme schieben und dem Schnabeltier das Besteck wegnehmen muss. Aber wenn das vorbei ist, darf jeder Essen.

Und ich springe nochmal auf, weil ich merke, dass mein Trinken fehlt. Oder ein Löffel für das Füchschen. Oder ein Glas. Irgendwas fehlt immer. Gemütlich Essen ist bei uns meistens nicht drinnen.

„Danke fürs kochen, Schatz“, tönt es dann aber aus dem Mund meines Mannes. Jeden Abend. Ich glaube, das ist sein eigenes, kleines Ritual vor dem Essen. Ich mag es, sag brav danke, renne noch fünfmal durch die Küche.

„Dande für Essen kohen, Schatz“, tönt es aus dem Mund des Schnabeltieres. Jeden Abend. Und ich sage brav Danke und immer gerne.

Ja, Kinder lernen daraus, was wir ihnen vorleben. Vielleicht nicht immer das, was wir wollen. Aber schön ist es dennoch. Und wer wird nicht gerne von seinem dreijährigem Kind „Schatz“ genannt?

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